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Privatisierung trifft vor allem regionale Institute – Konkurrenz bei Hypothekenkrediten wächst: Neue Postbank krempelt Japans Markt um

Nach dem Wahlsieg von Ministerpräsident Junichiro Koizumi ist die Privatisierung der japanischen Post beschlossene Sache. Damit bewegt sich ein Riese, dessen Schritte allein wegen seiner Größe Spuren im japanischen Finanzsystem hinterlassen werden. Mit Einlagen im Spar- und Versicherungsgeschäft von umgerechnet rund 2,6 Billionen Euro sticht Japan Post jeden anderen Vermögensverwalter aus.

Wie geplant wird Japans Ministerpräsident Koizumi die Post privatisieren. Quelle: dpa
Wie geplant wird Japans Ministerpräsident Koizumi die Post privatisieren. Quelle: dpa

bas TOKIO.Als Reaktion auf Koizumis Wahlsieg sprangen die Aktien japanischer Banken zu Wochenbeginn kräftig in die Höhe. Kurzfristig überwiegt am Markt die Meinung, dass die Postprivatisierung Spareinlagen des Instituts ins private Bankensystem lenken wird. Doch Ökonom Peter Morgan von HSBC meint, dass eine privatisierte Postbank zugleich auch eine große Wettbewerberin der Privatbanken werden könnte. Noch darf die Post keine Kredite vergeben. Ändert sich dies, könnten die Zinsmargen, die in Japan ohnehin im internationalen Vergleich niedrig sind, weiter unter Druck geraten, meint Morgan. Die zentrale Frage, wann und wie die Postbank in diesen Markt expandieren darf, ist aber noch nicht entschieden. Medienberichten zufolge soll ihr ab 2007 graduell der Eintritt ins Geschäft gestattet werden. Vor allem bei Hauskrediten wird mit Konkurrenz gerechnet.

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Laut Gesetzesentwurf werden Spar-, Versicherungs- und Briefgeschäft sowie der Betrieb der Postfilialen im Oktober 2007 in vier getrennte Unternehmen aufgespalten, an denen eine Holding zunächst je 100 Prozent hält. Bis Oktober 2017 sollen alle Anteile am Spar- und Versicherungsgeschäft verkauft werden, wobei – ein Kompromiss, auf den sich Koizumi eingelassen hatte –, die Holding oder andere Postsparten Anteile zurückkaufen können. Wahrscheinlich ist, dass wie bei Privatisierungen der Bahn- oder Telefongesellschaften in Japan Anteile in mehreren Tranchen auf den Markt kommen. Wann dies geschieht, ist aber noch völlig unklar.

Das Bankenteam von Lehman Brothers rechnet in einer Studie damit, dass die Auswirkungen auf die großen Geschäftsbanken insgesamt leicht positiv sein könnten. Sollten die Banken die Postfilialen – dann eine von der Postbank unabhängige Geschäftseinheit – etwa zum Vertrieb ihrer Finanzprodukte für Privatkunden nutzen können, würde dies ihre Reichweite spürbar stärken. Von diesem Vertriebskanal dürften vor allem die Wertpapierhäuser profitieren, denen die Postprivatisierung wohl die meisten Vorteile bringt. Ab Dezember können Nomura und Daiwa Securities diesen Weg mit den ersten Verkäufen von Investmentfonds in ausgewählten Postfilialen testen.

Verlierer der Postprivatisierung dürften nach Einschätzung der Analysten die vielen Regionalbanken in Japan sein, deren Vorteil des Filialnetzes in ländlichen Gebieten schwindet, wenn auch in den Postfilialen Kredite vergeben und Aktien verkauft werden. Mit rund 24 000 Filialen ist die vor zwei Jahren von einer Behörde zum öffentlichen Unternehmen umgewandelte Japan Post nicht zu schlagen.

Auch Bankanalyst Ned Akov von der australischen Investmentbank Macquarie meint: „Die Effekte werden für die Regionalbanken wohl negativer sein als für die Großbanken.“ Dies könne, je nach genauer Ausgestaltung der Privatisierung, die Konsolidierung unter den Regionalbanken langfristig ankurbeln. „Andererseits haben auch diese sich finanziell erholt. Es geht ihnen nicht schlecht.“ Bei allem Verdrängungswettbewerb gelte es zudem zu bedenken, dass die Post bisher kein geschultes Vertriebspersonal habe, um Kredite oder Investmentfonds zu verkaufen, meint Akov. Das ist auch laut Lehman Brothers der Grund dafür, dass es nicht zu dramatischen Änderungen in der Finanzlandschaft kommen wird.

Unklar ist auch, wie viel ihres Einlagengeschäfts die Post in die Kreditvergabe stecken kann. Derzeit geht der Großteil in japanische Staatsanleihen. Wie frei sie davon Abstand nehmen darf, ist eine weitere offene Frage. Im Gesetz heißt es nur zweideutig, es solle gewinnorientiert investiert werden, ohne die Märkte in Aufruhr zu versetzen.

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