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Studie: So groß sind die Sorgen der Banken-Lenker

Das Vertrauen ist verloren gegangen, Politik und Aufseher schauen genauer hin, die Konkurrenz wächst: In den Führungsetagen der Banken wird pessimistisch in die Zukunft geblickt. Eine Studie zeigt das ganze Ausmaß.

Die Sorgen der Bank-Lenker sind groß – nicht nur in Frankfurt. Quelle: dpa - picture-alliance
Die Sorgen der Bank-Lenker sind groß – nicht nur in Frankfurt. Quelle: dpa - picture-alliance

DüsseldorfIn den Führungsetagen der Banken grassiert Pessimismus. Zu diesem Ergebnis kommt die Umfrage „Branchenkompass 2012 - Kreditinstitute“ der Unternehmensberatung Steria Mummert. Demnach erwarten 36 Prozent der befragten Bank-Manager, dass sich die Branche bis 2015 schlechter entwickeln wird als die Gesamtwirtschaft. Nur sieben Prozent rechnen mit einem besseren Verlauf. Steria Mummert und Forsa befragten 120 Führungskräfte aus Kreditinstituten. 100 Entscheider aus Deutschland, 20 aus Österreich.

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Besonders düster sieht es offenbar bei den Sparkassen aus. Dort rechnen sogar 42 Prozent der Spitzenkräfte mit einer schlechteren Entwicklung der Bankenbranche. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Stimmung in der Finanzszene etwas aufgehellt: 2010 gab noch rund die Hälfte der Bank-Manager eine düstere Prognose ab.

Wo Banker die größten Probleme sehen

  • Bankenaufsicht und Regulierung

    Die größten Probleme sehen die Manager von Finanzhäusern in der verschärften Bankenaufsicht und der Regulierung. 94 Prozent nannten dies als größte Herausforderung der Branche für die Jahre 2013 bis 2015. Die Unternehmensberatung Steria Mummert und Forsa befragten 120 Führungskräfte aus 120 Kreditinstituten. 100 davon aus Deutschland, 20 aus Österreich. Die Studie wurde im November 2012 veröffentlicht.

  • Kosten

    An zweiter Stelle stehen die Kosten: 75 Prozent der Bank-Manager sehen den Renditedruck auf der Branche lasten.

  • Risikomanagement

    Im Zuge der Finanzkrise und der verschärften Regulierung müssen die Banken besser mit ihren Risiken umgehen. Dementsprechend sehen immerhin 74 Prozent der befragten Banker den Umbau des Risikomanagements als Herausforderung.

  • Vertrieb und Kundenmanagement

    Ebenfalls große Probleme sehen die Finanzhäuser im Vertrieb und Kundenmanagement. Hier sehen 71 Prozent der Bank-Lenker Herausforderungen.

  • Wettbewerb

    Neue Anbieter, auch aus fremden Branchen, drängen in das Stammgeschäft der Geldhäuser. 71 Prozent der Finanzmanager sehen dies als Problem.

  • Finanz- und Schuldenkrise

    Die Situation auf den Finanzmärkten belastet natürlich auch die Banken. Dementsprechend beobachten 70 Prozent der Geldhaus-Lenker die Lage in Griechenland und den Kapitalmärkten gespannt.

  • Demographische Entwicklung

    Mit etwas Abstand, aber dennoch mit großer Sorge, betrachten die Banker die Alterung der Bevölkerung. Die demographische Entwicklung betrachten immerhin 68 Prozent der von Steria Mummert und Forsa befragten als Herausforderung.

  • Optimierung der Geschäftsprozesse

    Rund 63 Prozent der Geldhaus-Manager erachten den Umbau von Betriebsabläufen als Herausforderung.

  • Konjunktur

    Weniger Sorge bereitet den Bank-Lenkern offenbar die Entwicklung der Konjunktur. Nur 53 Prozent gaben dies als Problem an.

  • Kreditrisiko

    Kreditrisiken bringen die Banker auch nicht um den Schlaf: Nur 39 Prozent bereitet dieses Thema Sorgen.

