
FRANKFURT. Die 22. Kammer entschied überraschend, dass die Betriebsratswahlen unter den 13 000 Beschäftigten der Zentrale Mitte März ungültig sind. Nicht, weil es konkrete Belege für Manipulation geben würde. Sondern, weil gut 447 Altersteilzeitbeschäftigte vorsorglich Briefwahlunterlagen erhielten, die sie nach Auffassung der Richter nicht zwingend benötigt hätten.
Seit Jahren bekriegen sich die mehrere Millionen Mitglieder starke Dienstleistungsgesellschaft Verdi und der winzige Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) mit seinen 21 000 Mitgliedern. Letzterer wirft der großen Schwester vor, wegen ideologischer Dogmen die Interessen der Bankbeschäftigten zu verraten. Verdi hingegen sieht in der DBV den willfährigen Partner aller Manager, wenn es um Lohndumping und andere tarifpolitische Schweinereien geht. Eine besonders lange Tradition hat der Disput bei der Commerzbank, wo sich die DBV systematisch gemobbt fühlt. Bei den Betriebsratswahlen 1997 und 2002 durfte deshalb sogar die Staatsanwaltschaft ermitteln – ohne Beweise zu finden. Im März konnte die DBV nur einen von 39 Betriebsratssitzen ergattern. Verdi-Vertreter kamen hingegen auf 28. Aus Sicht der Kleinstgewerkschaft ein abgekartetes Spiel – die Klage eine logische Konsequenz.
Umso mehr fühlt man sich nun durch das Urteil bestätigt. „Das ist für uns ein wichtiges Signal“, sagte ein DBV-Sprecher gestern. Es gehe der Gewerkschaft schließlich nur um „Demokratie im Unternehmen“. Man wolle ein für alle Mal Klarheit.
Doch die dürfte trotz des Urteils noch eine ganze Weile auf sich warten lassen. Denn der Verdi-dominierte Betriebsrat kündigt mehr oder weniger bereits an, in die nächste Instanz zu ziehen. „Aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, dass der Betriebsrat das Landesarbeitsgericht Hessen anrufen wird“, heißt es in einer Mitteilung. Das aber kann dauern. Und bis zu einem rechtskräftigen Urteil bleibt der amtierende Betriebsrat im Amt. Selbst bei einer Bestätigung bliebe Verdi immer noch die Möglichkeit, vor das Bundesarbeitsgericht zu ziehen. „Bis man da durch ist, wird sowieso schon der nächste Betriebsrat gewählt“, meint ein Commerzbanker trocken.
Derweil gehen dutzendfach Mails von Mitarbeitern beim Betriebsrat ein, die angesichts der gravierenden Probleme der teilverstaatlichten Bank die Welt nicht mehr verstehen. In einer davon heißt es: „Schade, dass nun so viel Energie und Zeit damit verschwendet werden muss, wo wir für die Zentrale doch ganz andere Themen auf dem Schirm haben... ;-(((“
ich liebe Gewerkschaften; insbesondere die in grösseren Unternehmen. immerhin lohnt sich ja der Kampf bei Vergütungen auf Vorstandsgehaltshöhe; man muss ja als Gewerkschafter immerhin auf Augenhöhe mit den Ausbeutern verhandeln. Sehr interessant war ja auch einmal ein Artikel, als es um VERDi als Arbeitgeber in der Zentrale ging. Seitdem winke ich bei Gewerkschaften nur noch ab...;-).
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