
FRANKFURT. "Der Prozess wurde zu Jahresanfang angestoßen", hieß es in Finanzkreisen. "Es geht um nicht-strategisches Geschäft." Hierzu zählten neben Reuschel auch Industriebeteiligungen oder kleinere Vermögensverwalter. Commerzbank-Chef Martin Blessing habe mit der Aufgabe die US-Investmentbank Goldman Sachs beauftragt, bei der seine Frau Dorothee Partnerin ist. Hierzu zähle, Optionen für die jeweiligen Einheiten zu erarbeiten beziehungsweise den Verkauf zu sondieren, sagte ein Insider. "Das ist noch in einem frühen Stadium, es gibt keine Entscheidungen."
Die Commerzbank bestätigte, ihr Portfolio zu überprüfen. "Wir wollen uns noch stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren", sagte ein Sprecher. "Es gibt aber keine Verkaufsliste." Goldman Sachs und Reuschel lehnten eine Stellungnahme ab.
Dass die Commerzbank bereit ist, zügig Randbereiche abzugeben, hat sie in den vergangenen Tagen bereits unter Beweis gestellt. So kaufte eine brasilianische Investorengruppe kürzlich die Dresdner-Bank-Aktivitäten in dem südamerikanischen Land. Früheren Angaben des Käufers zufolge ging es dabei um einen Preis von bis zu 100 Mio. US-Dollar - was die Commerzbank jedoch nie bestätigt hat. Darüber hinaus wurde am Wochenende bekannt, dass das Geldhaus den Verkauf seines britischen Hedge-Fonds-Anbieters Comas (Commerzbank Alternative Investment Strategies) prüft. Eine Entscheidung könnte Finanzkreisen zufolge binnen Wochen fallen.
Die Übernahme der Dresdner Bank mit ihren milliardenschweren Risiken sowie die Verschärfung der Finanzkrise hat die Commerzbank unter Druck gesetzt. Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus musste mit 18,2 Mrd. Euro Eigenkapital vom Staat gestützt werden, künftig hält der Bund gut 25 Prozent der Aktien.