
BERLIN/BONN. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat die Bankenbranche für ihr Verhalten in der Finanzkrise angegriffen. „Die Geschäftsbanken müssen dringend ihr Verhalten ändern. Im Moment misstrauen die Banken sich ja nicht nur gegenseitig, sondern auch noch ihren Kunden“, sagte der CSU-Politiker der „Bild am Sonntag“.
Er könne den Banken, die es nötig hätten, nur dringend raten, die von der Bundesregierung bereitgestellten Hilfen auch in Anspruch zu nehmen. „Die Banken haben eine dienende Funktion und bilden den Blutkreislauf der Realwirtschaft. Wenn der Kreislauf nicht funktioniert, dann kann der Patient auch nicht gesund werden.“
Zugleich warnte Glos davor, die Konjunktur schlecht zu reden. Zur Warnung von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter, das Wachstum könne 2009 um bis zu vier Prozent einbrechen, sagte der Wirtschaftsminister: „Die schlechteste Nachricht macht die beste Schlagzeile. Darum gibt es in letzter Zeit bei Horrormeldungen über die Konjunktur einen regelrechten Überbietungswettbewerb.“ Der Standort Deutschland sei viel stärker als manche glaubten. „Aber eines ist klar: 2009 wird kein Jahr für hysterisch veranlagte Naturen“, sagte der Minister.
Die deutsche Autoindustrie sieht Glos in der Krise gut aufgestellt und gegenüber der US-Konkurrenz trotz möglicher staatlicher Hilfen für die amerikanischen Autokonzerne in zweistelliger Milliardenhöhe nicht im Nachteil. „Unsere Autokonzerne haben gegenüber den amerikanischen einen technologischen Vorsprung, den man auch mit 40 Mrd. Dollar nicht ausgleichen kann“, sagte Glos. Die deutschen Autofirmen seien stark genug, um diese Krise auch ohne Milliardenhilfen vom deutschen Steuerzahler durchzustehen.
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Postbank, Wolfgang Klein, hat die Bedingungen des Rettungspakets für die Finanzbranche kritisiert. Er könne sich gut vorstellen, einzelne wackelige Kreditpakete aus der Bilanz seines Instituts an den Staat zu verkaufen. „Aber diese Risikoübernahme ist derzeit so geregelt, dass sie unsere Probleme nicht löst“, sagte er in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ (WamS).