
Frankfurt/BerlinMehr Kapital auf der hohen Kante, falls mal etwas schiefgeht; keine zu großen Finanzkonzerne, die am Ende vom Steuerzahler aufgefangen werden müssen; eine engmaschige Aufsicht über jene Banken, die den Bezug zur Realwirtschaft verloren haben - all das verlangen die internationalen Aufsichtsbehörden von allen Banken.
Die Sparkassen allerdings sagen: Wir sind anders. Wir brauchen diese Regulierung nicht. Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes drückt es gegenüber Handelsblatt Online so aus: „Es ist wie so oft: Die, die man packen kann, werden als erste gegriffen. Das bilanzwirksame Geschäft ist nun mal leichter erfassbar als jenes, das außerhalb stattfindet, also beispielsweise im Derivatebereich.“
Mit einer Bilanzsumme von 10,8 Milliarden Euro (2010) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.580 Menschen bei der Sparkasse.
Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2010 auf eine Bilanzsumme von 11,4 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.782 Angestellte in 143 Filialen.
Mit einer Bilanzsumme von etwas weniger als 11,9 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf rund eine halbe Milliarden Euro vor dem Dresdner Sparkassenableger.
2010 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 234 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.
Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat in der Bilanz 2010 eine Summe von 12,6 Milliarden Euro ausgewiesen.
Die Stadtsparkasse München ist - wenig überraschend - das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,5 Milliarden Euro für Rang fünf.
Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,3 Milliarden Euro - mit 1.835 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3.170 Angestellte.
Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2010 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25 Milliarden Euro ausgewiesen.
Auch Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,7 Milliarden Euro (2010) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.
Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2010 auf eine Bilanzsumme von 38,7 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5.625 Mitarbeiter.
Und bilanzwirksam, das ist das Geschäft der Sparkassen mit kleinen und mittleren Unternehmern, mit Kommunen und Privatleuten. Haasis befürchtet, dass dieses Geschäft schwieriger wird. Schwieriger, wenn die Regulierung, die als Folge der Finanzkrise verschärft werden soll, auch für die 430 Sparkassen in Deutschland greift, die zusammengenommen eine höhere Bilanzsumme haben als die Deutsche Bank.
Er wehrt sich. Betreibt er puren Lobbyismus oder hat er Recht? Sechs Gründe, warum die Sparkassen Recht haben, stehen sechs Gründen gegenüber, warum sie auf dem falschen Dampfer sind. Entscheiden Sie selbst:
Sollten Sparkassen von der Bankenregulierung ausgenommen werden?
Ja. Die Sparkassen mit ihrem regional ausgerichteten Geschäftsmodell haben sich als Stabilisator in der Finanzmarktkrise erwiesen. Ungerechterweise müssen sie jetzt auch noch die Zeche der weltweit angestoßenen Finanzmarktregulierung zahlen. Die Ursache für die Fast-Kernschmelze des internationalen Finanzsystems waren aber nicht die stabilen Geschäfte der Sparkassen.
Ja. Im Zuge der Einführung der härteren Eigenkapitalanforderungen nach Basel III werden sich die Mittelstandskredite verteuern. Der Mittelstand stellt aber das volkswirtschaftliche Rückgrat Deutschlands dar und ist nach wie vor stark kreditfinanziert. Es wäre ein Treppenwitz, wenn die Bankenregulierung zu Kreditkosten führt, die den Mittelstand stark belasten und die Wirtschaft in Deutschland damit abwürgen.
Und wer muss am Ende unter dem ganzen Regularien leiden? Der kleine Mitarbeiter, der sich Tag für Tag für sein Spk einsetzt und sich abkämpfen. Genau die, die für die Verlustgeschäfte von Landesbanken und Großbanken am wenigsten können.
Nicht die einzelnen Spk und deren Mitarbeiter sind schuld an den Problemen. Die Geschäfte und Fehlkäufe (BayernLB) haben die Landesbanken schon selbst gemacht und POLITIKER und hohe Persönlichkeiten entschieden. Unter diesen Verlusten litten die Spk anteilig und letztendlich die Mitarbeiter durch entsprechende Einsparungen und Outsourcing.
Von der Bankenkrise 2008/9 so richtig betroffen waren als erste die Banken mit staatlichem Eigentümer, nämlich die Landesbanken. Brüssel hatte ihnen verboten, ab 1.1.2006 mit vom Steuerzahler garantierten Geld zu arbeiten. Daraufhin haben diese Banken noch unheimliche Summen aufgenommen (für die wir eh haften), um dann in eigenartige Finanzvehikel zu investieren ("Kreditersatz-geschäft"), die sich als Katastrophe entpuppten. Die privaten Banken schafften es fast alle ohne Staatshilfe!
Korrektur:
Im letzten Satz muss es natürlich heißen "NICHT völlig losgelöst von der Aufgabe, ... zu diskutieren".
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