
HB NEW YORK. Mit mehr als fünf Stunden und zahlreichen aufgebrachten Rednern dauerte die Aktionärsversammlung in New York deutlich länger als sonst. Bei der Verabschiedung von fünf Vorstandsmitgliedern rief ein Aktionär: „Gott sei Dank, dass ihr weg seid!“
Die Citigroup hat 45 Mrd. Dollar von der Regierung erhalten. Da ein Teil davon in Aktien umgewandelt werden soll, wird das US-Finanzministerium der größte Einzelaktionär der Bank. Vorstandschef Vikram Pandit kündigte eine grundlegend neue Strategie an.
Zuvor gab es allerdings Gerüchte, dass Pandit alles andere als sicher im Amt ist: In den Reihen der Bankenaufseher werde intern schon über mögliche Nachfolger für Pandit gesprochen, falls die milliardenschwer gestützte Bank erneute Staatshilfen benötigen sollte. Es sei undenkbar, dass der Konzernchef in diesem Fall an der Spitze bleibe, zitierte die „Financial Times“ am Dienstag Insider.
Die Citigroup ist einer der größten Verlierer der Finanzkrise. Die enormen Staatshilfen und Garantien bei schon drei Rettungsaktionen summieren sich auf fast 350 Mrd. Dollar. Der Staat ist dadurch größter Aktionär mit einem auf bis zu 36 Prozent steigenden Anteil. Über einen Wechsel an der Spitze würde daher laut Experten vor allem das US-Finanzministerium entscheiden.
Für das erste Quartal hatte die Citigroup gerade ein geringeres Minus als erwartet vorgelegt, im Bankkerngeschäft sogar ein Plus. An diesem Dienstag sollte sich Pandit bei der Hauptversammlung der Bank den Fragen der Aktionäre stellen. Der Manager hatte Ende 2007 die Führung übernommen, als die Bank wegen der Krise ihren Chef auswechselte.