  • Optimierung der Informationstechnik

    Die Verbesserung der hauseigenen Computersysteme sehen 38 Prozent der Befragten als Herausforderung.

  • Liquiditätsmanagement

    Die geringsten Sorgen bereitet den Bank-Lenkern das Liquiditätsmanagement. Nur 32 Prozent sehen dies als Problem.

Die Branche steht nach Lehman-Pleite, Euro-Krise und mehreren Handelsskandalen unter großem Druck. Politik und Aufseher verschärfen die Regeln, fordern mehr Eigenkapital und einen besseren Umgang mit Risiken. So sieht eine überwältigende Mehrheit von 97 Prozent der Finanzmanager die größte Herausforderung der Branche in der Bankenregulierung.

Die Vorgaben, wie sie etwa das internationale Regelwerk für Banken (Basel III) vorsehen, fordern von den Geldhäusern tiefgreifende Veränderungen. Die Banken-Lenker müssen etwa ihre interne Organisation umbauen und technische Abläufe verändern. Besonders schwer wiegen die Eingriffe ins Geschäftsmodell. So steht vielerorts etwa das Investment-Banking auf der Kippe.

Obendrein ringen die Geldhäuser damit, dass die Kunden das Vertrauen in die Branche verloren haben. Eine Besserung ist kaum in Sicht. Und das ist den Bankern auch durchaus bewusst. Mehr als zwei Drittel der Entscheider gehen nicht davon aus, dass sich das Vertrauen rasch wiederherstellen lässt. Selbst die Sparkassen-Vertreter beobachten verlorenes Vertrauen. Nur die Genossenschaftsbanken glauben, dass sie in der Gunst der Kunden noch recht gut dastehen.

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Angesichts des massiven und andauernden Vertrauensverlusts macht sich in den Führungsetagen die Furcht vor neuen Wettbewerbern, aber auch vor hartem Konkurrenzdruck aus der eigenen Branche breit. 71 Prozent der von Steria Mummert befragten Banker sehen im härteren Wettbewerb eine große Herausforderung.

Neue Konkurrenz kommt etwa von den Finanzablegern der Autohersteller, die mit attraktiven Kredit- und Sparkonditionen auf den Markt drängen. Daneben gewinnen Zahlsysteme im Internet und Mobilfunk an Bedeutung. Zudem buhlen neue in- und ausländische Kreditinstitute um Kundschaft.

  • 15.11.2012, 15:40 UhrTimCholibois

    Ich habe diesen Artikel zu dem als Grundlage fuer einen Post auf meinem Blog ueber die Zukunft der Bankenwelt genommen, in dem ich Trends und Innovationsmoeglichkeiten identifiziere.


    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

    Ich finde es ausgesprochen schade, dass Banken nicht mehr über Diversifizierung, da dies meiner Meinung nach der einzige Ausweg aus der momentanen Krise darstellt.

  • 13.11.2012, 19:18 Uhrmaximilian@baehring.at

    Wie wird der Anlger in Zeiten von LOCATION-BASED-Services vo n INVESTITIONA-ALTERNATIVEN informiert?

    EINSTEIN: Wenn ich zwei Glasfasserkabel auf beiden Seitn PARALLEL geschaltet bekomme hätte ich Überlichtgeschwindigkeit!

    Es müsste sich ein Phänomen messen lassen nach dem die Information ankommt bevor sie abgesendet wird°! Durch Parallelisierung!

  • 13.11.2012, 16:36 UhrGuzzi_Cali2

    Es wird und wurde Zeit, daß die Herren Banker mal vom hohen Roß herunterkommen. Meiner ansicht nach sind sie immer noch nicht dort angekommen, wo sie hingehören und wo sie sich als das fühlen dürfen, was sie schlußendlich sein sollten: Dienstbare Lakaien der Realwirtschaft. Ich bin seit etwa einem Jahr schuldenfrei und entsprechend werden die Banker jetzt auch behandelt - als die schlechtesten meiner Lieferanten.

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