
MÜNCHEN. Die Münchener Rück sieht sich jedenfalls zurück auf dem Weg zu alter Ertragsstärke. Im ersten Halbjahr dürfte sich der Konzern mit einem Milliardengewinn weiter vom Erzrivalen Swiss Re abgesetzt haben, der heute berichtet. "Wir sind durch die letzten zwei Krisenjahre überraschungsfrei gekommen", sagte Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard. Die Eigenkapital-Ausstattung sei "über jeden Zweifel erhaben". Der Rückversicherungskonzern denkt sogar darüber nach, sein ausgesetztes Aktienrückkauf-Programm wieder aufzunehmen.
Die Branche profitiert derzeit zwar insgesamt vom steigenden Rückversicherungsbedarf der Erstversicherer. Die Branchengrößen stehen aber sehr unterschiedlich da. Wenn die Swiss Re heute ihre Zahlen für das zweite Quartal vorlegt, rechnen die Analysten mit einem deutlichen Gewinnrückgang. Verantwortlich dafür dürften unter anderem die Kosten für die Absicherung von Unternehmensanleihen sein. Beim weltweit viertgrößten Rückversicherer Hannover Rück erwarten die Experten dagegen am Donnerstag einen deutlichen Anstieg des Quartalsgewinns.
Auch die Münchener Rück konnte ihren Gewinn im zweiten Quartal spürbar steigern, im ersten Halbjahr kam so ein Netto-Ergebnis von 1,1 Mrd. Euro zusammen. "Das ist der Schritt zurück in die Normalität", sagte von Bomhard. Im zweiten Halbjahr soll es sogar noch einmal etwas mehr werden. Von Bomhard hält im Gesamtjahr das Ziel einer Rendite von 15 Prozent auf das Risikokapital für erreichbar. Dies würde nach aktuellem Stand einem Nettoergebnis von etwa 2,5 Mrd. Euro entsprechen. Als konkrete Prognose wollte die Münchener Rück dies aber nicht verstanden wissen. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern 1,5 Mrd. verdient.
Die Münchener Rück hatte sich in der Finanzkrise wegen ihrer konservativen Anlagepolitik deutlich besser geschlagen als die Swiss Re. In ihrer Not mussten sich die Schweizer für einen hohen Preis eine Kapitalspritze von US-Investor Warren Buffett holen.
Die Münchener Rück profitierte dagegen aufgrund niedrigerer Abschreibungen im ersten Halbjahr vor allem von einem deutlich verbesserten Kapitalanlageergebnis. Dabei half dem Konzern zwar auch der Aufschwung an den Aktienmärkten. Allerdings hielt sich der Effekt in Grenzen, denn die Aktienquote ist mit einem Wert von zwei Prozent nach Absicherung noch immer auf einem historisch niedrigen Niveau. "Wir sind nicht mitgefahren mit diesem Zug, wir sind unterinvestiert", räumte von Bomhard ein. Es störe ihn auch nicht, die Rally verpasst zu haben. Die Münchener Rück wolle auch weiter bei ihrer konservativen Anlagepolitik bleiben. Finanzvorstand Jörg Schneider rechnet nicht damit, dass die Aktienquote noch einmal über fünf Prozent steigt.Die Münchener Rück ist mit 177 Mrd. Euro einer der weltgrößten Investoren.
Im Kerngeschäft mit der Rückversicherung konnte die Münchener Rück bei der Neuverhandlung eines Teils ihres Geschäfts im Juli weitere Preiserhöhungen durchsetzen - insbesondere bei Policen zum Schutz gegen Naturkatastrophen. Das Preisniveau stieg laut Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek um gut vier Prozent. Die Rückversicherungssparte konnte ihre Prämieneinnahmen so durch organisches Wachstum und durch Zukäufe deutlich steigern.
Während die Münchener Rück bei den Naturkatastrophen billiger davon kam als im Vorjahr, sind die rezessionsbedingten Schäden deutlich gestiegen. Zur aktuellen Diskussion über die Verfügbarkeit von Kreditversicherungen sagte Jeworrek, die Branche stelle noch immer große Kapazitäten bereit. Wenn sich die Bonitäten aber vorhersehbar verschlechterten, müssten die Limits angepasst werden. "Die Rezessionslasten dürfen sich nicht einseitig auf die Kreditversicherer verlagern."
Das Erstversicherungsgeschäft mit der Tochter Ergo machte zumindest Fortschritte, so dass von Bomhard von einem "soliden Abschluss" sprach. Dank der Kapitalstärke der Münchener Rück sieht er für den Konzern auch Chancen für weiteres profitables Wachstum. Von Bomhard bekräftigte dabei auch, dass der Konzern an kleineren Zukäufen weiterhin interessiert ist. Die Münchener Rück hatte zuletzt den US-Spezialversicherer HSB für 750 Mio. Dollar übernommen.
Die Analysten zeigten sich weitgehend zufrieden. Die Zahlen seien besser ausgefallen als erwartet, sagte Analyst Ralf Dibbern von M.M. Warburg und stufte die Aktie auf "Kaufen" hoch.