
FRANKFURT/DUBAI. Das Emirat Abu Dhabi kommt der US-Bank Citigroup beim Bemühen in die Quere, sich durch Rückzahlung von Staatshilfen aus verschärfter Regulierung zu befreien. Der Staatsfonds Abu Dhabi Investment Authority (ADIA) hat in New York Klage gegen die Bank eingereicht und will wegen angeblicher „betrügerischer Fehlinformation“ vom Kauf von Citigroup-Aktien im Volumen von 7,5 Mrd. Dollar zurücktreten. Dem Fonds drohen wegen des Absturzes der Citigroup-Aktie Milliardenverluste.
Die Citigroup erklärte, die Vorwürfe seien völlig unbegründet und die Bank werde sich entschlossen dagegen verteidigen. Doch an den Finanzmärkten zeigte die Klage ihre Wirkung. Entgegen dem positiven Markttrend lag die Aktie der Citigroup mit drei Prozent bei 3,45 Dollar im Minus.
ADIA hatte im November 2007 Zwangswandelanleihen auf Citigroup-Aktien gekauft. Damals hatten erste Marktturbulenzen durch die Subprime-Krise bereits stattgefunden. Wegen Milliardenabschreibungen infolge der Subprime-Krise war der damalige Citigroup-Chef Chuck Prince wenige Wochen zuvor zurückgetreten. Der Aktienkurs der Bank hatte gegenüber Jahresanfang 2007 schon etwa die Hälfte seines Wertes verloren.
Deshalb geben Experten der Klage auch nur geringe Aussicht auf Erfolg. „Das Ziel ist vielleicht gar nicht der Schadensersatz. Es geht vielleicht nur um etwas so Simples wie eine Neuverhandlung der Bedingungen“, sagte der frühere Anwalt der amerikanischen Wertpapieraufsichtsbehörde SEC, Jacob Frenkel, der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Sollte dies tatsächlich das Ziel von ADIA sein, so hätte der Fonds sich einen günstigen Zeitpunkt ausgesucht. Citigroup hat angekündigt, eigene Aktien im Volumen von 20 Mrd. Dollar auf den Markt zu bringen, um als letzte große US-Bank Staatshilfen zurückzuzahlen. Damit würde sie sich unter anderem von der damit verbundenen Begrenzung der Gehälter befreien. Solange die Drohung eines Verlustes an eingeplantem Eigenkapital in Milliardenhöhe im Raum steht, könnten Investoren zögern, die Aktien der Citigroup zu zeichnen.
Dass ein arabischer Staatsfonds und ausgerechnet noch der extrem öffentlichkeitsscheue Fonds ADIA, der zu den weltweit größten gehört, auf diese Weise einen Streit öffentlich austrägt, ist ausgesprochen ungewöhnlich.