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Vatikanbank: Deutscher wird oberster Banker des Papsts

Ein Frankfurter Headhunter hat dem Vatikan geholfen, einen Deutschen an die Spitze der Vatikanbank IOR zu heben. Ernst von Freyberg übernimmt den Vorsitz des Aufsichtsrats des „Instituts für die religiösen Werke“.

Ernst Freiherr von Freyberg. Quelle: ap
Ernst Freiherr von Freyberg. Quelle: ap

Düsseldorf/RomNeuer Chef der Vatikanbank wird der deutsche Finanzexperte Ernst von Freyberg. Nach rund neun Monaten der Vakanz besetzte die für das Institut für religiöse Werke (IOR) zuständige Kommission aus Kardinälen den Posten damit am Freitag neu. Der scheidende Papst Benedikt XVI. stimmte der Ernennung von Freybergs zu.

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Wie die zuständige Kardinalskommission mitteilte, erfolgte die Entscheidung für von Freyberg "nach eingehender Prüfung und einer Reihe von Gesprächen über mehrere Monate". Laut Vatikan-Sprecher Federico Lombardi gab es für den Posten etwa 40 Kandidaten. Von Freyberg bringe dafür "umfangreiche Erfahrung" mit, erklärte der Vatikan.

Freyberg wurde im Jahr 1958 geboren und ist verheiratet. Er studierte Jura in München und Bonn. In den Jahren 1991 bis 2012 war er Chef der Frankfurter Investitionsgesellschaft Daiwa Corporate Advisory, zu deren Gründern er zählt. Bis zuletzt arbeitete er in verschiedenen Funktionen bei der inzwischen großteils an einen britischen Investor verkauften Hamburger Werft Blohm + Voss.

Der praktizierende Katholik von Freyberg ist aktives Mitglied des karitativen Malteserordens und einer der Vertreter, die beim Erzbistum Berlin für die Organisation von Wallfahrten nach Lourdes zuständig sind. Neben Deutsch spricht von Freyberg Französisch, Englisch und Italienisch. Italienischkenntnisse seien für den Posten des IOR-Chefs besonders von Vorteil, betonte Lombardi.

Ende Mai war IOR-Chef Ettore Gotti Tedeschi entlassen worden. Grund war offenbar interner Streit um die richtige Führung des wegen Geldwäschevorwürfen in der Kritik stehenden Instituts. Gotti Tedeschi soll dabei eine Ausrichtung der Bank an internationalen Standards vorangetrieben haben, wogegen sich Teile des Vatikans, etwa Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, stellten.

Der Europarat hatte die Vatikanbank im vergangenen Sommer zu mehr Anstrengungen im Kampf gegen die Geldwäsche aufgefordert. In einem Bericht monierte er, dass vor allem die Kontrolle der IOR nach wie vor unzureichend sei. Rolle und Kompetenzen der dafür zuständigen Finanzbehörde müssten klarer definiert werden.

Der Europarat bescheinigte dem Vatikan eineinhalb Jahre nach Verkündung eines Dekrets gegen Geldwäsche durch den Papst zwar deutliche Fortschritte. Die Ende 2010 geschaffene Finanzbehörde habe ihre Effizienz aber noch nicht unter Beweis gestellt, hieß es damals. Um den Kampf gegen die Geldwäsche voranzutreiben, stellte der Vatikan zuletzt den Schweizer Anwalt René Brülhart ein.

Die Vatikanbank IOR verwaltet unter anderem Spenden an die katholische Kirche. Orden, Gemeinden und Geistliche haben ihre Konten bei der IOR. In der Vergangenheit waren unter anderem Mafiagelder über die IOR gewaschen worden.

  • 18.02.2013, 09:29 UhrManager

    Zu dieser Meldung fällt mir nur ein:
    Wir sind Bank!
    So müßte nun der dämliche Kommentar der Bild-Zeitung lauten.

  • 15.02.2013, 17:33 Uhrunendlicheacht

    Bruessel wird die Vatikanbank konfiszieren. Strafgerichtshof wird sich ausgibig bemuehen.

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