
FRANKFURT. "Ich habe überlebt, weil mir die EDV-Systeme signalisierten, wo die Risiken lauern", soll Hugo Bänziger, Risikochef der Deutschen Bank, einmal im kleinen Kreis gesagt haben. Die Branche hat sich die Erkenntnis zu Herzen genommen. Denn seit Ausbruch der Finanzkrise haben die Kreditinstitute massiv nachgerüstet und in Technik und Personal investiert, ergab eine Umfrage des Handelsblatts bei Experten und Banken.
Mittlerweile läuft der Stellenmarkt für die Spezialisten beinahe heiß. "Die Zahl der Suchmandate ist in unserem Haus seit 2007 jedes Jahr um zehn bis 15 Prozent gestiegen", sagt Tiemo Kracht, Geschäftsführer bei Kienbaum Executive Consultants. Gesucht würden etwa Manager der Bereiche Gesamtbanksteuerung, Controlling, Risikocontrolling sowie Risikomanagement.
Kleine Banken könnten Risikomanagement auslagern
"Die Zahl der Stellenangebote für Risikomanager hat in der Finanzkrise natürlich stark zugenommen. Heute ist sogar schon ein Engpass absehbar für sehr qualifizierte Experten", sagt Eike Bieber, Beraterin bei Pierre Audoin Consultants (PAC) in München. Der Engpass könne sogar dazu führen, dass insbesondere kleine und mittelgroße Institute längerfristig ihr Risikomanagement auslagerten. Trotzdem seien "Gehaltsexzesse", wie man sie teilweise im Investment-Banking angetroffen habe, eine Ausnahmeerscheinung, sagt Kracht.
Schätzungen über die gesamten Investitionen der Bankenbranche in das Risikomanagement können auch Experten nicht abgeben. Beispiele einzelner Häuser zeigen aber, dass der Bereich ein Wachstumsfeld ist. Die staatliche KfW hat etwa ihr gesamtes Risikomanagement organisatorisch neu aufgestellt. Durch über 20 neu eingerichtete Stellen sei der Bereich personell aufgestockt worden, mit fünf Abteilungen und jetzt über 160 Mitarbeitern sehe man sich für die Zukunft gut gerüstet, teilte die Förderbank mit.
Das "Monitoring" für Bankenrisiken sei durch die Einführung weiterer Frühwarnindikatoren und die Ausdehnung auf das Wochenende weiter verbessert worden. Eine schnellere Reaktion auf Krisenfälle - auch an Nicht-Bankarbeitstagen - sei damit möglich. Für den Fall einer erneuten Verschärfung der Bankenkrise seien die Notfallpläne entsprechend der "lessons learned" aus der irrtümlichen Lehman-Überweisung im Jahr 2008 angepasst. Ein Krisenstab, der bei Bedarf "ad hoc" zusammentritt und mit entsprechenden Kompetenzen ausgestattet sei, erlaube eine zügige Reaktion. Die KfW hatte Lehman Brothers am Tag der Pleite noch 320 Mio. Euro überwiesen und war deshalb stark in die Kritik geraten.