
BERLIN. Der zurückgetretene Wirtschaftsminister Schleswig-Holsteins, Werner Marnette (CDU), rechnet bei der HSH Nordbank mit weiteren finanziellen Belastungen, gerade im Hinblick auf die Schiffsfinanzierungen. Bei der HSH Nordbank, dem weltgrößten Schiffsfinanzierer, beläuft sich das Volumen von bestehenden und zugesagten Krediten auf mehr als 33 Mrd. Euro. "Ich weiß nicht, ob die alle werthaltig sind", so Marnette.
Jahrelang profitierten deutsche Banken von der weltweit boomenden Nachfrage nach Schiffsfinanzierungen. Ständig vergrößerten Institute wie die HSH Nordbank, KfW Ipex-Bank oder die NordLB ihre Schifffahrtsportfolios, um den wachsenden Transportbedarf im Welthandel zu befriedigen. Die Reeder sind im Zuge der globalen Rezession mit kräftig fallenden Fracht- und Charterraten, dem Mietzins für den Transport, konfrontiert. Viele Schiffe sind von den Reedern daher nicht mehr rentabel zu betreiben - Anträge auf Tilgungsstundungen bei den Banken nehmen zu, die Risikovorsorge muss aufgestockt werden. Die Ratingagentur Standard & Poors rechnet mit erheblichen Belastungen. Schließlich kommt noch einiges auf die Schiffsbanken zu.
Denn sollten beispielsweise alle in Auftrag gegebenen Containerschiffe und Massengutfrachter fertiggestellt werden, würde sich die Flottenkapazität in diesem Bereich bis zum Jahr 2011 um 50 bis 60 Prozent erhöhen, so Schätzungen des Bundeswirtschaftsministeriums. Falls die Weltwirtschaft nicht in Schwung kommen sollte, würde sich der Druck auf Fracht- und Charterraten weiter verstärken.
Deutsche Reeder spielen in der Containerschifffahrt weltweit eine führende Rolle. Und deutsche Banken gehören zu den führenden Finanziers in der Schiffsfinanzierung. Bereits heute gelten zehn Prozent der weltweiten Containerschifffahrtsflotte als unbeschäftigt. "Diese Zahl wird sich in diesem Jahr auf mehr als 20 Prozent erhöhen", glaubt Torsten Wagner, Berater der Deutschen Shipping, einer Tochter der Deutschen Bank. Bei der HSH Nordbank macht die Finanzierung von Containerschiffen einen Anteil von mehr als 40 Prozent am Portfolio aus.
In Deutschland wurden bislang 29 Schiffsbauaufträge im Wert von 730 Mio. Euro storniert. "Eine gleiche Anzahl von Aufträgen im Wert von knapp 940 Mio. Euro ist akut gefährdet, da die Reeder die Finanzierung nicht leisten können", sagt Dagmar Wöhrl, Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium.