
MÜNCHEN. Die Naturkatastrophen-Saison ist für die Versicherungsbranche in diesem Jahr bislang dramatisch verlaufen. Das Erdbeben in Chile führte zu hohen Belastungen, auch die Hurrikan-Saison könnte angesichts relativ hoher Wassertemperaturen kostspielig werden. Dennoch hält der weltgrößte Rückversicherer Munich Re – anders als von manchen Experten erwartet – weiterhin an seinem Gewinnziel von zwei Mrd. Euro fest. Der Grund: Die Kapitalanlagen bescheren der Munich Re derzeit hohe Erträge.
Dadurch übertraf der Konzern im ersten Halbjahr die Erwartungen vieler Analysten deutlich. Der Gewinn legte sogar leicht auf 1,2 Mrd. Euro zu. Mehr als die Hälfte des Jahresziels ist also erreicht. Angesichts der Umstände sei das „ein wirklich gutes Ergebnis“, sagte Finanzvorstand Jörg Schneider. Schließlich waren die Belastungen aus Naturkatastrophen im Vergleich zum Vorjahr von 243 auf 900 Mio. Euro in die Höhe geschnellt. Das Erdbeben in Chile ist mit einer Belastung von knapp einer Mrd. Dollar für die Munich Re dabei der drittgrößte Schaden in der Konzerngeschichte. Teurer waren nur der Anschlag vom 11. September 2001 auf das World Trade Center und der Wirbelsturm Katrina im Jahr 2005.
Vor diesem Hintergrund wackelt das Ziel der Munich Re, den erwarteten Gewinnrückgang von zuletzt 2,6 Mrd. Euro auf mehr als zwei Mrd. Euro zu begrenzen. Es fällt bislang aber nicht. Das hat vor allem einen Grund: die Kapitalerträge. Das Ergebnis aus Kapitalanlagen verbesserte sich um 43 Prozent auf 5,1 Mrd. Euro. Als konservativer Anleger hat der Konzern viele festverzinsliche Anlagen im Portfolio, etwa sichere deutsche und US-Staatsanleihen. In der aktuellen Niedrigzinsphase sind deren Kurse gestiegen – was der Munich Re beim Verkauf Kursgewinne bescherte.
Bei der Munich Re betonen sie, dass nicht das Tafelsilber verschleudert wurde. Im Gegenteil: Die unrealisierten Gewinne sind im ersten Halbjahr noch einmal gestiegen von 7,9 auf 11,2 Mrd. Euro. Man habe „ganz normales, aktives Portfoliomanagement“ betrieben, drückte es Schneider aus. Natürlich lasse sich mit den stillen Reserven im Grunde jedes Ergebnis darstellen. Die Munich Re werde aber nicht Anlagen verkaufen, um den Gewinn aufzupolieren. Bei dem Rückversicherer wissen sie, dass sich die hochgerechnete Rendite von 5,3 Prozent auf die Kapitalanlagen vom ersten Halbjahr nicht so einfach wird wiederholen lassen. Schließlich muss der Konzern sein Geld weiterhin insbesondere in sichere Anleihen investieren – und hier ist das Zinsniveau derzeit niedrig.