
HB FRANKFURT. Es ist die Vorsicht der Deutschen Bank, die so manchen Analysten erschreckt: Deutschlands größtes Geldhaus erhöhte ihre Vorsorge für drohende Kreditausfälle auf eine Milliarde Euro, wovon allerdings knapp die Hälfte auf zwei Einzelkunden zurückzuführen ist. Analyst Konrad Becker von Merck Finck sprach von einer bösen Überraschung.
Er rechne aber nicht damit, dass die Belastungen im weiteren Jahresverlauf in dieser Höhe anhielten. Die Milliarde könne angesichts der Sondereffekte durch die zwei Kunden nicht einfach auf die nächsten Quartale übertragen werden, betonte der Bankanalyst. Sein Kollege Dirk Becker von Kepler urteilt: "Da wir noch in der Rezession stecken, könnte dies in den nächsten Quartalen zu weiteren Problemen führen."
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann macht keinen Hehl daraus, dass er die Krise noch längst nicht für überstanden hält: "Der Ausblick für das verbleibende Jahr 2009 hängt stark davon ab, wie es mit der Entwicklung der globalen Wirtschaft weitergeht." Zuletzt hätten sich die Finanzmärkte weiter stabilisiert. Für eine Entwarnung ist es dennoch zu früh: Das Umfeld sei unsicher.
Unterm Strich hat die Deutsche Bank im zweiten Quartal dank ihres florierenden Investment-Bankings erneut einen Milliardengewinn eingefahren. Das Geldhaus verdiente von April bis Ende Juni knapp 1,1 Milliarden Euro. Im Vorquartal waren es fast 1,2 Milliarden Euro gewesen, vor einem Jahr 645 Millionen Euro. Die Analysten hatten mit einem Abschneiden auf dem hohen Niveau gerechnet. Trotzdem machte sich vor allem nach einem genaueren Blick auf die Zahlen schnell Ernüchterung breit.
Damit verfehlte die Bank allerdings ihr Renditeziel von 25 Prozent vor Steuern im ersten Quartal. Der Wert sank auch wegen einiger Sonderbelastungen auf 16 Prozent. Unter anderem stieg die Vorsorge für faule Kredite stark an. Das Privatkundengeschäft verlief weiter schleppend und landete wegen eines teuren Umbaus letztlich im Minus.