Banken

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Umfassende Konsolidierungsstrategie: Sparkassen ordnen Landesbanken neu

exklusivDie Landesbanken stehen vor einer radikalen Neuordnung: Erstmals haben sich die 430 Sparkassen auf eine gemeinsame Strategie für die Fusion der Landesbanken geeinigt.

Die Sparkassen wollen für eine Neuordnung der Landesbanken sorgen. Die WestLB soll den Plänen zufolge zerschlagen werden. Foto: ap Quelle: dpa
Die Sparkassen wollen für eine Neuordnung der Landesbanken sorgen. Die WestLB soll den Plänen zufolge zerschlagen werden. Foto: ap Quelle: dpa

FRANKFURT. Danach ist eine Neuordnung der sieben selbstständigen Landesbanken in nur noch drei große Blöcke im Norden, in der Mitte und im Süden Deutschlands vorgesehen. Offen ist derzeit noch, ob das Kapitalmarktgeschäft der Dekabank ausgegliedert wird und sich die Bank zukünftig wieder auf das reine Fondsgeschäft konzentrieren soll. Einig sind sich die Sparkassen über eine Aufteilung der WestLB, auch Teile der Landesbank Berlin stehen zur Verfügung.

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Der Beschluss zu diesem grundlegenden Umbau der öffentlich-rechtlichen Banken wurde bereits am vergangenen Montag bei einem Treffen der regionalen Sparkassenpräsidenten gefasst. „Die notwendige Stabilisierung der Geschäftsmodelle ist nur durch Konsolidierungen bei gleichzeitiger Anpassung der Kapazitäten erreichbar“, heißt es in dem Strategiepapier, das dem Handelsblatt vorliegt.

Die Sparkassen sind bei den Landesbanken gewichtige Eigentümer, bei der WestLB und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) besitzen sie die Mehrheit der Anteile, bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sind es fast 36 Prozent. Wegen der milliardenschweren Verluste der Landesbanken als Folge der Finanzmarktkrise drängen die Sparkassen vehement auf die Bildung größerer Einheiten, um die Risiken zu verkleinern.

Bisher haben sich vor allem die Ministerpräsidenten der Länder aus Standortüberlegungen gegen Zusammenschlüsse ausgesprochen. In den vergangenen Wochen drängten aber Bundesregierung, Bundesbank und Kommunen dazu, beim Fusionsthema voranzukommen. „Der Druck des Bundes nimmt hinter den Kulissen zu. Wer staatliche Hilfen beantragt, soll auch sagen, was er mit dem Geld vorhat und wie sein Geschäftsmodell aussieht“, sagte ein Landesbankvorstand. Auch die Sparkassen sehen im Rettungspaket einen Hebel, um zu Fusionen zu kommen. „Die Maßnahmen des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes bieten zusätzliche Chancen zur Unterstützung struktureller Änderungen“, heißt es im Beschluss der Verbandsvorsteher.

Bislang haben aber unter den Landesbanken nur die BayernLB und die HSH Nordbank offiziell Anträge auf Hilfen beim Sonderfonds für Finanzmarktstabilisierung (Soffin) gestellt, hieß es in Finanzkreisen. Es gebe keinen „extremen Druck“ vom Soffin, da die Landesbanken sonst keine Anträge stellten, hieß es weiter. Der Hebel für Veränderungen ist die Finanzmarktstabilisierungs-Verordnung, in der unter Paragraf 5 steht, dass der Soffin die Geschäftspolitik und deren Nachhaltigkeit überprüfen kann. Dabei kann verlangt werden, dass Geschäfte reduziert oder aufgegeben werden.

Auch die Sparkassen sehen die Reduzierung „nicht rentabler Aktivitäten“ in ihrem Beschluss als ersten Schritt in der Konsolidierung. Dabei wird auch überlegt, problematische Wertpapiere der Landesbanken in Milliardenhöhe in eine neue Zweckgesellschaft oder „bad bank“ zu übertragen. Dabei müsse verhindert werden, dass die „Trennung von Problembereichen“ dazu genutzt wird, die Konsolidierung hinauszuschieben.

Einige Ministerpräsidenten haben offenbar die Brisanz der staatlichen Auflagen in Verbindung mit den Rettungspaketen erkannt und suchen ihr Heil in Alleingängen. „Verschiedene Politiker – etwa in Baden-Württemberg – denken wohl über stille Einlagen aus den Länderhaushalten nach, um den Einfluss des Bundes zu verhindern“, sagte ein Insider. Hartmut Möllring, Aufsichtsratschef der NordLB und Finanzminister Niedersachsens, reagierte auf den Plan der Sparkassen gereizt. „Die NordLB hat keinerlei Veranlassung, auf Brautschau zu gehen oder über Fusionen nachzudenken“, sagte er.

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Sparkassenpräsident Heinrich Haasis sagte auf Anfrage, er wolle in der Diskussion „keinen Termindruck“ aufbauen. Die Länder würden die Meinung der Sparkassen kennen, momentan fänden Gespräche mit ihnen statt. Umsetzen ließen sich die notwendigen Veränderungen bei den Landesbanken aber nicht ohne Fusionen. „Dies wird zweifellos Arbeitsplätze kosten. Nur – wenn man zu spät handelt, kostet das noch mehr Arbeitsplätze“, sagte Haasis. Dann gefährde man auch im Markt erfolgreiche Teile. „Vor diesem Hintergrund ist es mindestens fünf vor zwölf, um in Übereinstimmung aller Träger bei den Landesbanken zu handeln“, so Haasis.

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