
FRANKFURT. Die Commerzbank plant offenbar zweieinhalb Jahre nach ihrem Mehrheitseinstieg bei der Bank Forum in der Ukraine die komplette Übernahme des Instituts. Hintergrund ist Insidern zufolge die Unsicherheit über weiteren Abschreibungsbedarf bei Krediten des osteuropäischen Instituts. Sie könnten die Zufuhr von zusätzlichem Kapital nötig machen. Hinzu kommen Unstimmigkeiten mit den Minderheitseignern, darunter die Gründerfamilie um Leonid Yurushev. Letztere scheint mittlerweile bereit, zu einem für die Frankfurter akzeptablen Preis ihre Anteile abzugeben. Der Deal ist jedoch noch nicht in trockenen Tüchern.
Die Commerzbank, die am Mittwoch ihre vorläufigen Zahlen für 2009 vorlegt, lehnte eine Stellungnahme ab.
Umfangreiche Risiken
„Man kann davon ausgehen, dass man einige Kredite der Bank Forum heute anders bewerten muss als vor der Krise“, sagte ein Insider dem Handelsblatt. Hinzu komme, dass die Miteigentümer der Commerzbank regelmäßig „Knüppel zwischen die Beine werfen“. Die Angelegenheit soll auch Thema auf der für heute geplanten Aufsichtsratssitzung sein.
Die Lage bei der Bank Forum ist offenbar angespannter als bekannt. Zwar hatte die Commerzbank selbst bereits im November gewarnt, man erwarte weitere Ausfälle und damit erhöhte Risikovorsorge in der Ukraine. Weiter hieß es im Zwischenbericht, die Bank Forum bleibe „die mit Abstand risikoreichste Einheit“ in Zentral- und Osteuropa (CEE).
Bislang unbemerkt blieb aber, dass unter den Aktionären über Wochen Unstimmigkeit über die Details einer notwendigen Kapitalerhöhung bei der Bank bestand. Weitere Beschlüsse hierzu sollen nun auf zwei Hauptversammlungen im März in Kiew fallen. Dabei soll es laut Internetseite der Bank Forum auch zur Umfirmierung sowie Wechseln im Aufsichtsrat kommen.
Die Commerzbank hatte im Herbst 2007 gut 60 Prozent an dem nach damaligen Angaben zehntgrößten Institut des Landes erworben und dafür 435 Mio. Euro auf den Tisch gelegt. Commerzbank-Chef Martin Blessing, damals noch Vorstand für Osteuropa (CEE), sprach von einer „idealen Ergänzung“. Bereits damals sicherten sich die Frankfurter eine Option, drei Jahre nach dem Einstieg bis zu 25 Prozent weitere Anteile der Familie Yurushev zu kaufen.
Rating im Ramsch-Bereich
Seither hat sich die Lage allerdings in der Ukraine massiv verschlechtert. Das Land geriet in den Strudel der Rezession, 2009 schrumpfte die Wirtschaft um 15 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schnürte ein Hilfspaket über 16,4 Mrd. Dollar. Experten schätzen, dass womöglich jeder dritte Kredit in den Bilanzen der Banken faul ist. Die Bonitätsnote der Bank Forum liegt sowohl bei der Rating-Agentur Moody's als auch bei Fitch mit „Ba3“ beziehungsweise „B+“ im sogenannten Ramsch-Bereich.
Müsste die Commerzbank tatsächlich in nennenswertem Umfang die Bank Forum stützen, könnte dies hierzulande auf Unmut stoßen. Denn Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus wurde vom Bund mit mehr als 18 Mrd. Euro gerettet. Teile davon würden dann indirekt eingesetzt, um der Tochter in Osteuropa zu helfen.