
NEW YORK. Es war schon halb elf am Sonntagabend, und der Beginn der neuen Börsenwoche rückte bedrohlich nahe, als der Verwaltungsrat des New Yorker Finanzkonzerns einer teuren Notfinanzierung zustimmte. Demnach erhält CIT von einer Gläubigergruppe eine Kapitalzufuhr über drei Mrd. Dollar, um die Pleite noch einmal abzuwenden.
Die Konditionen der Finanzierung zeigen die überaus schwache Verhandlungsposition des 100 Jahre alten Geldhauses: Übereinstimmenden US-Medienberichten zufolge zahlt CIT für die Nothilfe Zinsen, die um zehn Prozent über der aktuellen London Interbank Offer Rate (Libor) liegen sollen - also jenem Zinssatz, zu dem in London ansässige Banken bereit sind, sich am Geldmarkt untereinander Geld zu leihen. Darüber hinaus muss CIT seine Anleihen mit der besten Qualität als Pfand hinterlegen.
Der umstrittene CIT-Vorstandschef Jeffrey Peek kauft sich mit dem Deal Zeit, um die Sanierung der hochdefizitären Firma einzuleiten, einen hohen Schuldenberg abzubauen und sich gegebenenfalls von Tafelsilber zu trennen. Marktbeobachter sehen die Rettungsaktion allerdings nur als vorübergehend an, weil sie nicht die mittelfristigen Finanzierungsprobleme des Unternehmens löse. In den nächsten Wochen werden eine Mrd. Dollar an Verbindlichkeiten fällig, bis zum ersten Quartal des nächsten Jahres insgesamt sogar 7,4 Mrd. Dollar. "Wir glauben weiterhin, dass es auf Sicht ein verlorenes Rennen ist", sagte Analyst David Hendler von Credit Sights in New York. Das Geschäftsmodell von CIT sei "tot", und für den Aufbau einer Privatkundenbank fehlten dem Konzern Zeit und Geld.
Einige Gläubiger sind offenbar der Auffassung, dass sie mit dem aktuellen Deal besser bedient sind als mit einer Insolvenz der Mittelstandsfinanzierers. Allerdings gilt ihre Kapitalspritze als durchaus riskant, weil die Verhandlungen am Wochenende innerhalb von 48 Stunden durchgezogen werden mussten. "Sie haben das Unternehmen nicht so durchleuchten können, wie sie das üblicherweise tun", berichtet das " Wall Street Journal" unter Berufung auf einen Verhandlungsteilnehmer.