
FRANKFURT. Die rosigen Zeiten sind für die Banken schon wieder vorbei. Schuldenkrise, Rezessionsangst und eine strengere Regulierung dürften die Erträge in diesem Jahr stärker als bislang belasten. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die nächsten Quartale so gut werden wie das erste“, sagt Simon Samuels, Banken-Analyst bei Barclays Capital.
Das sehen auch die Vorstandschefs vieler Banken so. Die KfW warnt davor, ihren üppigen Quartalsgewinn auf das Jahr hochzurechnen. DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch mag ebenfalls nicht vom Quartal auf das Gesamtjahr schließen, und der Vorstandsvorsitzende der Aareal Bank, Wolf Schumacher, will die Staatsbürgschaften vorsichtshalber noch halten – obwohl sie Geld kosten und er sie nicht nutzen will.
Eines der wichtigsten Themen bleiben die Bedingungen, zu denen sich die Banken finanzieren. „Sinkende Refinanzierungskosten haben einen großen Teil zu der verbesserten Ertragslage der Banken beigetragen“, betont Samuels. Doch inzwischen wirkt die Griechenlandkrise negativ.
„Für die Banken haben sich vor allem die Kosten für die kurzfristige Refinanzierung verteuert“, sagt Michael Dawson-Kropf, Spezialist für deutsche Banken bei der Ratingagentur Fitch. Die Lage bei langfristigen Finanzierungen wie Bankanleihen ist gespalten. Am Kapitalmarkt ließ sich seit Mitte April kaum noch etwas platzieren. So lag das Volumen neuer Bankanleihen im Mai bei rund 1,7 Mrd. Euro, zeigen Daten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Das ist ein extrem niedriger Monatswert.
Die Risikoprämien für Banken haben sich zudem seit Anfang April von 0,9 auf 1,75 Prozentpunkte erhöht, zeigt der Kreditderivateindex Itraxx Financials. „Das Einholen langfristiger Refinanzierungsmittel kann aber zeitlich geschoben werden, in der Erwartung, dass sich die Märkte wieder beruhigen“, sagt Dawson-Kropf .
Das Thema Refinanzierung könnte sich angesichts neuer Vorschriften aber in der zweiten Jahreshälfte noch verschärfen. Der Grund sind die geplanten neuen Liquiditätsregeln, an denen Aufsichtsbehörden im Baseler Ausschuss arbeiten. Die Banken sollen langfristige Kundenkredite zum Beispiel entsprechend lang refinanzieren, erläutert Thomas Stögner, Bankanalyst bei Macquarie Securities. In der Regel ist das teurer als kurzfristige Lösungen. „Auch das wird die Ertragslage belasten“, sagt Stögner.
Wenn die Banken also zu einer größeren Fristenkongruenz gezwungen würden, „muss man alles über die Kreditmarge verdienen“, sagt LBBW-Analyst Rolf Schäffer. Doch es ist unwahrscheinlich, dass dies möglich ist. „Die Margen im Kundengeschäft dürften sich nicht weiter verbessern lassen“, sagt der Macquarie-Analyst Stögner.
Das zweite große Problem der Banken sind Abschreibungen. „Die Abschreibungen auf Kredite sollten hoch bleiben“, sagt etwa Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch. Das glaubt auch die Europäische Zentralbank (EZB). Sie warnte gerade davor, dass europäische Banken 2010 mit Kreditverlusten von 90 Mrd. Euro und mit einer zusätzlichen Risikovorsorge von 123 Mrd. Euro rechnen müssten. Dass die Wertberichtigungen im ersten Quartal bei den meisten Banken unter den Befürchtungen lagen, beeindruckt Hein nicht. „Das erste Quartal ist ohnehin immer das schwächste, was Wertberichtigungen anbelangt“, sagt er. Denn viele Banken machen gerne im vierten Quartal richtig reinen Tisch.
Verknüpft mit der Griechenland-Krise ist ein weiteres Problem: 2009 und auch noch im ersten Quartal profitierten viele von steigenden Kursen in ihren Wertpapierportfolios. Bei der DZ Bank machte das rund 1 Mrd. Euro aus, bei der KfW und der Commerzbank waren es knapp 300 Mio. Euro.
Diese Stütze dürfte künftig fehlen. Gerade bei vielen Verbriefungen auf Immobilien- und Unternehmenskredite waren zuletzt wieder Wertverluste zu beobachten. Angesichts der Schuldenkrise hat es aber auch europäische Staats- und Bankanleihen getroffen.
Als Hoffnungswert bleibt das Kapitalmarktgeschäft. „Starke Kursschwankungen unterstützen das Investmentbanking eigentlich, da viele Kunden ständig kaufen oder verkaufen“, sagt Dawson-Kropf. Außerdem gebe es dann mehr Kunden, die sich wegen der Schwankungen absichern müssten, auch das erhöhe den Umsatz. Macquarie-Experte Stögner hält dagegen: Allzu hohe Schwankungen seien auch wieder schlecht. Sie verteuerten Absicherungsgeschäfte, die dann für die Investmentbanking-Abteilungen notwendig würden.
Die Flaute am Anleihe- und Aktienmarkt, die durch die Griechenlandkrise ausgelöst wurde, verringert zudem die Einnahmen: Je weniger Anleihen Banken im Auftrag von Unternehmen bei Investoren platzieren können, desto weniger Gebühren nehmen sie ein.
Bloomberg-Daten zufolge platzierten Banken im ersten Quartal international noch Anleihen im Volumen von 1,1 Billionen Dollar und nahmen dabei 2,7 Mrd. Dollar an Gebühren ein. Im zweiten Quartal waren es bislang nur 371,9 Mrd. Dollar an Anleihen. Der negative Effekt aus den steigenden Risikoprämien in den Wertpapierportfolios der Banken dürften nach Einschätzung von Dawson-Kropf allerdings bei den meisten Banken eine größere Relevanz haben als die sinkenden Platzierungsgebühren.