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Stiftungschef Hennerkes: „Zweistellige Millionen-Gehälter sind schädlich“

Die Chefetagen von Konzernen sind bei der Vergütung ein Closed Shop, kritisiert der Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, Brun-Hagen Hennerkes. Als gutes Vorbild in Sachen Vergütung empfiehlt er den Mittelstand.

Brun-Hagen Hennerkes ist Vorstand der Stiftung Familienunternehmen und Herausgeber des neuen Buchs „Wertewandel mitgestalten“. Quelle: Pressebild
Brun-Hagen Hennerkes ist Vorstand der Stiftung Familienunternehmen und Herausgeber des neuen Buchs „Wertewandel mitgestalten“. Quelle: Pressebild

Handelsblatt: Herr Hennerkes, Sie plädieren für einen Wertewandel. Was genau verstehen Sie unter Werten?

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Brun-Hagen Hennerkes: Solidarität, Verantwortung für die nachfolgenden Generationen und einen aufrichtigen Umgang miteinander zum Beispiel. Solche Werte bilden einen Kompass, an dem wir unser Handeln ausrichten können. Wer sie missachtet, verliert den Anspruch auf Hilfe und Unterstützung der Gemeinschaft. Diese Werte sind ebenso wichtig wie die Tugenden Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und vor allem Besonnenheit, um nur einige zu nennen.

Haben sich diese Werte und Tugenden infolge der Globalisierung verändert?

Eindeutig ja, und zwar zum Besseren. Wenn ein Unternehmer wie Deichmann bei seinen Lohnproduzenten in Indien Kinderarbeit verbietet oder wenn Bosch in seinen Auslandsbetrieben striktes Umweltmanagement betreibt, stärkt dies das Verantwortungsgefühl aller Beschäftigten - im In- und Ausland. So werden manche unserer Wertvorstellungen in andere Länder übertragen. Umgekehrt lernen wir von Geschäftspartnern aus anderen Ländern.

Zunehmend viele deutsche Unternehmen haben Geschäftspartner in China - einem Land mit zum Teil diametral anderen Wertvorstellungen. Dürfen wir das denn ignorieren des guten Geschäfts wegen?

Nein! Die Grenze liegt dort, wo es um die traditionellen Grundwerte des ehrbaren Kaufmannes geht. Wer sich mittels persönlicher Zuwendungen Aufträge zu verschaffen sucht, wer nationales oder internationales Recht bricht, der hat die Grenzen überschritten. Wer sich dagegen bestimmten Gewohnheiten, lokalen Verhaltensweisen oder Umgangsformen des Gastlandes anpasst, der handelt richtig.

Walter direkt Geldsysteme sind kein Naturgesetz

Die Proteste von Occupy Wall Street zielen immer stärker auf das Geldsystem insgesamt. Die monetäre Welt wächst viel stärker als die reale Wirtschaft und erschwert damit eine Lösung der Schuldenkrise.

Gerade in Familienunternehmen sind unterschiedliche Auffassungen unterschiedlicher Generationen ein wichtiges Thema. Stellen Sie auch eine abweichende Wertevorstellung fest?

Ja, etwa die Vorstellung, wie wir miteinander umgehen sollten, wandelt sich. Die junge Generation geht weniger autoritär miteinander um. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass die, die weniger geführt werden, mehr Eigenverantwortung übernehmen müssen. Genau das ist aus meiner Sicht aber eines der zentralen Probleme: Die Bereitschaft, eigenverantwortlich zu handeln, nimmt ab, der Ruf nach Fürsorge durch den Staat nimmt dagegen zu. Das hat sich durch die Finanzkrise noch verschärft.

Wundert Sie das? Die Krise hat doch gezeigt, dass Eigenverantwortung Grenzen hat und ein Rückzug des Staates zu Fehlentwicklungen führen kann.

Einige Branchen wie der Finanzsektor brauchen fraglos strengere Regeln. Branchenunabhängig brauchen wir aber Werte, die absolut gelten. Ein solcher Wert ist Solidarität. Ein Beispiel: Wäre das europäische Gemeinschaftsgefühl stärker, würden in Spanien tätige ausländische Unternehmen aktiv, um die hohe Jugendarbeitslosigkeit dort mit zu bekämpfen. Aus Eigeninteresse, aber eben auch aus Solidarität. Das lässt sich jedoch nicht erzwingen, dafür brauchen wir einen Wertewandel.

  • 17.02.2013, 19:48 Uhrtruckin24

    Die Politiker und Manager von heute sind das Vorbild von morgen, aber im Negativen. Und diese Art der Geldgier wird fatale Folgen für uns alle haben.

  • 21.07.2012, 18:36 UhrGoldmund

    Hat einer der Herren in den Vorstandsetagen jemals Verantwortung übernommen? Selbst bei gravierendem Fehlverhalten und Missmanagement wurden diese Herren mit einem goldenen Handschlag nach Hause geschickt! Meiner Meinung nach sollte es untersagt sein, dass ehemalige Vorstände in den Aufsichtsrat wechseln können. Ich glaube, nicht dass sie ihre Funktion im Kontrollorgan Aufsichtsrat wahrnehmen. Wer kontrolliert unabhängig und unkritisch seine eigene Arbeit??? Kann mir jemand erklären, wie ein Vorstandsvorsitzender eines Konzerns neben seinem Job (mit Millionengehalt) einen anderen Konzern als Aufsichtsratsmitglied oder sogar Aufsichtsratsvorsitzender kontrollieren kann. Ist er mit seinem Job nicht ausgelastet? Ich fürchte, die Wahrscheinlichkeit einen "ehrbahren Kaufmann" in einem Konzen in den oberen Führungsetagen anzutreffen ist so hoch wie ein 6er im Lotto.

  • 26.05.2012, 12:12 Uhr1Pr0digy

    nur verdienen die dax-konzerne besonders gut aufgrund von schuldenfinanzierten exporten des eu-auslands, die funktionieren, weil sie die inflation mit niedrigen löhnen drücken. Die Staaten und Banken, die daran hängen dürfen wir retten.
    Dieses billige spiel is keine millionengehälter wert.
    Würde der Markt wirklich so sauber und reibungslos funktionieren, wie sie sagen, dann hätten sie recht.
    Ist aber leider nicht so. Misswirtschaft von DDR-Ausmaß ist leider an der Tagesordnung im Finanzsektor (kapitalstarke Konzerne eingerechnet)

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