DüsseldorfSolide wirtschaften, nachhaltige Werte schaffen und über Generationen denken. Diese Wertvorstellungen dürfte die zweifache Mutter Sabine Grobecker wohl voll unterstützen. Doch die Schlagworte stammen ausgerechnet von einem der Männer, über den die Richterin am Kölner Landgericht urteilen soll: Matthias Graf von Krockow, ehemals Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter des altehrwürdigen Bankhauses Sal. Oppenheim.
Bankchef von Krockow predigte inmitten der Finanzkrise und dem einsetzenden Vertrauensverlust in die Geldbranche die Rückkehr zu kaufmännischen Tugenden. Doch heute müssen sich er und vier andere Angeklagte vor der 16. Großen Strafkammer in Köln wegen Untreue im besonders schweren Fall und Beihilfe verantworten. In einem der größten Wirtschaftsstrafverfahren des Landes geht es zunächst um drei Immobiliengeschäfte und einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe, den die einst größte Privatbank Europas erlitten haben soll.

„Für Wertgegenstände übernehmen wir keine Haftung“ steht an dem Metalldetektor, durch den der ehemalige Sal.Oppenheim-Gesellschafter Friedrich Carl Janssen zum Prozessauftakt schreiten musste. Vier Ex-Chefs der Bank Sal. Oppenheim und ein Immobilienmanager müssen sich ab dem 27. Februar 2013 vor dem Landgericht Köln wegen Untreue beziehungsweise Beihilfe verantworten.

Zu den beschuldigten gehört auch der ehemalige Sal. Oppenheim-Gesellschafter Matthias von Krockow. In dem Verfahren werden einige der Beschuldigten von renommierten Rechtsanwälten vertreten. Der Kölner Prozess gilt als eines der größten Wirtschaftsstrafverfahren der vergangenen Jahre.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten in wechselnder Tatbeteiligung besonders schwere Untreue beziehungsweise Beihilfe zu diesem Delikt vor. Im einzelnen geht es um zwei umstrittene Geschäfte mit Büroimmobilien in Köln und Frankfurt am Main, durch die Sal. Oppenheim um insgesamt rund 134 Millionen Euro geschädigt worden sein soll. Auf mehr als acht Millionen Euro beziffert die Anklage den Schaden, welcher der Bank durch überhöhte Investitionen in eine zu preiswert vermietete Villa in Köln entstanden sein soll.

Der Immobilienentwickler Josef Esch (zweiter von rechts) betritt das Gericht, auch er gehört zu den Beschuldigten.

Esch hatte zahlreiche Immobilienfonds mit der Bank aufgelegt. Diese wurden als Steuersparmodelle für Millionäre und Milliardäre verkauft. Doch die als solide gepriesenen Fonds machten Verluste – und sind ein Extra-Streitpunkt in anderen Verfahren.

Eine illustre Gruppe klagt wegen der Esch-Fonds auf Schadenersatz - getrennt vom Kölner Verfahren: die Schuhdynastie Deichmann, der Privatbankiers-Erbe Wilhelm von Finck oder eben Madeleine Schickedanz. Letztere hatte ihr gesamtes Vermögen mit dem Arcandor-Einstieg auf Pump verloren.

Der ehemalige Banker Dieter Pfundt im Gerichtssaal.

Das Medieninteresse an dem Verfahren ist riesig. Über 100 Pressevertreter kamen zum Verhandlungsauftakt. Mit im Rampenlicht: Christopher Freiherr von Oppenheim.

Die Beschuldigten im Gerichtssaal: Friedrich Carl Janssen (2.v.l.), Matthias Graf von Krockow (3.v.l.), Dieter Pfundt (Mitte), Christopher Freiherr von Oppenheim (3.v.r.) sowie der Immobilienmanager Josef Esch (rechts).

