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Quartalssaison: Trügerischer Frühling der US-Bankenbranche

Nun haben alle großen US-Banken ihre mit Spannung erwarteten Zahlen für das erste Quartal vorgelegt. Zeit für eine Bilanz: Bis auf Morgan Stanley präsentierten alle Geldhäuser starke Zahlen. Aber damit sind sie noch lange nicht über den Berg. Ein Stimmungsbericht aus New York.

Blick auf ein Gebäude der Wells Fargo Bank im Stadtteil Beverly Hills in Los Angeles. Das Institut veröffentlichte als erstes positive Zahlen und läutete damit eine Reihe von Milliardengewinnen bei US-Banken ein. Quelle: dpa
Blick auf ein Gebäude der Wells Fargo Bank im Stadtteil Beverly Hills in Los Angeles. Das Institut veröffentlichte als erstes positive Zahlen und läutete damit eine Reihe von Milliardengewinnen bei US-Banken ein. Quelle: dpa

NEW YORK. Es war zu schön, um wahr zu sein: Als Wells Fargo am 9. April als erste der führenden US-Banken stolz die Quartalszahlen vorlegte und völlig überraschend einen Rekordgewinn von drei Mrd. Dollar auswies, waren die Hoffnungen groß. Mancher träumte von einem schnellen Ende der Krise an der Wall Street. Jetzt, nach Abschluss der Berichtssaison macht sich trotz aller Anzeichen für eine Verbesserung der Gesamtlage Ernüchterung breit.

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Denn neben dem profitablen Kreditneugeschäft und einem vermutlich kaum wiederholbaren Anstieg der Handelsgewinne waren vor allem Sondereffekte - manche nennen es Bilanzkosmetik - für die kurze Frühlingsblüte verantwortlich. Dunkle Wolken in Form von rasant steigenden Ausfallraten vor allem bei Kreditkarten und Gewerbeimmobilien sind am Horizont mehr als deutlich erkennbar. Einen echten Sommer wird es für die meisten US-Banken 2009 wohl nicht geben.

Seit dem Ausbruch der Krise im Sommer 2007 litten die US-Banken unter Milliardenabschreibungen auf zweitklassige Immobilienkredite und riskante Übernahmefinanzierungen. Mehr als 50 Institute, darunter die Investmentbank Lehman Brothers, sind seither in die Pleite gerutscht.

Wie die amerikanischen Banken zu ihren erstaunlich hohen Gewinnen gekommen sind, zeigen besonders gut die Beispiele Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo. Sie profitierten von einem Anstieg der Handelsgewinne und historisch niedrigen Refinanzierungskosten sowie den gesunkenen Abschreibungen. Letztere halbierten sich etwa bei Wells Fargo gegenüber dem vierten Quartal fast. Dank staatlicher Garantien für ihre Anleihen und einem Leitzins nahe null Prozent konnten die Banken bei weiterhin relativ hohen Kreditkosten für Industrie, Konsumenten und Häuslebauer zudem gutes Geld verdienen.

Aber die Institute nutzten auch Schlupflöcher, die die neuen Bilanzierungsregeln erlauben. Da Goldman Sachs etwa das Geschäftsjahresende vom 31. November auf den 31. Dezember verschob, fiel der letzte Monat 2008 quasi unter den Tisch. Keiner weiß so recht, was der Wall-Street-Primus dort hineingebucht hat, wodurch das erste Quartal möglicherweise günstiger dasteht, als es tatsächlich war. "Davon träumt jeder Finanzvorstand", unkte Analyst Brad Hintz, der selbst früher Finanzchef bei der untergegangenen Investmentbank Lehman Brothers war.

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