
mm/Reuters LONDON/DÜSSELDORF. Die Deutsche Bank bietet um das Rohstoffgeschäft der angeschlagenen Royal Bank of Scotland (RBS) mit. Das Institut wollte die Expansionspläne offiziell zwar nicht bestätigen, Finanzkreise bestätigten das Interesse aber.
Um das Joint-Venture, das die Schotten mit dem US-Partner Sempra Energy betreiben, bewerben sich eine ganze Reihe von Kandidaten. Nach Informationen aus Finanzkreisen sollen etwa Barclays Capital und Morgan Stanley Interesse an dem Geschäft haben, dessen Wert Experten auf rund drei Mrd. Dollar schätzen. Erste Gebote seien abgegeben worden, hieß es in den Kreisen. Alle Institute lehnten eine Stellungnahme ab.
RBS Sempra ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, die Firma handelt zahlreiche Rohstoffe von Öl über Gas bis zu Metallen und landwirtschaftlichen Produkten. Die RBS hatte für ihren Anteil vor knapp zwei Jahren 1,7 Mrd. Dollar bezahlt, muss sich jetzt aber auf Druck der EU-Kommission von ihrem Anteil trennen, weil sie die Finanzkrise nur durch eine fast vollständige Verstaatlichung überstand. Dem Vernehmen nach denkt auch Sempra über einen Verkauf seines Anteils nach.
Im Devisenhandel die Nummer eins
In der Finanzkrise sind die Preise für Rohstoffe wie Gold drastisch gestiegen, was die Märkte für Banken und andere Marktteilnehmer attraktiv macht. Die Deutsche Bank hat in diesem Jahr ihr Rohstoff-Geschäft deutlich ausgebaut und zahlreiche neue Produkte auf den Markt gebracht. Der für das Investment-Banking mitverantwortliche Bankvorstand Anshu Jain hatte in dieser Woche angekündigt, Zukäufe in dem lukrativen Bereich unter die Lupe zu nehmen. Zuletzt hatte Jain auf die relative Schwäche im Rohstoffhandel hingewiesen. Während die Deutsche Bank etwa im weltweiten Devisenhandel die Nummer Eins ist, kommt sie im Rohstoffsektor nur auf Rang 6. Angestrebt wird grundsätzlich eine Position unter den Top 3 bzw. Top 5. Der Marktanteil im Kundengeschäft ist mit 5,2 Prozent nur halb so hoch wie in den meisten anderen Handelsgeschäften der Investmentbanker. „Wir zielen zukünftig darauf, die wenigen verbliebenen Lücken zu schließen“, hatte Jain erklärt. Die Einnahmen im Rohstoffhandel sollten 2010 deutlich wachsen.
Der Ausbau solle sich sowohl auf Produkte als auch Regionen erstrecken, etwa den Stromhandel in Osteuropa als auch Erdgas und Metalle auf den asiatischen Märkten.