
WIEN/FRANKFURT. Österreichs Banken beschleunigen den Stellenabbau. In dieser Woche hat die Wiener Cerberus-Tochter Bawag angekündigt, dass sie etwa zehn Prozent ihrer Arbeitsplätze streichen will. Stellenabbau steht auch bei den Volksbanken, bei den Sparkassen und in der Raiffeisen-Gruppe auf dem Programm. Mehrere Tausend Arbeitsplätze stehen in diesem Jahr auf der Kippe. In der Finanzwirtschaft der Alpenrepublik zeichnet sich eine Neustrukturierung der gesamten Branche ab.
Österreich gilt wie Deutschland als „overbanked“, als mit Banken überversorgt. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank EZB und der Österreichischen Nationalbank (ÖNB) kommen in der Alpenrepublik 2 000 Einwohner auf eine Bankfiliale. In Deutschland sieht die Relation mit 2 100 Einwohnern nicht viel besser aus. Zum Vergleich: In Tschechien kommen 5 300 Einwohner auf eine Filiale in Großbritannien knapp 5 000.
Osteuropa-Geschäft kann Schwächen nicht mehr ausgleichen
Angesichts sinkender Margen sehen sich die österreichischen Banken jetzt gezwungen, auf die geänderten Wettbewerbsbedingungen zu reagieren. Außerdem sind die Erträge aus dem für die Banken extrem wichtigen Osteuropa-Geschäft zurückgegangen, mit dem sich in den vergangenen Jahren Schwächen auf dem Heimatmarkt leichter ausgleichen ließen. „Die Konsolidierung des Bankenmarktes hat begonnen“, sagt Byron Haynes, Vorstandschef der Cerberus-Tochter Bawag. Deshalb bleibe auch seinem Haus nichts anderes übrig, als die Bank auf Effizienz zu trimmen. Die Folge: 500 von knapp 5 000 Jobs werden in den kommenden zwei Jahren gestrichen.
Die in Österreich extrem mächtige Raiffeisen-Gruppe legt ihre Zentralbank (RZB) mit der Osteuropa-Tochter Raiffeisen International zusammen. Die neue, größere Bank soll sich gegenüber Wettbewerbern besser behaupten können. Verbunden ist die Fusion auch mit einem Stellenabbau. Nach Angaben von RZB-Chef Walter Rothensteiner werden etwa 100 Jobs gestrichen.
Nach vorläufigen Schätzungen werden in diesem Jahr bei der Ersten Bank, dem Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen, etwa 300 von 3 000 Stellen verschwinden. Bei der Österreichischen Volksbank (ÖVAG) stehen etwa 900 Arbeitsplätze auf der Streichliste, der Abbau soll voraussichtlich bis zum Jahresende abgeschlossen sein.
Der große Unsicherheitsfaktor für Österreichs Bankenmarkt ist die Hypo Group Alpe Adria, die wegen einer drohenden Insolvenz Ende 2009 verstaatlicht worden war. Weil das Institut schon mehrfach staatliche Unterstützung erhalten hatte, drängt die EU-Kommission aus wettbewerbsrechtlichen Gründen auf eine schnelle Sanierung. 2 000 von etwa 7 500 Arbeitsplätzen könnten dieser Sanierung zum Opfer fallen. Unklar ist dabei, wie sich ein Stellenabbau konkret auf das Österreich- und das Osteuropa-Geschäft verteilen würde.
Die Situation ist schlimmer als in Deutschland
Für Branchenvertreter steht fest, dass Österreichs Banken noch stärker Personal abbauen werden. Schon 2009 war die Zahl der Beschäftigten erstmals seit fünf Jahren nicht mehr gestiegen, sondern um knapp zwei Prozent auf etwa 79 000 gefallen. Neue Regulierungsvorschriften, Steuern und Abgaben beschleunigen den Abbau. „Wir reden von Tausenden von Arbeitsplätzen“, glaubt Willibald Cernko, Chef der Bank Austria.
Deutschlands Banken stehen zwar vor ähnlichen Problemen. Doch der Stellenabbau in der Bundesrepublik fällt in Relation zur Größe des Marktes nicht ganz so deutlich aus, weil die Institute zum Teil das renditestärkere Investment-Banking betreiben, das in Österreich fast komplett fehlt. Verlierer sind hierzulande nur die Privatbanken, die gerade von der Fusion der Commerzbank mit der Dresdner Bank und der Schieflage von Sal. Oppenheim geprägt sind Laut Branchenverband fiel die Zahl der Beschäftigten im deutschen Kreditgewerbe im Jahr 2009 über alle Bankengruppen hinweg um 1,8 Prozent auf 663 000.