
PekingFondschef Lou Jiwei hatte in seinem Leben schon völlig verschiedene Berufe: Er war Matrose in der Südchinaflotte, hat Informatik studiert, als Wirtschaftsplaner die Fünfjahrespläne mitgeschrieben und in Schanghai die kapitalistische Öffnung der Wirtschaft organisiert. Mut und Urteilsvermögen, die er als Seemann und als Reformvordenker bewiesen hat, qualifizieren ihn auch für seinen derzeitigen Job. Lou verwaltet rund 410 Milliarden Euro des chinesischen Volksvermögens in dem Staatsfonds China Investment Corporation (CIC). Der Fonds soll nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters um einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag aufgestockt werden, um vor allem in Europa auf Einkaufstour zu gehen. Zudem sollen zwei neue Fonds gegründet werden, die zusammen auf rund 300 Milliarden Dollar kommen sollen.
China ist weltweit einer der Anleger mit den tiefsten Taschen. Was die Exportindustrie des Landes an Devisen erwirtschaftet, bleibt zum größeren Teil als investierbares Kapital bei der Zentralbank zurück - das ist eine Nebenwirkung der chinesischen Finanzkontrollen. Inzwischen haben sich auf diese Weise rund 2,7 Billionen Euro angesammelt. Einen Teil davon hat die Regierung vor vier Jahren für die Anwendung in einem Staatsfonds freigegeben.
Für den Chefposten war Lou vorgesehen, damals gerade Vize-Finanzminister. Lou gilt als flexibel und zupackend, ein echter Macher und Strippenzieher, der sich nicht so leicht aufhalten lässt. Am Heiligen Abend ist der kommunistische Geldmanager 61 Jahre alt geworden, doch an einem frühen Ruhestand liegt ihm nicht - zu sehr reizt ihn die Aufgabe beim Staatsfonds.
Lou ist Karrierebeamter. Er gehört seit Jugendtagen der Kommunistischen Partei an. So richtig aufwärts ging es mit seinem Aufstieg jedoch erst, als er sich in die Seilschaft von Zhu Rongji einbinden konnte, dem späteren Regierungschef. Zhu nahm Lou nach Schanghai mit, als er Ende der 80er-Jahre dort Oberbürgermeister wurde. Lou erhielt eine leitende Position in der Stabsstelle für Reformen. Damit befand er sich bereits ganz dicht am wirtschaftlichen Geschehen Chinas. Schanghai war zu dieser Zeit das Modell für die Entwicklung des ganzen Landes.
Als die Chinesen in den frühen 90er-Jahren dann wirtschaftlich so richtig Gas gaben, war Lou wieder an entscheidender Stelle dabei: Er führte - inzwischen wieder in Peking - die Abteilung für die makroökonomische Steuerung in der Entwicklungs- und Reformkommission. Diese Institution ist mächtiger als die eigentliche Regierung.
Sein Start im neuen Job war jedoch seinerzeit denkbar holprig. Ausgerechnet im Jahr 2007 wollte der chinesische Staatsfonds weltweit groß herauskommen. Er hat genau zu dem Zeitpunkt Milliardensummen an den Kapitalmärkten rund um den Globus verteilt, als in den USA eine Immobilienblase platzte und die Kernschmelze des Weltfinanzsystems begann. Dementsprechend deprimierend sah die Bilanz des Unternehmens aus: Das Jahr 2008 schloss CIC mit einem Minus von mehr als zwei Prozent ab.
"Reformvordenker", "Abteilung für die makroökonomische Steuerung in der Entwicklungs- und Reformkommission" Worte aus einer anderen Welt, einem Staat der eine richtige Regierung hat.
Wäre dieser Mann in Deutschland geborten, wäre er Hartz IV Empänger, unangepasst, ständiger Kritiker der reformunfähigen Regierung im Tiefschlaf
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