
MÜNCHEN. Der Konzern muss jedoch auf eine halbwegs glimpfliche weitere Naturkatastrophen-Saison und auf gute Ergebnisse in der Erstversicherung und bei den Kapitalanlagen hoffen. Höhere Risiken will die Munich Re jedenfalls nicht eingehen, um die Rendite nach oben zu treiben. In Zeiten niedriger Zinsen müsse man dann eben auch einmal einen Gewinnrückgang in Kauf nehmen, sagte von Bomhard gestern, der sogar sein persönliches Schicksal mit diesem vorsichtigen Kurs verknüpfte.
2009 hatte der weltgrößte Rückversicherer den Gewinn von 1,6 auf 2,6 Mrd. Euro gesteigert – und sich damit erneut vom Erzrivalen Swiss Re abgesetzt. Die Schweizer schafften zwar den Sprung zurück in die Gewinnzone. Der Gewinn fiel mit umgerechnet knapp 350 Mio. Euro aber deutlich geringer aus. Hannover Rück legt heute Zahlen vor. Analysten rechnen beim zweitgrößten deutschen Rückversicherer mit einem Überschuss von etwa 700 Mio. Euro nach einem Verlust im Jahr zuvor.
Nicht nur wegen der stabilen Gewinne mitten in der Finanzkrise sehen von Bomhard und sein Finanzvorstand Jörg Schneider die Munich Re deutlich besser für die neuen EU-Kapital- und Aufsichtsregeln Solvency II gerüstet als die meisten Konkurrenten. Die Kapitalkraft sei stark wie bei kaum einem anderen Unternehmen der Branche. Dass dies auch von den Märkten anerkannt werde, zeige die Tatsache, dass Munich Re so wenig wie kein anderes Unternehmen in der Finanzbranche für Kreditausfallversicherungen zahlen müsse. Zuletzt habe der CDS-Spread – also die Ausfallprämie – bei 50 Basispunkten gelegen. Auch bei den Vorbereitungen für die Solvency-II-Welt sieht sich die Munich Re in der Spitzengruppe. Das interne Kapitalmodell wird bereits von der Aufsicht geprüft.
Für 2010 setzt Munich Re vor allem auf weitere Fortschritte bei Ergo. Der Erstversicherer erhofft sich einen Schub von seiner Neuausrichtung. In Deutschland setzt die Gruppe künftig stark auf die Marke Ergo, die Marken Hamburg-Mannheimer und Victoria werden im Lauf des Jahres aufgegeben. Ergo-Chef Torsten Oletzky kündigte eine „nachhaltige Verbesserung der Finanzkennzahlen“ an. Trotz deutlicher Fortschritte im vergangenen Jahr ist Ergo noch weit von früheren Gewinnzielen entfernt.
Im Rückversicherungs-Geschäft werde es dagegen „verdammt schwierig“, das Niveau von 2009 wieder zu erreichen, sagte von Bomhard. Neben dem anhaltenden Preisdruck einer der Gründe dafür: Während im vergangenen Jahr ungewöhnlich wenige Belastungen aus Naturkatastrophen anfielen, hat das Jahr 2010 für die Branche bereits schlecht begonnen. Sturm Xynthia und das Erdbeben in Chile kosten die Munich Re zusammen rund 500 Mio. Euro. Damit ist in den ersten Monaten bereits etwa die Hälfte der Belastungen angefallen, die Munich Re ursprünglich für das Gesamtjahr angesetzt hatte. „Die Ereignisse der nächsten Monate wissen aber nichts von dem Chile-Ereignis. Sie korrelieren nicht“, sagte Schneider. Die Belastungen könnten also höher ausfallen, was das Jahresziel gefährden könnte. Schneider deutete aber an, dass noch etwas Luft in der Prognose ist. Andere Bereiche könnten die Belastungen eventuell ausgleichen.
Bei den Kapitalanlagen geht Munich Re weiter auf Nummer sicher. Zwar könne er sich vorstellen, die Aktienquote von zuletzt knapp drei Prozent leicht zu erhöhen, sagte von Bomhard. In der aktuellen Niedrigzinsphase werde der Konzern aber lieber niedrigere Renditen als höhere Risiken in Kauf nehmen. Was denn passieren müsse, damit er seine Strategie ändere, wurde von Bomhard gefragt. „Man müsste mich absetzen“, antwortete der Vorstandsvorsitzende trocken.
Der arme George. George Soros natürlich. Na ja, Nachrichten aus der Geschäftszentrale zur Kurspflege der besonderen Art. Mehr nicht!
Sie lebe hoch die Münchner Rück.
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