
pk/rob/HB FRANKFURT. Die mit staatlichen Milliardenhilfen am Leben gehaltene WestLB stellt sich in den kommenden Monaten auf steigende Kreditausfälle ein. Das Ergebnis im vierten Quartal werde sich unterdurchschnittlich entwickeln im Vergleich zu den Vorquartalen, was vor allem an einem steigenden Risikovorsorgebedarf liege, teilte das Düsseldorfer Institut am Donnerstag mit. Zudem würden Kosten für die Auslagerung von Portfolios und zur Aufspaltung der Bank das Ergebnis belasten.
Nach neun Monaten stand bei der WestLB dank der Hilfen ihrer Eigentümer ein Gewinn vor Steuern von 262 Mio. Euro in den Büchern. Das ist deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum. Damals war das Ergebnis jedoch durch Einmalgewinne aus der Übertragung von riskanten Portfolios in eine Zweckgesellschaft aufgebläht gewesen.
Derweil hat das Handelsblatt erfahren, dass der staatliche Bankenrettungsfonds die WestLB mit frischem Eigenkapital bei der Gründung einer Bad Bank unterstützen soll. Die Eigentümer der WestLB verhandeln mit dem staatlichen Rettungsfonds Soffin unter Hochdruck über einen Einstieg des Bundes bei der Landesbank. Nach Angaben aus Berliner Verhandlungskreisen könnte der Soffin eine Eigenkapitalspritze von zwei Mrd. bis drei Mrd. Euro für die zukünftige Kernbank der WestLB geben.
Grund für die Überlegungen sind die schwierigen Gespräche über die Nutzung des Bad-Bank-Modells zur Sanierung der WestLB. Um die Bilanz zu entlasten, will die Bank als erstes Institut toxische Wertpapiere und nichtstrategische Geschäftsfelder in eine neue Abwicklungsbank auslagern. Im Gespräch sind für die Abspaltung verschiedene Aktiva über mindestens 87 Mrd. Euro, möglicherweise werden es am Ende der Verhandlungen aber deutlich mehr werden. Die dadurch entlastete Kernbank soll dann nach den Vorgaben der EU-Wettbewerbshüter verkauft werden oder mit einer anderen Landesbank fusionieren.
Die WestLB war durch riesige Fehlspekulationen an den Kapitalmärkten in Not geraten und wird derzeit durch Ausfallgarantien der Eigentümer und des Soffin über Wasser gehalten. Diese Maßnahmen laufen aber am 30. November aus.
Der Einstieg des Bundes würde einen Präzedenzfall schaffen. Bisher galten die Landesbanken in Deutschland als reine Ländersache, Eigenkapital vom Soffin bekamen nur die mittlerweile verstaatlichte Hypo Real Estate, die Commerzbank und der Immobilienfinanzierer Aareal. Die Anteile an der WestLB halten im Wesentlichen die Sparkassenverbände und das Land NRW. Seit Wochen verhandeln der Soffin, die Eigentümer und das Bundesfinanzministerium (BMF) über das künftige Modell für die WestLB.
Die Sparkassen sollten sich ganz aus der WestLb zurückziehen!
Es gibt 3 gute Gründe dafür, dass sich die Sparkassen ganz aus den Landesbanken zurückziehen sollten:
a) Die geforderte Risikovorsorge bzw. die zusätzlich notwendige Eigenkapitalversorgung überfordert die Sparkassen in NRW.
b) Mit einer Kapitalerhöhung bei der WestLb würden sie ihr eigenes Eigenkapital gefährden und damit mglw. eine Kreditklemme bei ihren Kunden auslösen. Geschädigter wäre v.a. der Mittelstand.
c) Mit einem Rückzug könnte die Aufgabenverteilung zwischen den Landesbanken und den Sparkassen neu geregelt werden. Sparkassen sind Ansprechpartner für kleine u. mittelständische Unternehmen, das Privatkundengeschäft. Die Landesbanken für Großkunden, immobilien- und Risikokredite (Venture Capital) in Deutschland. Auslandsgeschäfte der Landesbanken wären nur dann zugelassen, wenn damit ein Finanzierungsgeschäft eines inländischen Kunden unterstützt wird. Eigengeschäfte in Aktien, immobilien- u. Schiffsfonds wären verboten.
Das wäre ein zukünftiges Geschäft auf kleinerer Flamme. Für diese Umorientierung ist ein Einstieg des Staates zwingend notwendig (natürlich zu marktüblichen bedingungen; im Zweifelsfall muss das Land NRW bluten - dann merken sich die Politiker (Verantwortliche der Krise) ihre Fehler - Lernen durch Schmerzen, anders geht es in D nicht!).
1 Kommentar
Alle Kommentare lesen