
HB NEW YORK. Die Finanzkrise treibt die einst weltgrößte Bank Citigroup in die Arme des Staates. Angesichts neuer überraschender Milliardenlöcher weitet die US-Regierung ihre Beteiligung an der taumelnden Bank massiv aus. Künftig hält der Staat als größter Anteilseigner bis zu 36 Prozent. Die Teilverstaatlichung heizte am Freitag in den USA Spekulationen über weitere teilweise oder komplette Bankenübernahmen durch die Regierung weiter an.
Der historische Schritt erfolge über eine Umwandlung von maximal 25 Mrd. Dollar an bestehenden Vorzugsaktien des Staates in Stammaktien, gab die Bank in New York bekannt. Bedingung der US- Regierung: Auch private Investoren müssen zuvor über diesen Weg mindestens in derselben Höhe zur Stärkung der Kapitalbasis beitragen.
Die Citigroup gab zusätzlich neue enorme Wertberichtigungen von 9,6 Mrd. Dollar (7,5 Mrd Euro) vor Steuern bekannt. Damit beschleunigt sich die Krise für die einst weltgrößte Bank nochmals dramatisch: Ihr Jahresverlust für 2008 steigt rückwirkend massiv auf 27,7 Mrd. Dollar - erst vor knapp sechs Wochen hatte das Institut noch neun Mrd. Dollar weniger Minus erwartet. Die Bank gehörte schon bisher zu den weltweit größten Verlierern der Finanzkrise.
Gerade auf diese Nachricht reagierte die Börse geschockt: Die Citigroup-Aktien sind zum Handelsauftakt um über 30 Prozent eingebrochen. "Ich glaube nicht, dass das gute Nachrichten sind, aber ich habe seit 24 Monaten keine guten Nachrichten mehr gehört, und ich glaube, es dauert noch länger bis ich wieder welche höre", sagte Peter Kenny, Managing Director bei Knight Equity Markets aus New Jersey. "Wir sprechen über eine Art von Verstaatlichung." Im Sog der Nachrichten um die Citigroup gaben die Aktienkurse weltweit nach.
Der Verwaltungsrat der Citigroup wird zudem auf Druck der Regierung massiv umgebaut. Sobald als möglich soll die Mehrheit der Mitglieder von außen kommen und unabhängig sein. Spekulationen über eine mögliche Ablösung von Konzernchef Vikram Pandit bestätigten sich dagegen zunächst nicht.
Größere Investoren wie etwa Singapurs Staatsfonds GIC haben laut Citigroup ihre Beteiligung an dem Kapitalschritt bereits zugesagt. Sollten alle Parteien mitziehen, würde das Eigenkapital der Bank von bisher knapp 30 auf rund 81 Mrd. Dollar aufgestockt.
Die Alt-Aktionäre müssen im Zuge der Aktienumwandlung auf ihre Ausschüttung verzichten - die Dividende wird zunächst ausgesetzt. Zudem spart Citi künftig Zinszahlungen in Milliardenhöhe, die bisher für die Vorzugsaktien fällig waren. Die Anteile bestehender Aktionäre sinken durch die größere staatliche Beteiligung deutlich.
Für die Umwandlung bestehender Anteile fließen nach Angaben der Citi keine zusätzlichen Staatsgelder. Das Umtauschverhältnis basiert auf einem Aktienkurs von 3,25 Dollar pro Papier, weit mehr als die Aktie aktuell wert ist.