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Rechtsstreit in den USA: LBBW verklagt Deutsche Bank

Die Finanzkrise hatte ihren Beginn ab 2006 auf dem US-Immobilienmarkt genommen und immer noch sind damals begebene Wertpapiere ein heißes Eisen. Jetzt klagt die Landesbank Baden-Württemberg gegen die Deutsche Bank.

Firmenschild vor der LBBW-Zentrale in Stuttgart. Quelle: dapd
Firmenschild vor der LBBW-Zentrale in Stuttgart. Quelle: dapd

New YorkNeuer Ärger für die Deutsche Bank: Auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zerrt die größte deutsche Bank in New York vor Gericht. Bei der Klage geht es um den Verkauf von mit Hypotheken abgesicherten Anleihen, den sogenannten Mortgage Backed Securities (MBS), in Höhe von 173 Millionen Dollar (131 Mio Euro) aus dem Jahr 2007. Dies geht aus der am Donnerstag beim obersten Gericht des Staates New York eingereichten Klage hervor.

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Die LBBW fühlt sich wie viele Konkurrenten von der Deutschen Bank über die Risiken der Papiere falsch informiert und will zumindest einen Teil des Geldes wieder haben. Die Deutsche Bank wies die Vorwürfe wie in allen ähnlichen Fällen zuvor zurück und will sich mit allen Mitteln gegen eine Zahlung wehren.

Klagen ausgewählter deutscher Banken wegen US-Hypothekenpapieren

  • Klagen der BayernLB

    JP Morgan 21.11.2011 – keine Schadenshöhe genannt (o.A.)
    Morgan Stanley 25.01.2012 – o.A.
    Deutsche Bank 18.04.2012 – o.A.
    Merrill Lynch 02.05.2012 – o.A. (Klage am 02.10.2012 zurück genommen)
    Bank of America 21.05.2012 – o.A.
    Barclays 03.08.2012 – 274 Millionen Dollar gefordert
    Goldman Sachs 05.09.2012 – o.A.

  • Klagen der DZ Bank

    Ally Financial 13.12.2011 (Klage am 25.07.2012 zurück genommen) – 49 Millionen Dollar Forderung
    JP Morgan 30.01.2012 – 85 Millionen Dollar
    HSBC 31.01.2012 – 122 Millionen Dollar
    JP Morgan 01.03.2012 – 158 Millionen Dollar
    JP Morgan 30.03.2012 – 401 Millionen Dollar
    (Zusammenlegung aller drei Klagen gegen JP Morgan am
    11.07.2012, danach Zusammenlegung aller drei Klagen gegen
    JP Morgan nicht genau bezifferbar)
    Barclays 16.05.2012 – 133 Millionen Dollar
    UBS 25.07.2012 – 160 Millionen Dollar
    Goldman Sachs 07.09.2012 – 189 Millionen Dollar
    Morgan Stanley 21.11.2012 – 694 Millionen Dollar

  • Klagen von EAA/Phoenix

    Bislang haben die Gesellschaften, die giftige Wertpapiere aus den Beständen der ehemaligen WestLB-Bestände verwalten, vier Klagen gegen US-Banken eingereicht – unter anderem gegen den US-Sitz der Deutschen Bank, eine Gruppe von US-Banken und die Bank of America inklusive deren Tochter Countrywide.

  • Klagen der HSH Nordbank

    JP Morgan 31.08.2011 – 42 Millionen Dollar Forderung
    Barclays 29.09.2011 – 40 Millionen Dollar
    Barclays 29.12.2011 – 46 Millionen Dollar
    JP Morgan 29.12.2011 – 117 Millionen Dollar
    Ally Financial 29.12.2011 (Klage am 14.06.2012 zurück genommen) – 130 Millionen Dollar
    Barcalys 23.02.2012 – 122 Millionen Dollar

    (Zusammenlegung aller drei Klagen gegen Barclays am 20.03.2012, danach Forderung nicht genau beziffert)
    HSBC 27.02.2012 – 41 Millionen Dollar
    Goldman Sachs 24.08.2012 – 110 Millionen Dollar
    Morgan Stanley 24.08.2012 – 524 Millionen Dollar

