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Quartalsergebnis: Kerngeschäft der Commerzbank zeigt Schwächen

Fast eine halbe Milliarde Euro hat die Commerzbank für den Umbau des Geschäfts im jüngsten Quartal verbucht. Daher meldet die Bank erneut einen Verlust. Das wichtige Mittelstandsgeschäft muss einen Rückschlag verkraften.

DüsseldorfDie Commerzbank hat in den ersten drei Monaten des Jahres einen Verlust nach Steuern in Höhe von 94 Millionen Euro verzeichnet. In den vergangenen zwei Jahren waren im selben Zeitraum jeweils dreistellige Millionenüberschüsse angefallen.

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Konzernchef Martin Blessing hat diesmal aber einen Großteil der Kosten für das Umbauprogramm des Unternehmens in das Ergebnis gebucht. Die Bank baut derzeit bis zu 6000 Stellen ab und restrukturiert unter anderem das Privatkundengeschäft. Dafür seien Ausgaben in Höhe von fast einer halbe Milliarde Euro angefallen.

Die Erträge der Bank kletterten gegenüber dem letzten Quartal 2012 leicht, liegen aber mit 2,46 Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert (2,58 Milliarden Euro). Vor allem ein geschrumpfter Zinsüberschuss trug dazu bei. Auch der Rest des Jahres werde durch voraussichtlich steigende Kreditausfälle, Druck auf die Erträge und höhere Investitionen geprägt sein, so Commerzbank-Finanzvorstand Stephan Engels.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

  • August 2008

    Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

  • September 2008

    Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

  • November 2008

    Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

  • Dezember 2008

    Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

  • Januar 2009

    Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

  • April 2011

    Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

  • Oktober 2011

    Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

  • Juni 2012

    Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

  • März 2013

    Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

  • Mai 2013

    Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

In der Kernbank – also ohne die zur Abwicklung bestimmten Sparten Immobilien-, Schiffs- und Staatsfinanzierung – sank das operative Ergebnis im Vorjahresvergleich vor allem wegen der niedrigen Zinsen auf 556 (866) Millionen Euro, wie das Institut am Dienstag mitteilte.

Für die Schifffahrtsbranche sieht die Bank erst in mehr als einem Jahr Licht am Ende des Tunnels. „Die Erholung in der Schiffsindustrie könnte irgendwann im zweiten Halbjahr 2014 beginnen“, so Engels zu Analysten. Bis dahin sei eine anhaltend hohe Risikovorsorge in der Schiffsfinanzierung zu erwarten. Derzeit lägen die Rückstellungen auf einem stabilen Niveau. Die Commerzbank ist einer der größten Schiffsfinanzierer der Welt, will dieses Geschäft aber einstellen und abwickeln.

  • 07.05.2013, 18:30 Uhrth235

    Falled
    Was hat der Blessing alles versprochen, so wie der Pfarr von der Kanzel am Sonntag, oder der Blüm "Die Renten sind sicher". Das war einmal. Beide liegen falsch. Die Renten sind nicht sicher und die Coba ist insolvent. Daher müsste eigentliche die Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main Herrn Blessing wegen Konkursverschleppung und Steuerhinterziehung anklagen. Aber bis heut ist nichts geschehen. Der Vergleich mit Härter, Wedekind & Co drängt sich hier auf. Doch die "Saubermänner" genannt Staatsanwälte schlafen in Frankfurt am Main. Anders kann man das gewurschtle von Herrn Blessing nicht mehr ansehen, geschweige, dass seiner "Mitstreiter". Doch der Kleinaktionär, der für seine private Altersvorsorge, weil die "Renten sind sicher" Aktien (Eier) dieses "Hauses" in Portfolio (Nest) gelegt hat, sind ungeniessbar geworden. Nur die Vorständen genehmigen sich mit Hilfe der Soffin üppige Gehälter. Die Justiz in Deutschland sollte man zur Rechenschaft ziehen, so wie im Mittelalter.

  • 07.05.2013, 14:03 UhrHSCH100

    Der liebe Herr Blessing ist dieser Aufgabe schlicht und einfach nicht gewachsen. Auch Papa scheint da keine Hilfe zu sein. Machen wir doch dem Drama ein Ende und wickeln die Bank endlich ab, bevor die Kassen leer sind.

  • 07.05.2013, 12:19 UhrMJM1605

    Ich habe irgendwie den Eindruck dass Blessings Streben nach ursprünglichen und seriösen Bankaktivitäten, das sich Konzentrieren auf das Privatkundengeschäft und den Mittelstand, irgendwie nicht in diese Zeit passt. Eine zunehmende Verarmung der Europäischen (ja auch Deutschen) Bevölkerung und damit zunehmenden Schwierigkeiten der Privatkunden und Mittelständischen Firmen, ist unausweichlich. Auf der anderen Seite sein zunehmender Rückzug (zugegeben mit Griechenland hat er schlechte Erfahrungen gemacht) aus Südländischen Staatsanleihen, die ja seitens der EZB auf jeden Fall gedeckt werden. In den nächsten Jahren können wohl nur diejenigen Banken große Gewinne verzeichnen, die sich wieder verstärkt auf Spekulationsgeschäfte (Rohstoffe, Aktien etc.) einlassen.

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