
HB MÜNCHEN. Der Untergang der Öl-Plattform „Deepwater Horizon“ und das Hochwasser in Osteuropa haben in der Bilanz der Hannover Rück Spuren hinterlassen. Der Gewinn sank im zweiten Quartal um fast ein Viertel auf 159,6 Mio. Euro, wie der weltweit viertgrößte Rückversicherer am Dienstag mitteilte. Im Vergleich mit den größeren Rivalen Münchener Rück und Swiss Re arbeitete der norddeutsche Konzern zwar rentabler, profitierte aber nicht von übermäßigen Sondererlösen aus dem Verkauf von Wertpapieren. An der Börse verloren die Aktien daraufhin mehr als vier Prozent auf 36,58 Euro.
Weitere Großschäden stehen ins Haus - unter anderem durch die Überflutungen an der Neiße in Sachsen sowie den polnischen und tschechischen Grenzgebieten. Vermutlich werde die Belastung von 30 Mio. Euro durch das Mai-Hochwasser in Osteuropa aber nicht wieder erreicht, sagte Finanzchef Roland Vogel. Die Feuer in Russland und die verheerenden Überflutungen in Pakistan dürften der Branche nur geringe Kosten bescheren.
Vor allem in Pakistan seien nur wenige Haushalte und Betriebe finanziell gegen Hochwasser geschützt. Je entwickelter ein Land, desto besser ist in der Regel der Versicherungsschutz. So kostete das Beben in Chile die Branche satte acht Mrd. Dollar, das Erdbeben im armen Haiti aber nur 150 Millionen. Zugleich sind Menschen in reicheren Gegenden oft besser geschützt: Kamen in Chile, obwohl es das viel stärkere Beben war, 521 Menschen ums Leben, waren es in Haiti über 222 000.
Dieses Jahr haben bereits ungewöhnlich viele Naturkatastrophen enorme Schäden angerichtet. Nach Daten der Münchener Rück summierten sich die volkswirtschaftlichen Schäden allein im ersten Halbjahr auf 70 Mrd. Dollar, mehr als im gesamten Jahr 2009. Davon müssen Versicherer 22 Mrd. Dollar tragen, doppelt so viel wie sonst üblich. Neben dem Chile-Beben war der Wintersturm „Xynthia“ besonders kostspielig.