Die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker hat eine große Prozesserfahrung und hat als Pionierin einmal eine Verhandlung komplett auf Englisch geführt.
„Für Wertgegenstände übernehmen wir keine Haftung“ steht an dem Metalldetektor, durch den der ehemalige Sal.Oppenheim-Gesellschafter Friedrich Carl Janssen zum Prozessauftakt schreiten musste. Vier Ex-Chefs der Bank Sal. Oppenheim und ein Immobilienmanager müssen sich ab dem 27. Februar 2013 vor dem Landgericht Köln wegen Untreue beziehungsweise Beihilfe verantworten.
Die Führung um von Krockow, Privatkundenchef Christopher Freiherr von Oppenheim, Risikomanager Friedrich Carl Janssen, Investment-Banking-Chef Dieter Pfundt sowie der Immobilienunternehmer Josef Esch, soll die Bank zum eigenen Nutzen ausgesaugt, Milliarden verzockt und das 1789 gegründete Institut in den Abgrund und damit in die Abhängigkeit des neuen Eigners Deutsche Bank getrieben haben. Doch im Grunde kommt vor der Kölner Strafkammer der gesamte Klüngel, der sich um die einst stolze Traditionsbank in Familienhand rankt, auf die Anklagebank.
Die Angeklagten und Anwälte sind bereits früh im Saal 210 des Landgerichts Köln. Der Andrang ist groß, rund 100 Pressevertreter umringen die Protagonisten. Während die Fotografen knipsen, geben sich von Krockow und Janssen kurz die Hand, es wird wenig geredet. Unternehmer Esch kommt erst kurz vor Beginn. Im Gericht prallen zwei Welten aufeinander: auf der einen Seite der Geldadel in Maßanzügen, der das anvertraute Geld auf Pferderennbahnen, Yachten und in Villen verplempert haben soll. Auf der anderen Seite die nüchterne deutsche Justiz in Person von Richterin Grobecker.
Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.
Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.
Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.
Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.
Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.
Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.
Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.
Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.
Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.
Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.
Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.
Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.
In 78 Prozessterminen bis zum 19. Dezember will die 50-Jährige in dem baufälligen Justizpalast an der Luxemburger Straße in Köln über zügelloses Handeln und die angebliche Verquickung privater und beruflicher Interessen in einer Bank urteilen, die mit Bedachtsamkeit und Verantwortung hausieren ging. Doch schon jetzt gilt unsicher, ob dieser Zeitplan zu halten sein wird.
Grobecker wird es nicht leicht haben, sich in der Verhandlung zu behaupten. Ihr gegenüber steht eine Riege erfahrener Wirtschaftsverteidiger wie der im Mannesmann-Prozess erprobte Eberhard Kempf sowie der Steuerstrafverteidiger von Boris Becker, Klaus Volk.

Politiker sind NICHT NUR im Verschwenden von Steuergeldern viel schlimmer und sitzen nie auf der Anklagebank.
@Ausbeuter: das hat mit den Israelis nichts zu tun. Geld verdirbt nun mal den Charakter und der ist bekanntlich bevölkerungsgruppenunabhängig. Da helfen auch keine Klischees geschweige denn rassistische Zuckungen.

@ Thompa
Sie haben ja grundsätzlich Recht. Nur hat man mit der Strafverfolgung zu lange gewartet, so dass wir wieder vor der Erkenntnis stehen: „Den letzten beißen die Hunde“. Man würde also derzeit allenfalls die bestrafen, die als Opferlämmer zurückgelassen wurden. Die Lahmarschigkeit der Justiz und die Schlaftabletten, die sie sich von der Politik verabreichen lässt, machen doch die ganzen Sauereien erst möglich. Unsere Gesetze sind gut, aber wenn ein Gauner sich sicher sein kann, dass er über alle Berge ist, bevor man ihn jagt, wovor soll er dann zurückschrecken?

Leider sind es immer die wenigen Ausnahmen, die eine gesamte Branche in Verruf bringen. Insofern bleibt nur zu wünschen, dass die Beteiligten einer 'gerechten' Strafe zugeführt werden. Ob da ein paar Jährchen (mehr wird's wieder mal nicht werden) ausreichen, darüber werden die Geschädigten wohl anderer Meinung sein.
Es ist nicht populistisch, hier drakonische Strafen als abschreckende Maßnahme zu fordern. Irgendwann muss man mal wirklich damit anfangen, sonst hört dieser Irrsinn niemals auf.
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