
FRANKFURT/NEW YORK. Ihr Desaster begann im Sommer 2007, als Moody's und Standard&Poor's (S&P) damit begannen, hypothekenbesicherte Wertpapiere zweitklassiger Kreditnehmer (Subprime) massenhaft herabzustufen. Da wurde schlagartig klar: Die Ratingagenturen hatten sich bei komplexen Wertpapieren, die viele Einzelkredite bündelten, mit ihren zuvor erteilten Bestnoten im großen Stil geirrt.
Seither tobt die Debatte über Schuld und Verantwortung der Ratingagenturen. Der Vorwurf: Sie hätten viel zu spät vor den Problemen am US-Immobilienmarkt gewarnt. Und mehr noch: Die Unterlassung erfolgte aus purem Geschäftsinteresse. Denn Tatsache ist: Seit Ende 2006 häuften sich Berichte über Probleme am US-Immobilienmarkt.
Jedem versierten Ökonomen sei klar gewesen, dass in einem wirtschaftlichen Abschwung viel mehr Hausbesitzer in Schwierigkeiten geraten würden, als in den Modellen angenommen wurde, sagt Mark Wahrenburg, Professor für Bankbetriebslehre an der Goethe-Universität Frankfurt. "Spätestens im Frühjahr 2007 hätten die Modell-Annahmen verschärft werden müssen."
Mittlerweile ist die Rating-Debatte um eine Wendung reicher: Seit die Agenturen die Ratings Griechenlands und anderer schwacher Euro-Länder trotz aller Sparpakete aufs Korn nehmen, hagelt es Kritik europäischer Politiker und Notenbanker - zumal sich die Agenturen in den USA viel geschmeidiger zeigen. Erst im Frühjahr "änderten" sie ihre Ratingsystematik für US-Kommunen. Bei vielen verbesserte sich das Rating danach.
Der Chef der französischen Notenbank, Christian Noyer, warf den Agenturen mit Blick auf europäische Ratings vor, sie würden bloß auf die Trends an den Finanzmärkten reagieren - und gar nicht auf neue Informationen. Ein S&P-Sprecher erwiderte, S&P habe vor mehr als fünf Jahren damit begonnen, Griechenland und Portugal herabzustufen, damals hätten die Finanzmärkte das aber noch ignoriert.