Banken

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Raiffeisenbank Gammesfeld: Überfall auf die kleinste Bank Deutschlands

Da glaubt man, für die Banken könnte es kaum noch schlimmer kommen, und dann das: Deutschlands kleinste Bank, die Raiffeisenbank Gammesfeld, wurde überfallen. Aber der (einzige) Mitarbeiter des Instituts zeigte sich kämpferisch und machte den Weg, entgegen des Firmenmottos, nicht frei.

Peter Breiter hat die Bankräuber in die Flucht geschlagen. Foto: dpa Quelle: dpa
Peter Breiter hat die Bankräuber in die Flucht geschlagen. Foto: dpa Quelle: dpa

FRANKFURT. Gammesfeld, den kleinen 530-Seelen-Ort dort, wo Baden-Württemberg an Bayern grenzt und die nächst bekannteren Städtchen Schwäbisch Hall und Rothenburg ob der Tauber heißen, würde normalerweise niemand kennen, gäbe es da nicht eine Berühmtheit: Die örtliche Raiffeisenbank wird in diesen turbulenten Wochen an den Finanzmärkten gerade erst wieder als antikapitalistische Gegeneinrichtung zu den Geldtempeln in Frankfurt, London und New York medial durch alle Sender und Gazetten getrieben, da ist der Preis der Berühmtheit auch schon zu spüren.

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Peter Breiter, seit einem Jahr Vorstand, Kassier und Sekretärin der Ein-Mann-Bank in Personalunion, machte Freitagnacht unliebsame Bekanntschaft damit. Als er gegen 23.30 Uhr noch Unterlagen aus der Bank holen wollte, lauerten ihn am Hintereingang zwei Männer auf. „Überfall“ sollen sie gerufen haben, anschließend wollten sie ihn in die Bank zurückschieben, wo der Tresor mit dem Bargeld steht. Breiter stieß jedoch seinerseits einen der Räuber zurück, bekam noch einen Schlag auf den Kopf, schlug die anscheinend die durch so resolutes Handeln verdutzten Räuber in die Flucht.

Nun könnte man über diesen Vorfall trefflich Witze machen, frei nach dem Motto: „Hier ist Ihr Geld sicher – und zwar in jeder Beziehung“. Schließlich war es nicht der erste versuchte Überfall in Gammesfeld, der erfolglos war. Im Mai 2006 hat der damalige Vorstand Fritz Vogt, der rund vierzig Jahre lang die im Jahr 1890 von seinem Großvater gegründete Bank führte, ebenfalls einen Räuber in die Flucht geschlagen. Der hatte erst Vogts Frau bewusstlos geschlagen, dann ihm selbst die Pistole an den Hals gehalten. Anderthalb Stunden hat der damals 76-Jährige meist mit deutlichen, hier und da auch mit sanften Worten auf seinen Peiniger eingeredet. Den Tresor öffnete er aber nicht. Solange bis dieser mürbe wurde und mit den 600 Euro aus der Portokasse über die Felder verschwand.

Der Preis der unfreiwilligen Berühmtheit ist anscheinend inzwischen, dass man auch bei Ganoven einen gewissen Bekanntheitsgrad hat. Für die sind allerdings die Kriterien wie Abgeschiedenheit und lange Öffnungszeiten am Abend interessanter als beste Konditionen und der persönliche Kontakt. Die Raiffeisenbank Gammesfeld hat am Freitagabend schließlich bei 21 Uhr geöffnet.

Ein Indiz, um das resolute Vorgehen von Breiter diesmal und Vogt damals zu verstehen, ist wohl der 14 Jahre währende Kampf der Bank um Selbständigkeit. Erst im Jahr 1990 entschied das Bundesverwaltungsgericht in Berlin, dass der Betrieb der Bank ohne die üblichen zwei hauptamtlichen Mitarbeiter rechtens ist. Davor hatte die Bankenaufsicht den Gammesfeldern die Bankerlaubnis entzogen. Fritz Vogt selber drohten drei Jahre Gefängnis wegen des illegalen Betriebs einer Bank. In den Augen der Verbandsoberen im Genossenschaftsverbund, denen die kleinen ländlichen Einheiten stets ein Dorn im Auge waren, ist Vogt seither nach eigenen Aussagen „die Schande des Verbands“.

Vogt investierte nie in Neuerungen, sondern dachte lieber an das Wohl seiner Kunden, denen als Genossen die Bank ja gehört. Deswegen wirkte die optisch auch wie ein Relikt aus einer anderen Welt – ohne Computer, mit manueller Buchung und Telefon mit Wählscheibe. Vogt selber erklärte seinen Mut beim damaligen Überfall einmal später mit dem Satz: „Wer zeitlebens Psychoterror von oben überstanden hat, der übersteht auch Psychoterror von unten“. Allzu oft sollte dieser Mut aber auch nicht auf die Probe gestellt werden.

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