
ben/HB DÜSSELDORF. Den rund 30 000 Mitarbeitern von Goldman Sachs winkt 2009 im Durchschnitt ein Rekordbonus von 700000 Dollar, falls die Ergebnisse im zweiten Halbjahr so gut sein sollten wie in den ersten beiden Quartalen. Das wäre sogar mehr als die Banker in den Boomjahren verdient haben.
Angesichts der hohen Boni ist es umso verständlicher, dass Goldman Sachs vor kurzem die Staatshilfen zurückgezahlt und sich damit befreit hat. Trotz der Kosten dafür war bei Goldman Sachs von der Finanzkrise nicht mehr viel zu spüren. Mit einem Reingewinn von 2,7 Mrd. Dollar (rund 1,9 Mrd. Euro) wies Goldman für das zweite Quartal ein um 33 Prozent über dem Vorjahreszeitraum liegendes Ergebnis aus. Die Erträge kletterten um fast die Hälfte auf 13,7 Mrd. Dollar. Dafür verantwortlich waren ausschließlich die Einnahmen im Handel: Das Geschäft mit Unternehmensanleihen, Kredit- und Zinsprodukten sowie Devisen legte im zweiten Quartal so stark zu wie seit Monaten nicht mehr. Die Erträge in der Sparte verdoppelten sich fast.
Damit verdient Goldman vor allem in dem Bereich wieder Geld, in dem die Finanzkrise ihren Anfang genommen hatte. Und die Bank ist auch wieder bereit, höhere Risiken einzugehen. Das zeigt die Kennziffer des maximalen prognostizierten Verlusts eines Handelstages (der sogenannte Value at Risk). Diese Kennziffer stieg im zweiten Quartal auf 245 Mio. Dollar. Das waren fünf Mio. Dollar mehr als im ersten Quartal. Gegenüber Anfang 2007, also der Zeit vor der Krise, stieg der Risikoappetit der Bank sogar um fast 90 Prozent. "In vielerlei Hinsicht herrscht bei Goldman Sachs wieder business as usual", sagte Barclays-Analyst Roger Freeman.
Beruhigend dagegen ist, dass Goldman eine Kernkapitalquote - die wichtigste Kennziffer zur Beurteilung der Kapitalstärke einer Bank - von 13,8 Prozent ausweist. Das ist im Branchenvergleich relativ viel. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern liegt bei 23 Prozent. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wurde für seine Vorgabe, langfristig einen Durchschnittswert von 25 Prozent zu erzielen, oft kritisiert.
Einbußen musste Goldman Sachs im klassischen Beratungsgeschäft bei Übernahmen und Fusionen hinnehmen. Auch die Erträge in der Vermögensverwaltung gingen zurück. Dennoch war die US-Investmentbank schon bislang deutlich besser durch die Finanzkrise gekommen als viele Konkurrenten. Im jüngsten Quartal hat die Bank nach den Worten von Goldman-Chef Lloyd Blankfein vor allem vom Wertpapierhandel und dem Angebot von Anleihen und Aktien profitiert. Das Ergebnis spiegele die Kombination aus sich verbessernden Bedingungen an den Finanzmärkten und guten Kundenbeziehungen wider.