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Ökonomischer Essay: Instabil und trotzdem sicher

Eine strengere Regulierung wird eine erneute Finanzkrise nicht verhindern.Die Aufsicht muss kleinere, spezialisierte Institute schaffen und gescheiterte Banken abwickeln können. Das schützt nicht nur die Volkswirtschaft, sondern nutzt auch dem Verbraucher.

Autor John Kay ist einer der renommiertesten britischen Ökonomen. Quelle: Pressebild
Autor John Kay ist einer der renommiertesten britischen Ökonomen. Quelle: Pressebild

LONDON. Im Jahr 2008 standen die Regierungen der westlichen Nationen vor der Alternative, entweder dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zuzusehen oder den Finanzinstituten massive Beihilfen und Garantien zu gewähren. Trotz all der Rettungsmaßnahmen fast unglaublichen Ausmaßes wurden die Wirtschaftsaktivitäten erheblich gestört. Menschen, die überhaupt nicht dafür verantwortlich waren, haben ihre Arbeitsplätze oder einen großen Teil ihrer Ersparnisse verloren. Es ist unverzeihlich, dass dies passieren konnte, und es darf nie wieder eintreten.

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Das öffentliche Interesse an Finanzdienstleistungen setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Die Verbraucher erwarten zu Recht, dass die Finanzdienstleistungsbranche verlässliche Dienste von guter Qualität zu niedrigen Preisen erbringt. Die Instabilität ist von spekulativen Märkten nicht zu trennen, aber die Realwirtschaft muss vor den schwersten Folgen der Instabilität im Finanzsektor geschützt werden. Die Branche sollte rentabel arbeiten, wettbewerbsfähig sein und einen spürbaren Beitrag zu den öffentlichen Mitteln leisten, anstatt sie zu beanspruchen. Keines dieser Ziele wurde erreicht.

Es ist offensichtlich, dass grundlegende aufsichtsrechtliche Reformen notwendig sind. Aber es ist unmöglich, die geeigneten Konturen einer künftigen Regulierung darzustellen, ohne die Ursprünge der gegenwärtigen Krise zu verstehen. Die traditionelle Rolle der Bank bestand darin, Einlagen entgegenzunehmen, die meist von Einzelpersonen stammten, und Kredite zu vergeben, die vorwiegend an Unternehmen flossen. Das Bankgeschäft war zwangsläufig riskant, da die Banken kurzfristige Ausleihungen vornahmen und langfristige Kredite vergaben. Sie mussten ein diversifiziertes Portfolio aufbauen und Kapital vorhalten, um sich selbst gegen Verluste zu schützen.

Durch die Entwicklung von aktiven Märkten für Verbriefungen und Fälligkeiten konnten die Banken riskante Vermögenswerte in ihrem Portfolio verkaufen und mussten sich nicht mehr länger darum sorgen, ob die Dauer ihrer Kredite und die Dauer ihrer Einlagen zusammenpassten. Dies unterminierte die traditionelle Rolle einer Bank. Einige Kommentatoren glaubten, die Finanzinstitute der Zukunft würden sich als Fachidioten präsentieren.

Mit dieser Ansicht lagen sie halb richtig und halb falsch. Alle Einzelfunktionen etablierter Banken werden jetzt auch von spezialisierten Instituten verrichtet. Oft führten sie Spezialisten am besten aus, und so wurden die Hedge-Fonds und die Beteiligungsgesellschaften zum wichtigen Bestandteil der Finanzlandschaft. Aber der Trend zur Spezialisierung war in Großbritannien und in den USA auch von einem Trend zur Diversifizierung begleitet. Traditionelle Banken wie die Citicorp verwandelten sich in Finanzkonglomerate. Die Royal Bank of Scotland wandelte sich von der regionalen Bank für das Privatkundengeschäft zur Investmentbank, zur Versicherung, zum Händler für Sparprodukte und verfügte für kurze Zeit über die größte Bilanz unter allen europäischen Instituten.

Dies hatte eine bizarre Folge: Auf der einen Seite konnten das Einlagengeschäft und die Bereiche für die Kreditvergabe der Banken auf der ganzen Welt sich neuer Märkte bedienen, um ihre Risiken einzugrenzen - was sie tatsächlich auch taten. Auf der anderen Seite führte der spekulative Handel auf denselben Märkten durch andere Abteilungen derselben Banken dazu, dass sich die Risikobelastung der Bank insgesamt in weitaus größerem Ausmaß erhöhte. Und so endete der Prozess, mit dem sich Privatkundenbanken in Finanzkonglomerate verwandelten, in den Jahren 2007 und 2008 tränenreich.

Viele dieser Institute kämpften zudem mit organisatorischen Problemen. In jeder diversifizierten Bank zeichnete sich die grundlegende Spannung zwischen der Kultur des Handelns und der Geschäftemacherei und der Kultur des konservativen bürokratischen Ansatzes ab, der dem Privatkundengeschäft angemessen ist. In diesem Konflikt blieben im Allgemeinen die Investmentbanker und Händler letztlich die Sieger.

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