
DÜSSELDORF. Von Oktober bis Dezember 2008 haben die Schweizer in den Vereinigten Staaten mehr als 200 Broker engagiert, um dem weiteren Abwandern von Kunden entgegenzuwirken. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg . Dafür habe die Großbank tief in die Tasche gegriffen und Antrittsprämien von 260 Prozent dessen bezahlt, was die Broker im vergangenen Jahr eingefahren hätten. Zum Vergleich: Die Bank of America hat Brokern von Merrill Lynch demnach im Zuge der Übernahme der Ex-Investmentbank im vergangenen Jahr lediglich eine Prämie von 100 Prozent geboten, damit sie an Bord blieben.
Die UBS bestätigte gegenüber Handelsblatt.com, dass sie in den USA weiterhin Broker akquiriert. Zur Zahl von 200 neu engagierten nahm sie keine Stellung. Ein Sprecher des Instituts betonte aber: "Wir zahlen branchenübliche Preise, zum Teil auch darunter, und beschränken uns auf die Topleute der Branche." Er rechtfertigte die Praxis damit, dass mit dem Broker erfahrungsgemäß 75 bis 95 Prozent von dessen Kunden zur UBS wechselten. Deshalb sprach er statt von Boni von "Rekrutierungskosten, die anfallen". Diese seien in der Vergangenheit schon höher gewesen. Die Zahlungen bänden die Broker für zehn Jahre ans Unternehmen. Sollten sie früher wechseln, wären sie zur anteiligen Rückzahlung verpflichtet.
Dennoch birgt das Vorgehen Sprengstoff. Denn erst vergangene Woche hatte die UBS angekündigt, sie werde die Bonuszahlungen für 2008 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 80 Prozent reduzieren. Darauf hatten Mitarbeiter der Bank schockiert reagiert. Der Schritt ist ein Zugeständnis an die Schweizer Regierung, die der Großbank mit sechs Mrd. Schweizer Franken (rund vier Mrd. Euro) unter die Arme gegriffen hatte. Die UBS ist unter Europas Banken von der weltweiten Finanzkrise am stärksten getroffen.
Die Vermutung, in diesem Zusammenhang könnten die hohen Zahlungen an neu engagierte Broker alteingesessene Kräfte verärgern und für Fluktuation sorgen, wollte die UBS nicht kommentieren. Die Zahl der Broker in den USA schrumpfte jedenfalls in den ersten neun Monaten 2008 um 340 auf unter 8 000. Im selben Zeitraum zogen wohlhabende US-Kunden 14,7 Mrd. Schweizer Franken (fast zehn Mrd. Euro) ab. Das dürfte auch mit den Ermittlungen gegen die Schweizer wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zusammenhängen.
Die Situation zwingt die Großbank offenbar zum Handeln. Eine klare Strategie ist dabei jedoch nicht zu erkennen. Die "Financial Times" berichtete jetzt, die UBS habe Ende vergangenen Jahres mit der Ex-Investmentbank Morgan Stanley über einen Verkauf ihres US-Broker-Geschäfts verhandelt. Gegenüber Handelsblatt.com wollte die UBS das nicht kommentieren.
Auch die zweitgrößte Schweizer Bank, Credit Suisse, plant einem Bloomberg-Bericht zufolge unterdessen ihre Bonuszahlungen für 2008 im Investmentbanking deutlich zu kürzen, nämlich um 55 Prozent. Damit stehen ihre Beschäftigten im Vergleich zu denen des Platzhirsches UBS aber noch gut da.