
FRANKFURT. "Retten wir den Euro oder die Spekulanten?" lautete ab 22.45 Uhr die Frage - und die kommenden 60 Minuten wurden zum Parforce-Ritt durch die Welt der Schuldenkrise, des Investmentbankings und der Schuldzuweisungen. Der Höhepunkt war dabei in der ZDF-Sendung schon ziemlich früh erreicht - Ackermanns Zweifel an der Fähigkeit der Griechen, ihren immensen Schuldenberg von 300 Mrd. Euro zu bedienen und abzutragen, haben jedenfalls das Zeug zum Klassiker.
"Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, wage ich zu bezweifeln", sagte Deutschlands mächtigster Banker, und erntete dafür im Publikum zarten Applaus. Eigentlich sprach der Schweizer ja auch nur aus, was sich viele Bürger schon denken, aber die politische Entrüstungsmaschinerie wird heute darüber bestimmt auf Touren kommen. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich die Deutsche Bank Ärger einhandelt, weil sie im Fernsehen öffentlich über die Bonität von Schuldnern - etwa eines Medienunternehmers - nachdenkt.
Dabei hat Ackermann keineswegs die Sinnhaftigkeit der Hellas-Rettung angezweifelt, ganz im Gegenteil, für ihn ist sie alternativlos. Es sei darum gegangen, eine "Kernschmelze" zu verhindern. Und der Konzernlenker im dunklen Anzug mit blauer Krawatte - gelebte Corporate Identity sozusagen - hat dabei auch mehrfach anklingen lassen, dass man Italien und Spanien nicht so einfach hätte auffangen können, deshalb sei es darum gegangen, die "Ansteckungsgefahr" zu bannen. Beide Länder seien stabilisiert, bei Portugal sei die Lage "etwas schwieriger."
Einigermaßen ratlos ließ den Zuschauer aber der Satz zurück, dass man im Falle Griechenlands, sollte es "am Schluss dieser ganzen Phase" doch nicht ganz reichen, noch über Umschuldungen nachdenken könne. Kommt das dicke Ende also doch noch? Auch das dürfte heute Stoff für zahlreiche Textauslegungen bieten.
Eines kam zur Sprache, was hier nicht steht:
Wie kleine Staatsangestellte mit "unserem Geld" gleichfallss spekuliert und verloren haben, den sogenannten swuaps oder so ähnlich hießen die.
Anschließend wurde dann die Schuld auf die banken geschoben um unsere kleinen Angestellten zu entlasten.
Mit unserem Steuergeldern und anderen Geldern wird sorglos umgegangen. Da hat Ackermann recht. Diese Menschen haben auf leichten Gewinn gehofft und verloren. Sie waren keine zu schützenden Privatkunden sondern sind voll geschäftsfähig und als solche professionell eingesetzt und hätten um das Risiko wissen müssen. Doch da unsere Angestellten selber alle ihr meist hohes sicheres Gehalt einstreichen, spielt es keine Rolle für sie.
Den banken die Schuld für spekulative Geschäfte geben, wie einfach ist das.
Wozu haben wir Lesen und Schreiben gelernt, wenn dann im besten Fall nur Halbwahrheiten ausgetauscht werden. Fatal ist, wenn dann noch die unwahre Hälfte als Wahrheit angenommen wird.
Herr Ackermann wird uns in einer Talkshow nun gerade das verraten, was er im allgemeinen Geschäftsverkehr geflissentlich verschweigt. Rätselhaft, weshalb sich Leute das anhören.
Glaubt wirklich jemand, Herr Ackermann oder sonstwer wird über die eigenen Kellerleichen etwas erzählen? Nun, die US-behörden ermitteln und vielleicht ermitteln sie
auch hier über ihre Dienste.
Mich würde es insoweit nicht überraschen, wenn eine Rettung der Db über die Postbank erfolgte. Schließlich muß es doch einen Sinn geben, wenn die Db im hessischen Wahlkampf 200 Mio. Euro an die C-Partei "spendet"! in einer allgemeinen globalen Wirtschaftskrise, in der die Großbanken abgewirtschaftet haben, deutet die Höhe der Spende eher auf ein Geschäft hin und begründet eine Untersuchung.
Das Referat iT-Sicherheit im bundestag könnte Auskunft geben.
Ansprechpartner sind Manfred Kuschel, Tel. 030 227 35 182, E-Mail: manfred.kuschel@bundestag.de und
Martin Ohnesorge, Tel. 030 227 35 183, E-Mail: martin.ohnesorge@bundestag.de .
Vielleicht hilft ein kleiner Exkurs in die Geschichte. Griechenland stand wie Süditalien und Teile des balkans im Mittelalter Jahrhunderte lang unter Fremdherrschaft. Die bevölkerung hat sich dem still widersetzt und ihr tägliches Leben auf einer Ebene außer Sicht der besatzungsmächte organisiert. Es hat sich eben eine Subkultur ausgebildet. So konnte z.b. die Mafia in Sizilien entstehen, die zunächst durchaus eine "ehrenwerte Gesellschaft" war, da sie das Überleben der bevölkerung organisierte und dies notwendigerweise im geheimen tat. Mit der befreiung und Einigung italiens 1862 entfiel natürlich diese Geschäftsgrundlage, aber die Organisation lebte weiter und wandte sich anderen, weniger honorigen Geschäften zu. in der bevölkerung blieb das grundsätzliche Mißtrauen gegen jegliche Staatsgewalt und der Hang, seine Geschäfte möglichst ohne den Staat zu erledigen. Die anderen oben angesprochenen Regionen folgten jede für sich demselben Muster. GR wurde 1830 selbständig, andere balkanländer erst 1919.
italien hat heute nach 150 Jahren noch seinen inzwischen sprichwörtlichen mezzogiorno, d.h. die Mentalität hat sich nur mäßig geändert, südlich von Rom gehen die Uhren völlig anders. Ein Problem, an dem der ganze italienische Staat sichtlich leidet.
Nun hofft die EU, daß sich in GR die Mentalität innert drei Jahren grundsätzlich ändert hin zu mitteleuropäischem Staatsbewußtsein und Organisationsstandard. Die Zweifel des Herrn Ackermann sind da nur zu berechtigt, denn es wird noch schlimmer kommen als er angedeutet hat.
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