
FRANKFURT. „Das verbesserte gesamtwirtschaftliche Klima hat sich auf das Private-Equity-Geschäft übertragen“, sagt John Arney Managing Partner beim Finanzinvestor Candover. Gerade bei mittelgroßen Transaktionen zeige sich eine Belebung. Fast schon euphorisch äußerte sich kürzlich Blackstone-Chef und Branchenveteran Stephen Schwarzman: „Die Zukunft schaut jetzt deutlich heller für die Private-Equity-Industrie aus.“
Marktdaten zeigen, dass es sich um mehr als ein Gefühl handelt. Nach Erhebungen des Branchenmagazins „Unquote“ stieg das Transaktionsvolumen in Europa im dritten Quartal auf den höchsten Wert seit dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008. Insgesamt wurden 257 Deals verzeichnet – ein Plus von elf Prozent. „Damit erhöhte sich die Anzahl der Transaktionen zum ersten Mal seit dem zweiten Halbjahr 2007 in zwei aufeinander folgenden Quartal“, hieß es. Das Volumen der Übernahmen verdoppelte sich auf 9,6 Mrd. Euro. Treiber dabei war vor allem das Marktsegment unter einer Mrd. Euro.
So hatte BC Partners beispielsweise den Diagnose-Dienstleister FutureLAB erworben und legte Finanzkreisen zufolge rund eine halbe Mrd. Euro auf den Tisch. KKR investierte 250 Mio. Euro in den Musikverlag BMG Rights Management. Und im Ausland wurden sogar Milliardendeals gesichtet: So kaufte Silver Lake zusammen mit anderen Investoren für zwei Mrd. Dollar die Mehrheit an Skype. Und der Trend hat sich im Schlussquartal fortgesetzt. Blackstone investierte 2,3 Mrd. Dollar in Freizeitparks, CVC Capital kündigte den Kauf der osteuropäischen Brauereien von Anheuser-Busch für rund drei Mrd. Dollar an. Allerdings: Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum liegt die Branche in den ersten neun Monaten nach wie vor drei Viertel zurück.
„Transaktionen mit innovativen Finanzierungsstrukturen können durchgeführt werden“, lautet das Fazit des Beratungshauses SCM Strategic Capital Management. Aber noch immer tun sich die Fonds in der Regel schwer, Kredite bei Banken zu erhalten – auch wenn CVC Capital jüngst bei dem Anheuser-Busch-Deal eine Finanzierung von einer Mrd. Dollar auf die Beine stellen konnte.
Häufiger würden deshalb strategische Unternehmen oder andere Private-Equity-Häuser für Übernahmen mit an Bord geholt. Auch sei die Branche mitunter bereit, bei Käufen ganz auf Kredite zu verzichten. Und schließlich stelle oftmals der Alteigentümer ein so genanntes Verkäuferdarlehen zur Verfügung und übernehme damit praktisch die Rolle der Bank.
Trotz der positiven Signale dürfte die Erholung aber weitere Zeit benötigen. Der Grund: die in den letzten Monaten kräftig angezogenen Börsenkurse. In den Portfolios der Finanzinvestoren sorgt dies zwar dafür, dass der Wert bereits gekaufter Firmen und damit die Performance des Fonds zulegt. Zugleich steigt aber die Preiserwartung potenzieller Verkäufer, während die Konjunkturaussichten in vielen Branchen noch im Nebel liegen. „Die Fondsmanager agieren weiterhin sehr opportunistisch und ziehen es deshalb oft vor, abzuwarten“, kommentiert SCM.