  • Klagen der IKB

    JP Morgan 01.09.2011 keine genaue Bezifferung (o.A.)
    Credit Suisse 12.09.2011 – 3 Millionen Dollar
    Citigroup 22.09.2011 (Klage am 29.09.2012 zurück genommen) – 4 Millionen Dollar
    Credit Suisse 05.10.2011 – 16 Millionen Dollar
    Credit Suisse 20.10.2011 – 5 Millionen Dollar
    Credit Suisse 27.10.2011 – 1 Millionen Dollar
    Credit Suisse 10.11.2011 – 215 Millionen Dollar
    (Zusammenlegung aller fünf Klagen gegen Credit Suisse am 02.07.2012, danach Klagesumme nicht genau beziffert)
    JP Morgan 23.02.2012 – 312 Millionen Dollar
    Bank of America / Countrywide 14.05.2012 – 200 Millionen Dollar
    Bank of America / Merrill Lynch 14.05.2012 – 56 Millionen Dollar
    Goldman Sachs 05.09.2012 – 73 Millionen Dollar
    Citigroup 05.09.2012 – 137 Millionen Dollar
    JP Morgan 28.09.2012 – 11 Millionen Dollar
    Morgan Stanley 16.11.2012 – 147 Millionen Dollar

    Außerdem: Rücknahme von insgesamt elf Klagen gegen Ally Financial am 07.02.2012

  • Klagen der LBBW

    JP Morgan 29.09.2011 – keine genaue Bezifferung (o.A.)
    Royal Bank of Scotland 21.02.2012 – 71 Millionen Dollar
    Capital One 08.03.2012 – 169 Millionen Dollar
    Bank of America 29.03.2012 – o.A.
    Barclays 01.06.2012 – 125 Millionen Dollar
    Barclays 11.06.2012 – 55 Millionen Dollar
    Capital One 11.06.2012 – 32 Millionen Dollar
    Royal Bank of Scotland 19.06.2012 – 173 Millionen Dollar

  • Quelle

    Gutachterliche Stellungnahme der Sachsen Asset Management im Auftrag der nordrhein-westfälischen FDP-Fraktion (datiert auf den 7. November 2012)

Die Deutsche Bank war zusammen mit US-Investmentbanken wie Goldman Sachs der größte Verkäufer von Papieren dieser Art, die in der damaligen Finanzkrise größtenteils wertlos geworden sind.

Finanzskandale Das sind die Bankenflops des Jahres 2012

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Gerade deutsche Landesbanken oder kleinere Institute wie die IKB griffen in der Hoffnung auf hohe Renditen bei diesen Anlagen beherzt zu und werfen der größten deutschen Bank jetzt unter anderem falsche Angaben in den Wertpapierprospekten vor. Die Deutsche Bank hatte als eine der ersten Banken weltweit die Blase am amerikanischen Immobilienmarkt erkannt und sich gleichzeitig gegen Risiken abgesichert. Die Reihe der Kläger ist lang - unter anderem wollen das Land Sachsen, die WestLB-Resterampe Erste Abwicklungsanstalt und die BayernLB Schadenersatz von der Deutschen Bank.

Die Klage-Chronik der Deutschen Bank – Teil 1

  • Diverse Klagen

    Mutmaßliche Bilanztricksereien, Hypothekenklagen, Zinsmanipulationen, der Kirch-Streit - die Deutsche Bank muss noch eine ganze Reihe von potenziell sehr teuren Altlasten aufarbeiten. Eine Übersicht über die Vorwürfe und Verfahren seit Anfang 2011, von denen einzelne bereits abgeschlossen sind.

  • 22. März 2011

    Der Bundesgerichtshof gibt der Deutschen Bank eine schallende Ohrfeige: Sie muss an einen hessischen Mittelständler mehr als eine halbe Million Euro Schadenersatz zahlen. Diesen Betrag hatte der Kläger mit einem komplizierten Zinsswap-Geschäft verloren, das die Bank nach Auffassung des BGH „bewusst zulasten des Anlegers“ konstruiert hatte. In der Folge einigt sie sich mit zahlreichen Kommunen und Unternehmen nach Angaben von Anwälten auf Vergleiche.

  • 13. April 2011

    In den US-Untersuchungen zur Rolle der Wall Street in der Finanzkrise erhebt ein Senatsausschuss schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bank und Goldman Sachs. Der Deutschen Bank wird vorgeworfen, umstrittene Finanzprodukte aufgelegt zu haben. Sie habe unter anderem einen milliardenschweren verbrieften Hypothekenkredit (CDO) namens „Gemstone 7“ geschnürt und verkauft, bevor der Markt abstürzte. Dabei habe der zuständige Händler gewusst, dass das Paket minderwertige Assets enthalte.

  • 29. April 2011

    Die EU-Wettbewerbshüter knöpfen sich den Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) vor, mit denen sich Investoren und Spekulanten gegen Pleiten von Staaten und Firmen absichern. Die Kartellermittlungen richten sich gegen 16 Investmentbanken, darunter die Deutsche Bank. Im weiteren Verlauf der Ermittlungen (2013) wird von den deutschen Häusern zunächst nur die Commerzbank vom Haken gelassen.

