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Sparkassenpräsident Haasis: „Beunruhigt sollte man schon sein“

exklusiv Sparkassenpräsident Haasis kritisiert, in welche Richtung die Regulierung geht. Zur Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“ spricht er über die Folgen der Schuldenkrise, falsche Regulierung und die Zukunft Europas.

Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis ein klares Eintreten für den Euro. Quelle: dpa
Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis ein klares Eintreten für den Euro. Quelle: dpa

Handelsblatt: Herr Haasis, drei Jahre nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers scheint sich Geschichte zu wiederholen. Die Banken misstrauen einander und leihen sich kein Geld. Haben Sie Angst?

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Heinrich Haasis: Nein, Angst habe ich nicht. Aber beunruhigt sollte man schon sein.

Warum?

Weil nicht alles umgesetzt worden ist, was einmal von den 20 führenden Industrie- und Schwellenländern in Pittsburgh in puncto Regulierung vereinbart worden ist. Manches läuft sogar in die gegenteilige Richtung. Beunruhigt bin ich etwa darüber, dass das Schattenbankensystem nach wie vor weithin ohne Regeln ist, aber immer größer wird.

Wen genau meinen Sie damit?

Es geht um Geschäfte von Institutionellen wie Hedge-Fonds, die keine Banken sind und deshalb nicht der intensiven Regulierung unterliegen. Und um intransparente Geschäfte von Banken jenseits von Börsen. Manche Banken betreiben doch nach wie vor Geschäfte, die in den Bilanzen keinen oder nur geringen Niederschlag finden. Wir haben auch deshalb für eine Transaktionssteuer auf Finanzgeschäfte statt einer Bankenabgabe plädiert, weil sie Transparenz erzwingt. Eine solche Steuer würde die schnellen Deals ohne Bezug zur Realwirtschaft verteuern und damit dämpfen. Aber die Regulierung läuft hier in eine ganz falsche Richtung.

Halbjahreszahlen Wie die Landesbanken dastehen

  • Halbjahreszahlen: Wie die Landesbanken dastehen
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Warum?

Alle Regulierungen setzen am klassischen Bankgeschäft an – die Bankenabgabe und auch Basel III. Man erschwert das normale Bankgeschäft mit dem Unternehmer vor Ort, während zum Teil auf den internationalen Finanzmärkten die Spielcasinos schon wieder eröffnet sind. Und statt sich als Staat und damit als Steuerzahler von Banken weniger erpressbar zu machen, werden einige immer größer und damit systemrelevanter. Das war doch einmal ganz anders gedacht.

Auch in Deutschland?

Natürlich. Früher hatten Chefs großer Banken Sorge, systemrelevant zu sein. Heute freuen sich die Betroffenen öffentlich über günstigere Refinanzierungsbedingungen, weil im Ernstfall der Steuerzahler hinter ihnen steht.

Was ist denn nun die größere Gefahr aus Ihrer Sicht? Die zu großen Banken oder der graue Kapitalmarkt?

Beides. Das Schlimmste sind aber die Benachteilungen der Kreditvergabe an Kunden bei der Regulierung.

Was genau meinen Sie?

Nur wenige Beispiele: Basel III bevorzugt den Kauf von Unternehmensanleihen gegenüber klassischen Unternehmenskrediten. Es bevorzugt kurze Laufzeiten gegenüber längeren. Es erschwert die Bedingungen für einlagenstarke Institute. Ich könnte weiter aufzählen. Das alles läuft auf eines hinaus: Die deutsche Wirtschaftsstruktur mit vielen kleinen, familiengeführten Unternehmen ohne Zugang zum Kapitalmarkt wird das alles bezahlen müssen.

  • 05.09.2011, 17:56 UhrAnonymer Benutzer: Pendler

    Wir haben auch ein kleines Unternehmen nebenher und kommen bestens ohne Kredite aus.

    Was soll schon passieren, wenn die Sparkassen(gehören eh dem Staat) pleite gehen? Eine gewisse Bereinigung der Bankenlandschaft ist bestimtm ne notwendige Sache.

  • 05.09.2011, 12:28 UhrAnonymer Benutzer: lowabras

    Wenn es sich auch für manche sehr seicht anhört, das was der Mann sagt istdas äußerste was man in so einer Position von sich geben kann.
    Schärfer kann man es eigentlich nicht formulieren, wenn man zwischen den Zeilen lesen kann!
    Fakt ist damit und von einem Realbanker ganz klar formuliert, dass die Marionettenpolitiker, speziell Merkel und Schäuble, von den systemrelevanten Banken gespielt werden (deutsche Bank speziell) und nur dafür sorgen, dass ihre Interessen realisiert werden.
    Der Mittelstand, der die ganze Zeche bezahlt zusammen mit der arbeitenden Bevölkerung hat das Nachsehen und wird nicht finanziert. Damit wird noch mehr Druck auf diesen Mittelstand ausgeübt und letztlich vollends ausgeschaltet zu Gunsten der nicht mehr kontrollierbaren globalen Gesellschaften, die von reinen Verwaltern miserabel gemanagt sind, weil diese ausschließlich an ihrem eigenen Vorteil interessiert sind und nur das Erfüllen, was ihr Vertrag von ihnen verlangt um die maximalen Bonuszahlungen zu erhalten!
    Diese Reportage muss man dreimal lesen, je öfter desto besser versteht man die aktuelle politische Situation und weiss wohin sie das Volk führt!

  • 05.09.2011, 11:22 UhrAnonymer Benutzer: atinak

    Nein, das hier ist ein kluger und differenzierter Beitrag, und die Sparkassen waren zur Zeit der Bankenkrise die einzigen seriösen. Sie finanzieren tatsächlich den Mittelstand und sichern damit die Mehrheit der Arbeitsplätze, und die Regulierung marschiert in der Tat in eine völlig falsche Richtung, nämlich dahin, wo die Politik den geringsten Druck bekommt, weil dort die schwächste Lobby sitzt. Auch das zeigt mal wieder das Unvermögen der Politik und die Inkompetenz ihrer Kritiker. - Ein überfälliger Beitrag!

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