
FRANKFURT. Als Beispiel dafür, wie es nicht laufen kann, nannte er den Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers vor fast genau einem Jahr. Damals seien offenbar kurz vor der Insolvenz noch große Geldsummen von einem Land in ein anderes verschoben worden.
Rohner betonte, das Problem sei nicht die Größe einer Bank, sondern die Frage, wie kompliziert der Konzernaufbau sei und wie stark sie mit anderen Teilen des Finanzsystems verbunden sei. Er warnte vor einer „Fragmentierung“ der Aufsichtsstrukturen und „protektionistischen“ Strömungen. Ein Land, das nur seine eigenen Banken schützen wolle, gewinne lediglich Scheinsicherheit. Die Banken sollten daher mitwirken an der Entwicklung internationaler Regeln.
Zum Steuerstreit des Konkurrenten UBS in den USA und Vorwürfen des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück gegenüber der Schweiz sagte Rohner, das Thema „Bankgeheimnis“ werde stark überschätzt. „Die Kunden kommen nicht deswegen zu einer Schweizer Bank, das garantiere ich ihnen“, betonte er sogar. Nach seiner Erfahrung spielt heute im Geschäft mit vermögenden Anlegern vor allem eine große Rolle, an vielen international wichtigen Plätzen vertreten zu sein – „Multishoring“ heißt das passende Schlagwort dazu. Rohner betonte, für seine Bank habe sich die starke Zentralisierung vieler Funktionen vom Einkauf bis zur Risikokontrolle und den Regeln zur Vermeidung von Interessenkonflikten in der Krise bezahlt gemacht. So sei es möglich, viel schneller neue Risiken oder geänderte Anforderungen der Politik zu berücksichtigen.
Die Credit Suisse hat nach Darstellung Rohners jetzt schon auf künftige Anforderungen an die Branche reagiert. Sie habe während der Krise ihr Kapital erhöht auf eine Kernkapitalquote (Tier 1) von gut 15 Prozent. Und die Vergütungssysteme seien so umgestellt worden, dass unter bestimmten Umständen auch Rückforderungen von Boni möglich seien.