  • 4. Mai 2011

    Die Deutsche Bank bestätigt, dass die Stadt Los Angeles eine Klage gegen das Institut im Zusammenhang mit umstrittenen Zwangsräumungen eingereicht hat. Die Bank sei über Tochterunternehmen einer der größten „Slumlords“ der Millionenmetropole, heißt es in der Klageschrift, die Entschädigungszahlungen von mehreren hundert Millionen Dollar nach sich ziehen könnte. Sie habe Hunderte Anwesen verfallen lassen und Menschen zu Unrecht aus ihrem Heim vertrieben. Nach Angaben des Instituts wurde die Klage inzwischen abgewiesen. Ob die Stadt in Berufung geht, ist aber weiterhin offen.

  • 2. September 2011

    Die US-Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) verklagt 17 Banken wegen umstrittener Hypothekengeschäfte, darunter die Deutsche Bank. Die Behörde wirft ihnen vor, beim Verkauf von mit Hypotheken unterlegten Wertpapieren falsche Angaben gemacht zu haben. Der Klageschrift zufolge werden finanzielle Schäden auf Hypotheken-Anleihen über insgesamt fast 200 Milliarden Dollar geltend gemacht - davon entfallen mehr als 14 Milliarden auf die Deutsche Bank. Das Geldhaus weist die Vorwürfe als unbegründet zurück.

  • 5. September 2011

    Laut „Financial Times“ nehmen britische Behörden von der Deutschen Bank und anderen Instituten zusammengestellte Wertpapiere wegen Betrugsverdachts unter die Lupe. Die Untersuchung des Serious Fraud Office soll Beweise dafür liefern, dass die Banken ihren Kunden beim Verkauf von forderungsbesicherten Wertpapieren in Großbritannien falsche Informationen geliefert hätten. Die Ermittlungen sind schwierig, da die Behörde den Instituten Betrugsabsicht nachweisen müsse.

  • 14. November 2011

    Die Staatsanwaltschaft München lässt Vorstandsbüros und die Rechtsabteilung im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess durchsuchen. Gegen den damaligen Vorstandschef Josef Ackermann werde wegen des Verdachts auf Prozessbetrug ermittelt. Auch gegen den damaligen Aufsichtsratschef Clemens Börsig, Ex-Vorstandschef Rolf Breuer und den früheren Personalchef Tessen von Heydebreck werde ermittelt. Die Bank und die Betroffenen halten die Beschuldigungen für haltlos und das Vorgehen der Staatsanwaltschaft für unverhältnismäßig.

  • 19. November 2011

    Die Pleite der US-Finanzfirma MF Global hat für die Deutsche Bank ein juristisches Nachspiel. Zwei US-Pensionsfonds verklagen Abteilungen des Frankfurter Instituts sowie sechs weiterer Geldhäuser, die MF bei der Erstellung von Anleihe-Angeboten unterstützt haben. Die Kläger werfen ihnen vor, in den Prospekten Probleme verschwiegen zu haben, die zum Kollaps des Brokerhauses geführt haben. Mit der Klage nehmen die Fonds finanzstarke Institute ins Visier, um ihre Verluste nach dem MF-Global-Zusammenbruch auszugleichen.

  • 21. Dezember 2011

    Sechs Händler werden wegen eines 230 Millionen Euro schweren Umsatzsteuerkarussells mit CO2-Verschmutzungszertifikaten in Frankfurt zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Handel wurde über die Deutsche Bank abgewickelt. Unter den 170 Beschuldigten im Visier der Staatsanwaltschaft sind auch sieben Mitarbeiter der Bank. Gegen sie gibt es noch keine Anklagen, die Bank hat aber 310 Millionen Euro Umsatzsteuerforderungen aus dem CO2-Handel abgeschrieben.

 

  • 28.12.2012, 12:10 UhrDrCoaleonesErbengemeinschaf


    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • 28.12.2012, 11:17 UhrFlashGordon

    So ist es doch immer. Wenn sie Verluste machen versuchen sie die Schuld bei andern zu suchen. Bei Gewinnen bekommt man nicht einmal ein Dankeschön.

    Versagerpack !

  • 28.12.2012, 11:04 Uhrmelitaz

    Um den Preis einer "höheren Rendite" stürzten sich die Landesbanken und andere in einen Markt von dem sie offensichtlich nicht nur keine Ahnung, sondern, noch schlimmer, in dem sie nichts verloren hatten. Wäre dieses Abenteuer gut gegangen, alle wären zufrieden gewesen. Nachdem dieser Ausflug gründlich in die Hosen ging, sucht man die Schuld bei den anderen. Eine Bank, die mit "Falschberatung" argumentiert, aber andererseits auf Augenhöhe mit der Deutschen Bank sein will, macht sich mit solch einer Klage nur lächerlich!

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