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Privatkundengeschäft: Commerzbank sieht langsame Genesung

exklusivPrivatkundenvorstand Martin Zielke freut sich über Erfolge der neuen Privatkunden-Strategie. Fast eine Viertelmillion neue Kunden habe die Commerzbank 2012 begrüßt. Gewinn wirft die Spart aber noch lange nicht ab.

Neue Privatkunden-Strategie bei der Commerzbank: „2013 legen wir weiter zu“. Quelle: dapd
Neue Privatkunden-Strategie bei der Commerzbank: „2013 legen wir weiter zu“. Quelle: dapd

FrankfurtDie Commerzbank beobachtet erste Erfolge ihrer neuen Privatkunden-Strategie. „Netto haben wir im vergangenen Jahr mehr als 230.000 Kunden gewonnen. Und auch 2013 legen wir weiter zu“, sagte Privatkundenvorstand Martin Zielke in einem Interview mit dem Handelsblatt. Das Wachstum bei Immobilienkrediten habe sich auch in diesem Jahr fortgesetzt.

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„Das Neugeschäft in der Baufinanzierung liegt in den ersten beiden Monaten 2013 um fast 50 Prozent über dem Vorjahreszeitraum“, so Zielke. Auch das Girokonto mit Zufriedenheitsgarantie, bei dem Kunden 50 Euro Abschiedsprämie erhalten, wenn sie es nach 15 Monaten wieder kündigen, ist in seinen Augen ein Erfolg: „Bisher nutzen es bereits mehr als 80.000 Kunden“, sagte der Commerzbank-Manager.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

  • August 2008

    Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

  • September 2008

    Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

  • November 2008

    Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

  • Dezember 2008

    Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

  • Januar 2009

    Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

  • April 2011

    Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

  • Oktober 2011

    Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

  • Juni 2012

    Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

  • März 2013

    Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

  • Mai 2013

    Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

In höheren Erträgen wird sich das Wachstum im Kundengeschäft aber erst mit Verzögerung niederschlagen: „Wir investieren bis 2016 massiv in unser Geschäft“, sagte Zielke. Die höhere Kundenzufriedenheit und das Wachstum bei Konten und Einlagen zeigten, dass der Umbau greife. „Wir erwarten, dass unsere Maßnahmen im Privatkundengeschäft ab 2014 auf der Ergebnisseite zunehmend wirken“, sagte Zielke. In diesem Jahr geht die Bank laut ihres Geschäftsberichts davon aus, dass die Sparte überhaupt keinen Gewinn abwerfen wird.

Comdirect-Chef im Interview „Kunden sehen, wie wertvoll ein deutsches Konto ist“

Thorsten Reitmeyer über Sorgen deutscher Sparer und warum die Bank nichts für Apple ist.

Die Privatkundensparte ist eine der großen Baustellen der Commerzbank. Trotz der Übernahme der Dresdner Bank 2008 wirft die Sparte bis heute nicht die erhofften Erträge ab. Von den ursprünglichen Plänen, eine Milliarde Euro in der Sparte zu verdienen, ist die Bank längst abgerückt. Das neue Ziel lautet, bis 2016 operative Erträge in Höhe von 500 Millionen Euro zu erzielen.

Commerzbank-Interview zum Download „Die Bankfiliale lebt“

Martin Zielke, Privatkundenvorstand der Commerzbank, spricht im Interview über die neue Strategie des Hauses, zufriedene Kunden und die Frage, wann sich beides auszahlt. Der Umbau der Bank zeige Wirkung.

  • 04.04.2013, 16:56 UhrCoBa-Man

    Das mit dem Schrott stimmt schon - und er heißt "Dresdner".
    Dass die CoBa in den letzten 4 Jahren massiv zu kämpfen hatte, dürfte klar sein. Aber die Anlässe waren allesamt externe. Und bei den globalen Einflüssen der Finanzkrise hat sich die CoBa immernoch gut gehalten. Das Investment ist sicher nur etwas für langfristig orientierte Anleger. Aber über die Erfolgsaussichten freue ich mcih jedes Mal, wenn ich mich eiter zu günstigen Preisen eindecken kann.

    Also nur zu, verkauft Eure Anteile. Ich staube sie dann günstig ab und werde in 5 Jahren tolle Redniten haben!

  • 04.04.2013, 13:01 Uhrtyche

    Diese Bank sollte für immer verschwinden,ich habe ,,nur"ca 30000€ bei diesen ,,Kundenberatern" verloren

  • 04.04.2013, 09:41 UhrAnonym

    Die Coba ist der Vorreiter in Sachen: Gewinne kapitalisieren und die Verluste sozialisieren ! Herr Blessing verzichtet angeblich auf seine Boni und gleichzeitig verdoppelt er seine jährlichen Bezüge !!! Es wird Zeit, dass man diese Bank schlíesst und nicht auf Kosten der Steuerzahler weiter ernährt !

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