BERLIN. "Wir waren an den bisherigen Gesprächen nicht beteiligt und werden uns auch nicht engagieren.“ Schleswig-Holstein ist an der Landesbank mit 20 Prozent beteiligt. Nach Aussagen Wiegards werden sich die Anteilseigner im kommenden Jahr auf einen geeigneten Termin verständigen. Zwar werde der "frühestmögliche“ Zeitpunkt angestrebt, doch Voraussetzung seien günstige Marktbedingungen. Finanzexperten gehen davon aus, dass die Verwerfungen an den Kapitalmärkten, die durch die Krise mit amerikanischen Hypothekenkrediten ausgelöst wurden, noch weit bis ins kommende Jahr andauern könnten. Im Zuge dieser Entwicklung wurden Banken an der Börse weltweit massiv abgestraft.
Es zeichnet sich ab, dass der Börsengang im Rahmen einer Kapitalerhöhung stattfindet. Die Eigner seien nicht an einem "großen Reibach“ interessiert, sondern wollen in erster Linie die Kapitalausstattung der Bank stärken, so Wiegard. Mit der Entwicklung des Instituts, das 2003 aus der Fusion der Landesbanken Schleswig-Holsteins und Hamburgs entstand, können die Eigner zufrieden sein. Der Wert verdoppelte sich seit der Fusion nach Angaben Wiegards von vier auf sieben bis acht Mrd. Euro.
Bei den Ratingagenturen laufen die Eigner mit ihren Börsenplänen offene Türen ein. "Eine substanzielle Kapitalerhöhung könnte einen der Schwachpunkte im Finanzprofil adressieren“, lobt Stefan Best von der Ratingagentur Standard & Poors die Absicht. "Durch einen möglichen Börsengang hätte die Landesbank die Chance, frisches Kapital zur Verfügung gestellt zu bekommen. Dadurch würde die Bank Raum für neues Geschäft, aber auch ein Polster für potenzielle Abschreibungen gewinnen“, sagt Anna Lozmann von der Ratingagentur Fitch. Bislang sind die Abschreibungen des Instituts auf US-Immobilienengagements allerdings überschaubar.
Im Rahmen der geplanten Kapitalmaßnahme wird sich der Anteil der öffentlichen Eigner an der Bank voraussichtlich verringern. Derzeit halten Hamburg, Schleswig-Holstein und die schleswig-holsteinischen Sparkassen zusammen mehr als 73 Prozent der Anteile, der US-Investmentbanker Christopher Flowers 26,58 Prozent (Grafik).
"Die öffentlichen Eigner haben sich verpflichtet, bis zum Jahr 2013 die Mehrheit zu halten, das können auch 50 Prozent plus eine Aktie sein“, sagte Wiegard. Unter Berücksichtigung des Flowers -Anteils würde der Free Float dann bei mehr als 23 Prozent liegen. In dem Fall will sich Ratinganalyst Best das Institut noch mal anschauen. "Da das Rating aufgrund der impliziten Unterstützung durch die Länder zwei Stufen erhöht ist, müssten wir bei einer Verwässerung der Anteil der Länder an der Bank auch die Nachhaltigkeit dieser Unterstützung überprüfen“, so Best. Sowohl Fitch als auch S&P bewerten die Bonität der Landesbank mit einem Single-"A“, was eine auskömmliche Refinanzierung sichert.
Die HSH Nordbank hat in den vergangenen Jahren stets eine Vorreiterrolle im Landesbankensektor eingenommen. Ihr gelang die erste und bislang einzige Fusion zweier Landesbanken auf Augenhöhe. Gegen den starken Widerstand der Sparkassen-Organisation war die HSH auch die erste Landesbank, die mit Christopher Flowers den ersten privaten Investor aufnahm. Flowers erwarb den WestLB -Anteil, den die Sparkassen-Organisation gern im öffentlich-rechtlichen Lager gehalten hätte. "Jetzt werden wir die erste Landesbank sein, die an die Börse geht“, konstatierte der Minister.