
DÜSSELDORF/LONDON. Wenn Gerrit Zalm heute in sein Büro kommt, hat der Chairman von ABN Amro es endlich geschafft. Dann ist die einst größte Bank der Niederlande endgültig zerlegt und im Kleinformat neu zusammengeschweißt. Mit der juristischen Fusion der verstaatlichten ABN Amro und der ebenfalls verstaatlichten Fortis Bank Niederlande endet ein trauriges Kapitel, das mit der größten Übernahme in der Bankgeschichte 2007 begann. Es war der wohl letzte große transformatorische Megadeal auf absehbare Zeit.
Nur ein Schatten des berühmten Vorgängerinstituts
Gut drei Jahre nachdem ein Konsortium aus der britischen Royal Bank of Scotland(RBS), der spanischen Santander und der niederländisch-belgischen Fortis die internationale Großbank ABN nach zahlreichen Widerständen in den Niederlanden übernahmen, ist die heute neu entstehende ABN Amro nur noch ein Schatten ihres Vorgängerinstituts. Sie besteht aus den Teilen, die Fortis übernommen hat, und den niederländischen Bankaktivitäten von Fortis selbst. Komplett verstaatlicht soll neben der ING und der genossenschaftlichen Rabobank ein drittes bedeutendes Bankeninstitut des Landes geformt und später an die Börse gebracht werden. Das dies aber schon im kommenden Jahr der Fall sein könnte, daran glaubt kaum jemand.
In großen Teilen der Belegschaft ist nach Jahren des Zerlegens und Rettens die Hoffnung groß, jetzt endlich nach vorne zu starten. Mit 6000 Stellen, die das neue Institut im niederländischen Privatkundengeschäft und im Backoffice streichen will, sind aber bei weitem nicht alle euphorisch. Aufbauen will die neue ABN Amro ihr Firmenkunden- und internationales Geschäft. Denn dies war zum großen Teil an RBS und Santander gewandert. Die Ratingagentur Moody's bescheinigt dem neuen Institut einen gut ausbalancierten Mix aus Privat- und Firmenkundengeschäft, eine starke Kapitalbasis und ein niedriges Risikoprofil. Herausforderungen aber seien die hohen Kosten von 1,6 Mrd. Euro, die die Fusion noch mit sich bringt und die derzeit niedrige Profitabilität der Bank.
Ein Deal wie die Zerlegung von ABN Amro wird auf absehbare Zeit einmalig bleiben. Mit einer Wiederbelegung der "Big-is-Beautiful-Mode" rechnet im Moment kaum ein Investmentbanker. Die Finanzkrise hat das Misstrauen, das viele Investoren seit jeher gegenüber Megafusionen hegten, bestätigt. Die kritischen Anleger fürchteten, dass zu große Institute ineffizient werden und vom Management kaum mehr beherrscht werden können.
Verstaatlichung der iNG, kann es sich hier um
eine Ente handeln. Der Staat hat noch eine be-
teiligung von 5 Mrd. Euro an iNG-Groep.
1 Kommentar
Alle Kommentare lesen