
BERLIN. Während die Finanzkrise immer mehr Private-Equity-Manager zum Nachdenken bringt, geben sich einige - wie KKR - betont optimistisch. Die Amerikaner machen einfach die Not zur Tugend, verordnen sich ein neues Geschäftsmodell - und blenden nebenbei die Exzesse der Vergangenheit kurzerhand aus. Die könnte KKR und die Konkurrenz aber noch einholen.
"Ich glaube, dass unsere Industrie sehr gut positioniert ist, um die Herausforderungen zu bewältigen", gibt sich Private-Equity-Veteran und KKR-Mitgründer Henry Kravis auf dem Branchentreffen "Superreturn" in Berlin zuversichtlich. Dabei gesteht er ein: "Wenn wir uns nicht anpassen, werden wir einfach außen vor bleiben."
Was Kravis dann als Zukunftsmodell präsentiert, hat nichts mehr mit den spektakulären Milliardenübernahmen der vergangenen Jahre zu tun. 2007 etwa stemmte Kohlberg Kravis Roberts (KKR) gemeinsam mit TPG noch den Kauf des texanischen Energieversorgers TXU. "Finanzierung für große Transaktionen ist momentan einfach nicht zu haben", räumt Kravis ein. Den Fonds böten sich derzeit aber Minderheitsbeteiligungen, Mezzanine-Finanzierungen oder auch schlichtweg die mit deutlichen Abschlägen handelnden Anleihen vieler Firmen. Und natürlich, Unternehmen im Bestand müssten wetterfest gemacht werden. "Portfolio, Portfolio, Portfolio", beschreibt Kravis die Priorität Nummer eins.
In Wahrheit sind solche Aussagen die radikale Abkehr von der Praxis vieler Fonds in den vergangenen Jahren, dank billiger Kredite Firmen immer teurer und mit weniger Eigenkapital zu erwerben. ProSiebenSat.1, der deutsche TV-Sender, bei dem KKR einer der beiden Investoren ist, gilt als ein Beispiel. Am Montag erst hatte der Konkurrent Carlyle für seinen Zulieferer Edscha vor dem Hintergrund der massiven Absatzprobleme in der Auto-Branche Insolvenz anmelden müssen.
"Jetzt lernen alle, dass vorher zu viel Verschuldung im System war", sagt Roland Lienau, Managing Director beim französischen Investor Wendel. Das System milliardenschwerer, weitgehend kreditfinanzierter Übernahme funktioniere vielleicht in florierenden, aber nicht in schlechten Zeiten.