
HB MADRID. Die spanische Großbank Santander kann sich dank eines florierenden Geschäfts in Brasilien in der Heimat einen Preiskampf um neue Kunden leisten. Weil das Ergebnis der brasilianischen Tochter um 35 Prozent nach oben schnellte, fiel der Nettogewinn im ersten Halbjahr nur um 1,6 Prozent auf 4,44 Mrd. Euro. Lateinamerika trägt insgesamt rund 40 Prozent zum Gewinn von Santander bei. In Spanien nahm die größte Bank der Euro-Zone dagegen einen Einbruch um 14 Prozent hin. Hier zahlt sie bis zu vier Prozent Sparzinsen und lockt damit erfolgreich Kunden. Santander steigerte die Spareinlagen in der Heimat in den sechs Monaten um 43 Prozent.
Auch in Deutschland greift die Bank im Privatkundengeschäft an. Sie hat kürzlich die Filialen der schwedischen SEB gekauft, nachdem sie sich bis jetzt nur als Konsumfinanzierer profiliert hatte.
Santander hat die Finanzkrise besser als viele Konkurrenten überstanden, beim europaweiten Stresstest entpuppte sie sich als eine der Banken mit der stärksten Bilanz. Die Beruhigung an den Anleihemärkten nach dem Test nutzte das Institut am Donnerstag dazu, einen vorrangigen vierjährigen Bond zu begeben. Santander folgt damit den Rivalen BBVA und Credit Suisse, die ähnliche Schritte schon am Mittwoch gegangen waren.
Die Santander-Aktien fielen um 1,2 Prozent, weil die Bank es verpasste, mit ihrem Ergebnis positiv zu überraschen. Der Gewinn und der um 15 Prozent gestiegene Zinsüberschuss entsprachen in etwa den Analystenschätzungen. „Obwohl der Nettogewinn im Vergleich zum Vorquartal stagniert, sind diese Ergebnisse im gegenwärtigen Umfeld sehr respektabel und beweisen eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit“, sagte ING-Kreditanalystin Eleonore Lamberty.
Santander Brasil übertraf dagegen die Prognosen. Die brasilianische Tochter, deren Börsengang dem Mutterhaus im vergangenen Jahr sieben Mrd. Euro einbrachte, ist am Markt inzwischen mehr wert als die Deutsche Bank. Ihr kamen neben Währungseffekten auch rückläufige Kreditausfälle zugute.
Konzernweit stieg der Anteil der faulen Kredite nochmals leicht an. In Spanien liegt die Bank mit ihrer Ausfallquote weit unter dem Branchenschnitt. Hier sei der Höhepunkt der Ausfälle erst 2011 zu erwarten.