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Öko-Branche: Der Boom der grünen Banken ist ungebrochen

Das Geschäft der ethischen Banken boomt weiter – daran ändern auch schwarze Schafe wie die von der BaFin geschlossene Noa Bank nichts. Anständigsein allein reicht aber auch bei den alternativen Instituten nicht aus.

GLS-Bank-Chef Jorberg: "Höchstes Kundenwachstum unserer Geschichte" Quelle: dpa
GLS-Bank-Chef Jorberg: "Höchstes Kundenwachstum unserer Geschichte" Quelle: dpa

FRANKFURT. Die 30-jährige Projektmanagerin aus Süddeutschland, nennen wir sie Katrin M., hat die Konsequenzen aus ihrem Frust über das Finanzsystem gezogen. Sie kündigte im Mai ihr Konto bei der Sparkasse und wechselte zu der alternativen GLS Bank. „Wir haben im Freundeskreis oft darüber geredet, ob wir wirklich nicht wissen wollen, was mit unserem Geld geschieht“, erzählt die Angestellte einer Marketingfirma. Seither lebt sie mit dem guten Gefühl, dass ihre Spargroschen ökologische oder soziale Projekte fördern statt fragwürdiger Spekulationen.

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Die Marketingexpertin aus dem Südwesten der Republik ist nur ein Beispiel von vielen. Selbst im Jahr vier der Finanzkrise strömen „grünen“ Banken wie GLS Bank, Umweltbank oder Ethikbank ungebremst neue Kunden zu. „Wir hatten im ersten Halbjahr das höchste Kundenwachstum unserer Geschichte“, sagt Thomas Jorberg, der Chef der GLS Bank dem Handelsblatt. Insgesamt fanden 8 800 neue Kunden in den ersten sechs Monaten ihren Weg zu seinem Institut. Auch andere grüne Banken wie Umwelt- oder Ethikbank fanden neue Anhänger.

Die Zuwächse zeigen, wie nachhaltig die ethischen Banken von der Finanzkrise profitieren. Branchenkenner sind davon überzeugt, dass auch schwarze Schafe wie die am Mittwoch geschlossene Noa Bank diesen Boom nicht bremsen. „Die Noa Bank war von Beginn an nicht so transparent wie das bei anderen ethisch-ökologischen Banken üblich ist“, sagt Silke Riedel, die das Nachhaltigkeitsresearch der Beratungsgesellschaft Imug leitet. Denn der typische alternative Anleger sieht meist ganz genau hin. „Ich vermute, die meisten sind gar nicht erst bei der Noa Bank gelandet, weil bei der Bank einiges nicht sehr transparent war“, sagt Riedel. Die Noa Bank hatte zwar auch höchste Transparenz versprochen, doch anders als ihre ethischen Wettbewerber veröffentlichte sie keine genauen Anlagekriterien.

Auch Katrin M. sah sich genau um, bevor sie sich entschied. An der GLS Bank gefiel ihr, dass diese sehr genau erklärte, nach welchen Kriterien sie ihr Bankgeschäft betreibt. Zudem wollte sie zu einem etablierten Anbieter, den es schon viele Jahre gibt, nicht zu einem potenziellen Trittbrettfahrer. So hatte sie zwar auch einen Blick auf die Noa Bank geworfen, entschied sich dann aber gegen die Bank. Ihr seien die Anlagekriterien der Bank nicht transparent genug gewesen. Auch die Tatsache, dass Autovermieter oder die Lufthansa Geld bekamen, fand sie nicht nachvollziehbar.

Dieser genaue, kritische Blick dürfte ein Grund dafür sein, dass sich die negativen Schlagzeilen über die Noa Bank bisher nicht auf andere Banken ausgewirkt haben. GLS-Chef Jorberg hat von einer Verunsicherung jedenfalls nichts gespürt. „Negative Schlagzeilen sind nie schön. Aber die Probleme bei der Noa Bank haben sich nicht auf unser Geschäft ausgewirkt“, sagt er. Auch die Ethikbank bekam keinen Noa-Effekt zu spüren. „Die Menschen haben ein genaues Gespür dafür, was Ernst und was Marketing ist“, sagt Sylke Schröder, Vorstandsmitglied der Ethikbank.

Anständigsein allein reicht aber auch bei den grünen Banken nicht aus. Zwar sind Kunden alternativer Banken keine Zinsjäger, doch für lau legen auch sie ihr Geld nicht an. „Wir achten schon darauf, dass wir nicht unter den durchschnittlichen Marktkonditionen liegen. Aber unsere Kunden erwarten von uns keine Angreiferkonditionen“, sagt Jorberg. Er ist zuversichtlich, dass er weiter Erfolg haben wird. „Das Marktpotenzial für sozial-ökologische Banken ist sicher noch nicht ausgeschöpft“, sagt Jorberg. Prozentual werde sich das überdurchschnittliche Wachstum der Bilanzsumme wohl nicht fortsetzen. Aber jährlich 10 000 neue Kunden zu gewinnen, das hält er für realistisch.

Auch Schröder ist optimistisch: „Das Bewusstsein hat sich geändert. Ich merke oft bei Podiumsdiskussionen, dass viele Menschen die Nase voll von einer kalten kapitalistischen Welt haben und sich gut aufgehoben fühlen wollen.“ Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass es neue Ethikbanken geben wird. „Ich rechne eher damit, dass die konventionellen Banken sich umstellen“, sagt Imug-Managerin Riedel. Die meisten Bankkunden wollten nicht unbedingt wechseln, legten aber Wert darauf, auch bei ihrer Hausbank die entsprechenden Angebote für die Geldanlage zu bekommen.

  • 19.08.2010, 17:26 UhrAnonymer Benutzer: Holzauge

    Wer sein Geld gut anlegen will, sucht sich den besten bankier (nicht "banker").
    Dieser ist absolut ehrlich und konservativ und belastet sich nicht mit moralischen Skrupeln, die mit Geldgeschäften nicht unmittelbar zu tun haben. Der erfolgreiche Anleger wird übrigens dieselben Eigenschaften aufweisen.

  • 19.08.2010, 13:14 UhrAnonymer Benutzer: kardoss

    Welche bank ist die Richtige für die kleinen Privatanleger? Und welche ist überhaupt noch für mich geeignet? Wie nachhaltig sind unsere "WERTE " ?

    Es geht im Prinzip um die " systemrelevanten " banken und die lebenswichtigen bedürfnisse der Realwirtschaft.

    Das jetzige Finanzsystem ist auf dem besten Weg unsere ( auch EU ) Realwirtschaft abzuwürgen.
    in 1-2 Jahren werde wir eine ähnliche marode Wirtschaftsstruktur haben wir die briten und die Amerikaner.

    Z.b. mehr als 25 % des biP`s in Gb kam noch vor der immobilienkriese von der Finanzbranche. Das ist kein produktives Kapital!

    Das Scheinwachstum schufen die Gelddruckmaschinen und das Flatgeld der banken. ist das eine Volkswirtschaft?

    Schaffen Sie ( die Volkswirte )zuerst das gesunde und produktive Kapital, d.h. investment in die nachhaltigen und realen Werte.
    binden Sie das Kapital im realen Kreislauf /möglichst binnenmarkt oder Regionalmarkt/.
    Versprechen Sie den Anlegern Zinsen, die max. dem nachhaltigen und realen Wirtschaftswachstum des geschlossenen Wirtschaftskreislaufes entsprechen.
    Unterstützen Sie die homogenen Märkte durch ihr Kauf- und investmentverhalten. Die Eurozone sollte eigentlich auch ein homogener Wirtschaftsraum werden, oder?

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