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Prozess: Liechtenstein: Der betrogene Betrüger

Der erste verurteilte Steuersünder in der Liechtenstein-Affäre fordert Schadensersatz von einem ehemaligen Ableger der Fürstenbank LGT – weil sie ihm nicht nur beim Steuerbetrug geholfen, sondern ihn dabei auch übers Ohr gehauen haben soll. Ein Prozess mit weitreichenden Folgen.

Die LGT in Liechtenstein ist wieder in den Schlagzeilen. Quelle: ap
Die LGT in Liechtenstein ist wieder in den Schlagzeilen. Quelle: ap

DÜSSELDORF/VADUZ. Der Stuhl des Klägers bleibt leer. Er ist nicht gekommen. Und sein Anwalt weiß auch, warum. „Mein Mandant möchte keine Person der Zeitgeschichte werden“, sagt Hannes Mähr. Dabei scheint die Furcht vor einem Blitzlichtgewitter reichlich übertrieben. Gerade mal eine Handvoll Medienvertreter hat sich gestern in den nüchternen Gerichtssaal 3 des Fürstlichen Landgerichts in der liechtensteinischen Hauptstadt Vaduz verirrt.

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Der Mandant, ein älterer Herr namens Elmar S., ist ein kleiner Mann, nicht größer als 1,70 Meter, schmal; beim letzten Mal, als er vor Gericht stand, trug er einen dünnen Lehrerbart zum tristen Anzug. Und medienscheu war er auch damals, Mitte 2008, als er wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. Dass er nun, selbst ohne Foto, eine Person der Zeitgeschichte werden könnte, unfreiwillig berühmt, hier in Liechtenstein und auch in Deutschland, seiner Heimat, daran ist er selbst schuld.

Nicht nur, dass er diesen Prozess angestrengt hat, der am Mittwoch früh beginnt. Er will in diesem Verfahren auch einen ganz persönlichen, eigentümlichen Sinn für Gerechtigkeit durchsetzen – und andere Deutsche hoffen darauf, dass es ihm gelingt. Elmar S. hat sich von der Anklage- auf die Klägerbank gesetzt, um von seinen früheren Steuerhinterziehungsgehilfen im Fürstentum Schadensersatz in Millionenhöhe zu erstreiten. Manche sagen, er ist tief gefallen.

Es ist die Geschichte von einem betrogenen Betrüger, so jedenfalls die Version des Immobilienhändlers aus dem piekfeinen deutschen Millionärsdorf Bad Homburg. Der düpierte Steuertrickser S. hatte sich einst mit dubiosen Treuhändern in Liechtenstein eingelassen, um mit ihrer Hilfe Millionen von Steuern zu hinterziehen.

Im Juli 2008 wurde er dafür vom Landgericht Bochum verurteilt. Zwölf Millionen Euro musste er zurückzahlen, weitere 7,5 Millionen Euro als Strafe berappen. Nun verklagt er seine ehemalige Komplizin, die liechtensteinische LGT-Treuhand, auf 13,5 Millionen Euro Schadensersatz – weil deren Mitarbeiter ihn bei der Steuerflucht über den Tisch gezogen haben sollen.

Und Elmar S. ist nicht der Einzige, der auf diesem Weg Front macht gegen die LGT-Treuhand, die heute Fiduco heißt und früher ein Ableger der LGT-Bank des liechtensteinischen Fürsten war. „Mindestens drei bis vier Dutzend“ verurteilte deutsche Steuersünder stünden in den Startlöchern, um S. nachzueifern, wenn er Erfolg haben sollte, sagt der Vaduzer Anwalt und Ex-Justizminister im Fürstentum, Heinz Frommelt. Auch in einer deutschen Anwaltskanzlei, bei der viele Steuersünder landen, warten rund 20 Klagebereite. „Wir haben einige, die sagen, wir verklagen die Bank auf jeden Fall“, heißt es dort.

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