
ISTANBUL. Obwohl nach wie vor Milliardenrisiken in den Bilanzen schlummern, laufen die Banken Sturm gegen eine aus ihrer Sicht zu massive Regulierung. Parallel dazu warnen insbesondere deutsche Institute davor, bei einer Umsetzung der bisherigen Vorschläge kräftige Wettbewerbsnachteile zu kassieren.
„Reformen müssen ausgewogen sein“, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der dem internationalen Bankenverband IIF vorsitzt, auf der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Istanbul. Dämpfende Effekte auf Wachstum und Beschäftigung müssten „sorgfältig“ überdacht werden. Es gebe „ein reales Risiko“, dass Überregulierung die konjunkturelle Entwicklung beeinträchtige. Ähnlich äußerte sich Deutschlands Bankenpräsident Andreas Schmitz. Die Frage der Eigenkapitalunterlegung etwa solle „mit Augenmaß“ bedacht werden.
US-Finanzminister Tim Geitner wies die Kritik der Banken zurück. „Ich glaube, das ist Lobbying. Natürlich gibt es das Risiko, dass man zu schnell vorgeht, aber das ist nicht das größte Risiko. Das größte Risiko ist, dass es uns nicht gelingt, den politischen Willen für Reformen aufrechtzuerhalten“, sagte er „ZEIT online“. „Die Banken tun das, was zu erwarten war. Sie präsentieren Argumente, die nahelegen, es gehe hier um Wachstum. Aber ohne ein stabiles Finanzsystem kann keine effiziente Allokation von Kapital stattfinden“, sagte Geitner.
Die führenden 20 Industrie- und Schwellenländer der Erde (G20) hatten vor wenigen Tagen die Marschrichtung eine verschärfte Regulierung beschlossen. Das Institute of International Finance (IIF) betonte zwar, grundsätzlich mit diesen Eckpunkten übereinzustimmen. Ackermann sprach sich aber etwa gegen die Pläne aus, an große und systemrelevante Institute höhere Eigenkapitalforderungen zu stellen. „Wir meinen, das ist nicht die richtige Richtung“, sagte er. Sollte es hierzu kommen, hätten vermeintlich nicht systemrelevante Banken einen Wettbewerbsnachteil, denn Anleger könnten nicht darauf vertrauen, dass das Institut im Notfall gerettet werde. Folglich würden sie diese meiden. Auch den Vorschlag, auf Länderebene mehr Eigenkapital vorzuhalten, um im Falle einer Abwicklung national besser Zugriff auf Verlustpuffer zu haben, bewertete Ackermann kritisch.