
DORTMUND. Übertriebene Boni können auf dem Finanzmarkt falsche Anreize setzen und zu Fehlentwicklungen führen." Mit diesem Satz reagierte eine Sprecherin von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner auf Informationen des Handelsblatts über umstrittene Vertriebsmethoden in der privaten Krankenversicherung (PKV). Insbesondere Makler sehen durch Sonderboni der Versicherer Axa, Arag und Hallesche ihre Unabhängigkeit gefährdet. Zu befürchten sei, dass die Vermittler nur danach gehen, wo sie die höchste Provision erhalten. Und sich nicht daran orientieren, was das beste Produkt für den Kunden sein könnte.
Die Aigner-Sprecherin erklärte dazu auf Anfrage des Handelsblatts weiter: Die Krankenversicherung sei für den Verbraucher eine notwendige und sehr kostenintensive Versicherung. Die Entscheidung hierüber müsse sich an den individuellen Lebensverhältnissen und Bedürfnissen, insbesondere dem Gesundheitszustand orientieren. Sie dürfe nicht von sachfremden Erwägungen geleitet werden. Dieses Risiko steige aber, je höher der Verkaufsanreiz für bestimmte Produkte gesetzt wird. Auswüchse, die zu Fehlsteuerungen und Wettbewerbsverzerrungen führen, müssen bekämpft werden. "Dies bestärkt uns in der Ansicht, dass Provisionen grundsätzlich offengelegt werden müssen", erklärte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). "Nur so kann der Verbraucher ein übertriebenes Vermittlungsinteresse erkennen."
Versicherungsvermittler bekommen derzeit Euro-Zeichen in die Augen, wenn sie lesen: "Die Arag versüßt Ihnen das hervorragende Geschäftspotential in der privaten Krankenversicherung (PKV) mit einem Qualitätsbonus 2010." In diesem Herbst winkt für alle Vermittlerprofis das ganz große Geld. 300 000 bis 500 000 Kunden der Krankenkassen nehmen Versicherer und ihre Verkäufer ins Visier - so viele sollen bereit sein, zu den Privaten zu wechseln.
Jeder neue Privatpatient ist für einen Vermittler bis zu 10 000 Euro wert. Gerechnet wird dabei in Monatsbeiträgen, die der Neukunde zahlt, also zwischen rund 60 und 600 Euro im Monat. Ein Vertreter aus dem eigenen Hause erhält recht wenig: bloß sechs bis acht Monatsbeiträge Provision. Ein Makler kommt meist auf zwölf und Topverkäufer auch auf 18 Monatsbeiträge. Bei 550 Euro Prämie verdient der Profi also 10 000 Euro.
Die Krankenversicherer rangeln um neue Kunden. Sie loben daher neben den üblichen Prämien Sonderboni für die Vermittler aus. Beim Fonds Maklerservice aus München gibt es zwei Monatsbeiträge Provision extra für Verträge der Arag, die bis Ende des Jahres abgegeben werden. Und damit der Vermittler nur ja nicht umsonst arbeitet, kann er dem Wechselwilligen sogar eine "haftungssichere Garantie-Erklärung" anbieten - falls die geplanten, gesetzlichen Erleichterungen für einen Wechsel in die PKV doch wider Erwarten erst im kommenden Jahr durchgehen.
So ein Unfug! Als Makler erhalte ich in der Spitze 8 MB, da muss ich dann aber auch zu einer einzelnen Gesellschaft über 5000 Euro Beitrag bringen, was kein seriöser Makler tut.
Provisionen in der Höhe von 10, 12 oder 18 MB sind utopisch, unverantwortlich und den Großvertrieben vorbehalten die Kunden abzocken.
Versicherungsmakler Andreas Hesse, www.pkv-fuer-handwerker.de
So einen Unsinn habe ich noch nie gehört: eigene Vertreter bekommen nur 6-8 Monatsbeiträge, Makler i.d.R. 12 und Topverkäufer 18 Monatsbeiträge - ich bin seit 20 Jahren in der branche und selbst Versicherungsmakler mit über 8.000 Kunden. Wenn diese Zahlen stimmen würden, dann wäre ich längst Millionär! in Wahrheit ist es so, daß wir als Makler für die sehr aufwendige und intensive beratung, die ein komplexes Wissen voraussetzt, maximal 8-9 Monatsbeiträge erhalten, von einigen auch "nur" 6 Monatsbeiträge. Vergessen darf man hierbei aber eines nicht: wir betreuen unsere Kunden mit diesem Vertrag i.d.R. ein Leben lang, d.h. der 20jährige, der sich selbständig macht und in die PKV wechselt, wird von uns im Zweifel über 40 Jahre betreut und beraten zu seiner Krankenversicherung, wir erhalten dafür einmalig eine Vergütung. Eines kann ich aber bestätigen: es gibt zu viele schwarze Schafe, die ausschließlich nach Provision und ohne fundiertes Wissen verkaufen und den Kunden auch öfter wechseln lassen - das ist im höchsten Maße unseriös und müßte auch strafrechtlich verfolgt werden können in meinen Augen. Es handelt sich schon im Grunde um betrugsdelikte, da ist man in Deutschland noch nicht weit genug in meinen Augen trotz verschärfter Haftungsregelungen.
Wie wäre es mit einem Kick-back an die Neukunden? So 6-8 Monatsbeiträge bar auf die Hand? Da bleibt noch genug übrig für den Makler.
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