
FRANKFURT. Analysten monierten, dass die Bank im dritten Quartal massiv von Sondererträgen profitierte und bereinigt um diese nicht an die guten Zahlen der großen US-Konkurrenten anknüpfen konnte.
Unter dem Strich fuhr die Deutsche Bank von Juli bis September mit 1,4 Mrd. Euro das zweitstärkste Ergebnis in einem dritten Quartal seit Gründung ein. Vor einem Jahr war wegen der Finanzkrise lediglich ein Plus von 414 Mio. Euro zu Buche geschlagen. Allerdings: Wegen einer Steuerrückerstattung aus früheren Jahren sowie Sondererträgen - vermutlich aus Beteiligungsverkäufen - musste der Fiskus der Bank sogar noch Geld überweisen. Dies veranlasste das Institut dazu, gut eine Woche vor Präsentation der Quartalszahlen Eckdaten zum Geschäft zu veröffentlichen.
Vor Steuern fiel ein Gewinn von 1,3 Mrd. Euro an, Analysten hatten der Deutschen Bank mit 1,2 Mrd. Euro etwas weniger zugetraut. Im Vergleich zu den überraschend positiven Ergebnissen der Wall Street vergangene Woche konnten die Frankfurter kaum mithalten: Goldman Sachs hatte 3,2 Mrd. Dollar verdient, J.P. Morgan sogar 3,6 Mrd. Dollar. "Die Zahlen sind solide, aber nicht überwältigend", urteilte Unicredit-Analyst Stefan Stalmann. Citigroup verwies auf offene Fragen bezüglich der Qualität und der Nachhaltigkeit des Vorsteuergewinns.
Immerhin: Auch die Vermögensverwaltung und die Betreuung vermögender Privatkunden (Asset and Wealth Management) schrieben wieder schwarze Zahlen. Im ersten Halbjahr war hier noch ein Verlust von gut einer Viertelmilliarde Euro angefallen.
Mit 11,7 Prozent Kernkapitalquote (Tier 1) scheint die Deutsche Bank nur auf den ersten Blick überdurchschnittlich stark kapitalisiert zu sein. Denn hierin werden auch sogenannte Hybride - also Mischformen von Kapital - angerechnet, deren Zukunft als äußerst unsicher gilt. Die Betonung wird künftig vielmehr auf "hartem Kernkapital" liegen. Experten rechnen hier mittelfristig mit einer Mindestanforderung von acht Prozent - doppelt so viel wie bislang. Diesen Wert dürfte die Deutsche Bank aktuell bestenfalls knapp überschreiten, womit der Spielraum für Zukäufe eher gering bliebe.
Dabei hat Ackermann mehrfach betont, die Stärke des eigenen Hauses durch gezielte Expansion etwa im Privatkundengeschäft nutzen zu wollen. Kurzfristig gilt die Mehrheitsübernahme der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim für etwa eine Mrd. Euro als sicher. Details könnten nächste Woche verkündet werden. Mittelfristig steht zudem die Aufstockung des gut 25-prozentigen Anteils an der Postbank auf der Agenda - was nochmals mehr als eine Mrd. Euro kosten dürfte. Darüber hinaus wird Ackermann Interesse an den rund 150 norditalienischen Filialen von Monte dei Paschi nachgesagt, deren Preis im mittleren dreistelligen Millionenbereich liegt.
"Man wird sich vermutlich einen Puffer schaffen", prophezeite Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg. "Ich halte eine Kapitalerhöhung für wahrscheinlich." Es spreche einiges dafür, dass die Deutsche Bank das derzeit günstige Marktumfeld für Kapitalerhöhungen ausnutze - auch wenn es keinen unmittelbaren Zwang gebe. Ähnlich sieht es UBS-Analyst Philipp Zieschang . Mit einer harten Kernkapitalausstattung von acht Prozent werde es der Deutschen Bank wohl nicht gelingen, die Befürchtungen im Markt hinsichtlich einer Kapitalerhöhung zu zerstreuen. Die Deutsche Bank wollte sich hierzu nicht äußern.
Seit längerem halten sich Spekulationen über eine Kapitalerhöhung des heimischen Branchenprimus. Ackermann hatte kürzlich bekräftigt, die Branche müsse ihr Eigenkapital aufstocken. Dabei hatte er auch auf erfolgreiche Aktienemissionen von Konkurrenten in jüngster Vergangenheit hingewiesen. Zuletzt hatten etwa Société Générale und Unicredit milliardenschwere Aktienemissionen angekündigt. HSBC konnte sich bereits vor Monaten zwölf Mrd. Pfund am Markt besorgen. J.P. Morgan schätzt den Kapitalbedarf der Deutschen Bank bis 2011 auf rund 3,4 Mrd. Euro.
Ebenfalls Quartalszahlen präsentierte am Mittwoch Morgan Stanley . Die US-Investmentbank kehrte nach drei Verlustquartalen in die Gewinne zurück und profitierte dabei vor allem vom Anleihegeschäft. Mit 498 Mio. Dollar Nettogewinn blieben die Amerikaner aber hinter den erfolgreichen Rivalen zurück.
Keine Festlegung
Die Deutsche Bank äußert sich regelmäßig zu ihrer Kapitalausstattung. Eindeutig ausgeschlossen wurde die Ausgabe neuer Aktien zuletzt nicht mehr. Hier die wichtigsten Zitate:
"Wir sehen unser Haus mit einer Kernkapitalquote von 10,2 Prozent gut kapitalisiert. Wir planen keine Kapitalmaßnahme."
(Vorstandschef Josef Ackermann am 28. April)
"Wir haben unsere Kosten gesenkt, die Risiken in unserer Bilanz verringert sowie unsere Kapital- und Liquiditätsposition gestärkt."
(Ackermann am 28. Juli)
"Wir fühlen uns wohl mit Blick auf die neuen Vorschriften."
(Finanzchef Stefan Krause am 1. Oktober zu den Auswirkungen der geplanten Neuregelung der Kapitalausstattung)
"Wir werden mehr Kapital beschaffen müssen."
(Ackermann am 13. Oktober mit Blick auf die Folgen der Regulierung für die Branche)