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Urteil gegen Adoboli: UBS-Händler zu sieben Jahren Haft verurteilt

Als Derivatehändler hatte Kweku Adoboli die Schweizer Großbank UBS um Milliarden gebracht. In London ist er jetzt des Betruges schuldig befunden worden. Er pochte darauf, sich nicht bereichert zu haben.

Der 32-jährige Ex-UBS-Banker Kweku Adoboli auf dem Weg zur Urteilsverkündung. Quelle: AFP
Der 32-jährige Ex-UBS-Banker Kweku Adoboli auf dem Weg zur Urteilsverkündung. Quelle: AFP

LondonKweku Adoboli ist schuldig. Die Jury verurteilte den ehemaligen Derivatehändler wegen Betrugs. Er bescherte der Schweizer Großbank UBS mit seinen illegalen Geschäften Verluste von 2,3 Milliarden Dollar. Richter Brian Keith verurteilte Adoboli zu sieben Jahren Haft. Damit ist der spektakuläre Prozess vor dem Londoner Southwark Crown Court zu Ende.

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Die Geschworenen befanden Adoboli in zwei Anklagepunkten wegen Betrugs für schuldig. Vom Vorwurf der Bilanzfälschung in vier Fällen wurde er freigesprochen. Insgesamt musste sich der Diplomatensohn mit ghanaischen Wurzeln sechs Vorwürfen stellen, zwei Mal ging es um Betrug, vier Mal um Bilanzfälschung.

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Zehn Wochen lang hatte sich der Prozess um den höchsten Handelsverlust in der britischen Finanzgeschichte hingezogen. Vor einer Woche hatte Richter Brian Keith den Fall zusammengefasst und die Geschworenen zur Beratung entlassen. Heute Vormittag fragte Keith die Jury, ob sie zumindest in einem Punkt der Anklage zu einem einstimmigen Ergebnis gekommen sei. Die Antwort lautete ja.

Adoboli hat in den Wochen vom 31. Mai 2011 bis zu seiner Verhaftung am 15. September des selben Jahres betrügerisch gehandelt und seine Stellung zum eigenen Vorteil ausgenutzt. Damit hat die Jury den Ex-Händler für die entscheidende Phase verurteilt, in der seine illegalen Handelspositionen endgültig aus dem Ruder gelaufen sind, und sich in milliardenschwere Verluste verwandelt haben.

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Die Verurteilung dürften nicht nur im Top-Management der UBS mit Erleichterung aufgenommen werden, sondern in der gesamten Londoner City. Denn mit der Verurteilung bestätigen die Geschworenen zumindest vorläufig und in einem entscheidenden Punkt die These vom skrupellosen Einzeltäter. Nach einem Sommer voller Skandale ging es im Saal drei des Southwark Crown Courts wieder einmal auch um die Reputation des Finanzplatzes London.

Hätten die Geschworenen Adoboli frei gesprochen, wäre das einer Verurteilung der Firmenkultur der UBS und der gesamten Branche gleich gekommen. Denn sein Anwalt Charles Sherrard versuchte, Adoboli als Opfer des Systems Investment-Banking darzustellen. Das System fordert von denen, die sich darauf einlassen, immer höhere Gewinne, um beinahe jeden Preis.

  • 20.11.2012, 13:15 Uhrhafnersp

    Vermutlich werden in nächster Zeit noch viele solche Sündenböcke verurteilt werden müssen. Die UBS (bzw. in einem früheren Fall die SocGen) ist nicht die einzige Großbank in Schwierigkeiten.

  • 20.11.2012, 13:47 UhrNobody

    So ist das eben. Die Verbrecher in der Geschäftsführung werden immer verschont!

  • 20.11.2012, 13:48 UhrFrieda

    Klar hat er sich persönlich bereichert. Im Erfolgsfall hätte er einen fetten Bonus bekommen. Er besaß also eine Option auf REICHTUM - und die war doch wohl Geld wert.

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